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Heiligabendessen

Weihnachtsritual Brotsuppe

Isolde Stöcker-Gietls Vater freut sich jedes Jahr auf die Brotsuppe. Das Arme-Leute-Speise ist für ihn ein Festmahl.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Die schönste Bescherung an Weihnachten: ein Teller Brotsuppe Foto: Stöcker-Gietl
Die schönste Bescherung an Weihnachten: ein Teller Brotsuppe Foto: Stöcker-Gietl

Regensburg.Mein Vater ist ein Kriegskind. Aufgewachsen ist er in armen Verhältnissen. Obwohl sich der Nachname Gietl von Gütl ableitet, besaß die Familie keinen Bauernhof. Fleisch stand selten auf dem Tisch. Es gab oft Bröselschmarrn und Hefenudeln und die Milch vom einzigen Nutztier, einer Ziege. Bis heute kann mein Vater deshalb Ziegenkäse nicht riechen, geschweige denn essen.

Kurz vor Weihnachten wurde auch bei den „Häuslern“, wie man diejenigen nannte, die keine Landwirtschaft hatten, ein Schwein geschlachtet und gewurstet. Wohl unter diesem Eindruck hat für meinen Vater die Brotsuppe bis heute Tradition an Weihnachten. Sie wurde in der nach dem Schlachten reichlich vorhandenen Fleischbrühe zubereitet – und als Einlage gab es frisch geräucherte Bratwürste. In der Kriegs- und Nachkriegszeit war das mehr als essen, es war ein Festessen.

Resteverwertung: Auch mit hartem Brot gelingt die Suppe. Das Brot wird in Würfel geschnitten. Foto: Stöcker-Gietl
Resteverwertung: Auch mit hartem Brot gelingt die Suppe. Das Brot wird in Würfel geschnitten. Foto: Stöcker-Gietl

Brotsuppe kennt man übrigens nicht nur in Europa, sondern in verschiedenen Formen auch in Südamerika oder China. In Deutschland findet man sie bis heute in den traditionellen Kochbüchern, meist zur Resteverwertung von hart gewordenem Brot.

Brotsuppe verströmt den Duft von Weihnachten in Kindertagen

In unserer Familie gab es um besagte Brotsuppe schon so manche Debatte vor dem Weihnachtsfest. Vor allem seit meine Schwester an Heiligabend die Familien zusammenholt und ein festliches Abendessen auftischt, grantelt mein Vater. Mit Entenbrust und Kartoffelgratin kann er halt so gar nichts anfangen. Für ihn ist es die schönste Bescherung, wenn er sich sein Schwarzbrot in die Brühe schneiden kann und die Würste ihren deftigen Geruch über den ganzen Tisch ausbreiten. Das ist für ihn der Duft von Weihnachten in Kindertagen.

Einfache Zutaten, einfache Herstellung Foto: Stöcker-Gietl
Einfache Zutaten, einfache Herstellung Foto: Stöcker-Gietl

Freilich gab es an Heiligabend nicht immer Brotsuppe bei uns. Meine Mutter tischte zur Abwechslung auch Würstl mit Ananas-Kraut auf. Mein Vater hat es zwar gegessen, aber begeistert war er darüber nicht. Und so kehrte die Brotsuppe immer wieder zurück – schließlich wollte es meine Mama allen recht machen.

Vor einigen Jahren schlich sich eine neue Tradition um das alte Gericht ein. Meine Schwester tischt an Heiligabend weiterhin ihr Festmahl auf und meine Eltern liefern einen Topf Brotsuppe dazu.

Für 4 Portionen braucht man:

  • 1 l Fleischbrühe; 2 Paar geräucherte Bratwürste; Schwarzbrot; 1 Zwiebel (in Würfel geschnitten); etwas Butter zum Anbraten; Majoran und Pfeffer

Und so stellt man die Brotsuppe her: Brot und Zwiebel würfeln, Zwiebel in der Pfanne anbraten. Bratwürste etwa fünf Minuten in der Fleischbrühe kochen, mit Pfeffer und Majoran abschmecken. Brotwürfel in die Teller füllen, Zwiebeln zugeben, mit Brühe aufgießen, Bratwürste dazu essen.

Auch bei Christian Kucznierz und Angelika Sauerer gibt es Heiligabendessen-Rituale. Welche das sind, lesen Sie hier: Der Weihnachtsritual Kartoffelsalat schmeckt nicht bayerisch, sondern wie „von der Küste“. Und der Krabbencocktail ist ein Kind der 70er und darf auf keinen Fall fehlen.

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