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Buchvorstellung

Warum ein Dirndl nicht glitzern sollte

Der „Fettnäpfchenführer Bayern“ hilft Zuagroasten auf unterhaltsame Art, Fehltritte im Freistaat zu vermeiden.
Von Vanessa Köneke

  • Wiesnbesucher feiern auf dem Oktoberfest. der Fettnäpfchenführer Bayern erklärt, warum man Bayerns Volksfeste nicht im Glitzerdirndl besuchen sollte. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

München.Stereotype gibt es über Bayern viele – manche treffen zu, andere nicht. Zu zweiter Gruppe gehört die Vorstellung, dass Bayern nur aus Bergen, Lederhosen und Weißwürsten besteht. Das klassische Bayern kommt im neuen „Fettnäpfenführer Bayern“ zwar auch vor. Aber während viele Reiseführer vor allem Klischees bestätigen, macht dieses Buch durchgehend eines deutlich: Bayern ist vielfältig.

Der Fettnäpfchenführer erzählt in belletristischer Form die Geschichte eines frisch verlobten Paares: Magdalena, die aus Niederbayern stammt und in München lebt. Und Jochen, „einem Preußen“ aus Wuppertal. Jochen stellt die Beziehung der beiden (und ihrer Familien) immer wieder durch kleine Fauxpas auf die Probe. So schimpft er über Dackel, vermutet ganz Schwaben in Baden-Württemberg und kauft seiner Liebsten ein glitzerndes Dirndl für die Wiesn.

Eine Reise quer durch Bayern

Das Buch ist aber nicht nur ein Knigge, erst recht keiner mit erhobenem Zeigefinger. Vielmehr ist es gleichzeitig ein Mini-Roman und Reiseführer. Die Autorin mischt geschickt die Geschichte ihrer Protagonisten mit Beschreibungen von Orten und Lebensgefühl, Historie, Worterläuterungen und politischen Anekdoten. Dabei sind die 256 Seiten nicht mit Zahlen und Fakten überfrachtet, sondern gut strukturiert und kurzweilig zu lesen. Wer Geheimtipps oder eine komplette Chronik Bayerns sucht, ist mit dem Fettnäpfchenführer schlecht beraten. Aber das ist auch nicht Kern des Buches.

Lese-Tipp

  • Das Buch:

    Der Fettnäpfchenführer Bayern ist im nordrhein-westfälischen Reiseliteratur-Verlag Conbook erschienen. ISBN: 978-3-95889-203-3; Preis: 12,95 Euro.

  • Die Reihe:

    Ähnliche Bücher in gleicher Machart führt der Verlag über gut 30 Länder und einige Städte

Eine Besonderheit des Fettnäpfchenführers ist, dass er Bayern nicht auf eine Gebrauchsanweisung für Oberbayern reduziert. Magdalena und Jochen wohnen zwar in München, besuchen dann aber die Eltern der künftigen Braut in Niederbayern, angeln mit ihrem Vater in der Oberpfalz und machen einen Ausflug zum Kabarett in Passau. Zum Junggesellenabschied geht es nach Bamberg mit Zwischenstopp in Nürnberg. Die Hochzeitsreise führt das Paar an den Chiemsee.

Das ist die Autorin Nadine Luck

Das Buch dürfte vom Leben der Autorin Nadine Luck beeinflusst sein, einer freien Journalistin und Bloggerin. Wie Jochen stammt ihr Mann aus NRW. Sie selbst kommt aus Niederbayern, hat aber in München studiert. Inzwischen lebt die Familie in Bamberg.

Dementsprechend sind München, Niederbayern und Bamberg etwas stärker thematisiert als etwa Schwaben, Unterfranken und die Oberpfalz. Doch auch die werden angeschnitten, etwa mit Spätzle, Frankenwein und Karpfen. Vor allem stellt die Autorin Unterschiede zwischen den Regionen explizit heraus, etwa bei Begrüßungsformeln, Konfession und Wurstvorlieben.

Angenehm ist, dass die Autorin nicht gelegentlich in die Ich-Perspektive wechselt. Die Geschichte von Magdalena und Jochen ist zwar nicht besonders einfallsreich, aber weniger aufdringlich als Bücher, in denen die Autoren mit „Wir“- oder „Ich“-Sätzen sich selbst und ihre Lieblingsorte thematisieren. Der Fettnäpfchenführer wirkt hier wesentlich objektiver. Das Liebenswerte an Bayern wird ebenso dargestellt und eingeordnet wie Kritisches oder Diskussionswürdiges.

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