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Backkunst

Die Rosenheimer Torten-Queen

Katerina Schneider zählt zu den besten Tortendesignern der Welt. Der Clou: Sie hat sich alles selbst beigebracht.
Von Susanne Wolf

Mit diesem fantastischen Vogel hat Katerina Schneider aus Rosenheim erneut den Gold-Titel beim „Cake International“-Wettbewerb in Birmingham geholt. Sie zählt zu den besten Tortendesignern der Welt. Foto: Schneider
Mit diesem fantastischen Vogel hat Katerina Schneider aus Rosenheim erneut den Gold-Titel beim „Cake International“-Wettbewerb in Birmingham geholt. Sie zählt zu den besten Tortendesignern der Welt. Foto: Schneider

Rosenheim.Stolz thront der weiße Fantasievogel mit seinem filigranen Federgeschmeide – ähnlich einem Pfau – auf der signalroten Vase. Ihn zieren ein paar rote Farbtupfen sowie viele, äußerst fein gearbeitete Ornamente. Das Kunstwerk ist aber nicht aus Keramik oder einem ähnlichen Werkstoff gefertigt, sondern aus Zuckerpapier und Fondant, einer weichen und teigähnlichen Zuckermasse. Damit hat Katerina Schneider aus Rosenheim im November 2018 am „Cake International“-Wettbewerb, der weltgrößten Tortendesign-Messe, in Birmingham teilgenommen – und erneut Gold geholt.

Die 37-jährige gebürtige Ukrainerin zählt damit zu den weltbesten Tortendesignern. Sie ist aber keine gelernte Konditorin, wie man annehmen mag. Schneider backt zwar schon seit ihrer Kindheit, da ihr das Backtalent von ihrer Oma quasi in die Wiege gelegt wurde. „In der Ukraine ist das normal, dass die Frauen jedes Wochenende für die Familie backen“, erzählt sie.

„Vor fünf Jahren haben mich, die Tortendesignerin, noch viele Leute fragend angeschaut.“

Katerina Schneider, Tortendesignerin

Trotz der vielen Kuchen und Torten, die sie in ihrer Kindheit und Jugend gebacken hat, kann sie aber ihren Traum einer Konditorenausbildung nicht verwirklichen. Ihre Eltern denken, dass das damit verdiente Geld nicht für den Lebensunterhalt reichen würde. Deshalb studiert sie Finanzökonomie. Später lernt sie in Deutschland als Au-pair ihren Mann kennen und zieht bald zu ihm nach Rosenheim. Hier schneidet, fräst und bohrt sie ein paar Jahre in einem Acrylglas-Unternehmen – statt zu backen und modellieren.

Inspirationssuche im Internet

„Für Zuckerblumen braucht man eine spezielle Zuckerpaste und muss fein arbeiten“, so die 37-Jährige. Foto: Schneider
„Für Zuckerblumen braucht man eine spezielle Zuckerpaste und muss fein arbeiten“, so die 37-Jährige. Foto: Schneider

Als sie dann 2008 mit ihrer Tochter schwanger ist, ist ihr zu Hause langweilig. Die werdende Mutter schaut sich im Internet um, welche Backmethoden und Tortenverschönerungen es gibt. „Da habe ich Fondant entdeckt. Das kannte man damals in Deutschland noch nicht wirklich.“ Von den Ideen im Internet inspiriert besorgt sich die Hobbybäckerin Fondant. „Damit kann man alles Mögliche machen“, erzählt sie. „Mit Fondant kann man viel besser modellieren als mit Marzipan.“ Die Rosenheimerin probiert sich erst an simplen Torten aus und bald geht es los mit dekorativen Motivtorten für Familie und Freunde.

Doch das reicht ihr bald nicht mehr: „Da ich sehr ehrgeizig bin, habe ich mich für einen Wettbewerb angemeldet“, sagt sie. Schneider sahnt dabei gleich ihre ersten Preise für ihr Cake-Design ab. Um ihre Fingerfertigkeit noch weiter zu verfeinern, holt sich die kreative Hobbybäckerin erneut Anregungen aus dem Internet und schaut namhaften Tortenkünstlern in Irland und Russland über die Schulter.

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Der Ehrgeiz bleibt: Nach ihren ersten nationalen Erfolgen in Köln und Hamburg will sie „etwas ganz Großes ausprobieren“ – und meldet sich 2014 in Birmingham beim „Cake International“-Wettbewerb an. „Da habe ich Gold und den ersten Platz in meiner Kategorie geholt“, freut sie sich. „Im Jahr darauf habe ich dann sogar den ,Best in Show‘-Titel geholt.“ Unter 1200 Teilnehmern liefert sie das schönste Tortendesign ab und wird damit zur besten internationalen Tortendesignerin gekürt. 2016 folgt der in London verliehene „Cake Masters Magazine Award“, der unter Tortenkünstlern „Cake Oscar“ genannt wird.

Belohnung für belastende Fahrt

„Schloss Neuschwanstein proportional nachzubauen, war schwierig“, verrät die Tortendesignerin. Foto: Schneider
„Schloss Neuschwanstein proportional nachzubauen, war schwierig“, verrät die Tortendesignerin. Foto: Schneider

Im November 2018 macht sie sich erneut nach Birmingham auf – mit ihrem filigranen Fantasievogel. Die Federn sind sorgsam in Quilling-Technik modelliert. Das ist eigentlich eine Basteltechnik, bei der Papierstreifen zu unterschiedlichen Elementen gerollt werden. Durch Drücken und Kleben der Grundelemente lassen sich daraus wunderbare Motive zaubern. Schneider benutzt statt normalem Papier Zuckerpapier und wendet die Technik für das Tortenmodellieren an. „Zwei Wochen lang habe ich Tag und Nacht an meinem Tortendesign gebastelt – sogar während meiner zweitägigen und rund 1300 Kilometer langen Autofahrt“, erzählt sie.

„Würde man die Arbeitsstunden und das Material zusammenzählen, dann würde der Fantasievogel mehrere Tausend Euro kosten.“ Doch das ist es ihr wert, denn Tortendesign ist ihre Passion – und wird beim Wettbewerb belohnt. Vertreten sind bei der „Cake International 2018“ 1900 Teilnehmer in 13 Kategorien. In der Kategorie „Dekoratives Element“ holt sie sich erneut den Gold-Titel nach Rosenheim.

„Der ,Froschkönig‘ ist eine aufwendige 3D-Torte, für die man viel schnitzen muss“, sagt Schneider. Foto: Schneider
„Der ,Froschkönig‘ ist eine aufwendige 3D-Torte, für die man viel schnitzen muss“, sagt Schneider. Foto: Schneider

Heute hat Katerina Schneider ihr Hobby zum Beruf gemacht: Sie bäckt „für einen engen Kundenkreis“ und gibt vor allem ihr Wissen und Können weiter – nicht nur an andere Hobbybäcker, sondern auch an gelernte Konditoren, da Tortendesign nicht Teil ihrer Ausbildung ist. „Ich unterrichte Tortendeko und bin auf Messen als Workshopleiterin und Jurorin unterwegs.“ Es freut sie, dass das Tortendesign auch in Deutschland langsam ernst genommen wird. „Mittlerweile kennt man Motivtorten und Fondant. Vor fünf Jahren haben mich noch viele Leute fragend angeschaut, wenn ich gesagt habe, dass ich Tortendesignerin bin“, sagt sie schmunzelnd.

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