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Typisierung

Auf dem Bürgerfest ein Leben retten

Vor sieben Jahren brauchte die Regensburgerin Doris Huber einen Stammzellenspender. Nun hilft sie am Bürgerfest Erkrankten.
Von Sarah Höger

Beim Afrika Festival im Mai konnte das AKB-Team um Doris Huber und Susanna Piltauer bereits rund 120 Neuspender registrieren. Foto: Susanna Piltauer
Beim Afrika Festival im Mai konnte das AKB-Team um Doris Huber und Susanna Piltauer bereits rund 120 Neuspender registrieren. Foto: Susanna Piltauer

Regensburg.Ihren Geburtstag feiert Doris Huber seit sieben Jahren am 11. Oktober. An dem Tag ist sie zwar nicht geboren, allerdings wurde der heute 50-Jährigen an diesem Tag im Herbst 2012 ein neues Leben geschenkt. Nachdem im Juli desselben Jahres Leukämie bei ihr diagnostiziert wurde, begann sofort die Suche nach einem geeigneten Stammzellenspender für die Regensburgerin. Im Krankenhaus wartete Huber sechs Wochen lang, bis die erlösende Nachricht kam: Es wurde ein passender Spender gefunden.

Und dann ging alles ganz schnell: Wenig später floss aus einem kleinen Blutbeutelchen das wertvolle Spenderblut mit den rettenden Knochenmarkzellen in Hubers Blutkreislauf – und ein neues Leben begann. 13 000 Leukämie-Neuerkrankungen gibt es in Deutschland pro Jahr. Patienten können geheilt werden, wenn rechtzeitig ein passender Spender gefunden werden kann.

Doch manchmal erweist sich die Suche nach einem passenden Spender im wahrsten Sinne des Wortes wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. So wie bei Astrid, die derzeit in Heidelberg in Behandlung ist und gegen die Zeit kämpft. Die zweifache Mutter braucht dringend einen passenden Spender. Weil Astrid sowohl deutsche, als auch nigerianische Wurzeln hat, gestaltet sich die Suche bei ihr als besonders schwierig.

Sehr seltene Merkmale

Auch Astrid leidet an Leukämie. Bei ihr ist die Suche nach einem Spender schwierig, weil ihre HLA-Merkmale sehr selten sind.  Foto: help-astrid
Auch Astrid leidet an Leukämie. Bei ihr ist die Suche nach einem Spender schwierig, weil ihre HLA-Merkmale sehr selten sind. Foto: help-astrid

Sie benötigt einen afrikanisch-europäischen Stammzellenspender. Weltweit haben weniger als drei Prozent der registrierten Spender einen gemischten ethnischen Hintergrund. Für Astrid bedeutet das, dass ihre sogenannten HLA-Merkmale (Humane Leukozyten-Antigene) nur mit einigen wenigen Menschen auf der Welt kompatibel sind. Aber genau diese Merkmale sind es, die ausschlaggebend dafür sind, ob ein Spender für einen Patienten in Frage kommt. Astrid ist an der gleichen Form von Leukämie erkrankt wie Doris Huber vor sieben Jahren: an AML (Akute myeloische Leukämie), einer besonders aggressiven Form von Blutkrebs.

Typisierung am Bürgerfest

  • Registrierung:

    Prinzipiell kann sich jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 45 Jahren typisieren lassen. Blutstammzellen spenden kann man bis zum 60. Lebensjahr. Es gibt jedoch auch Ausschlusskriterien, zum Beispiel Bluterkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Erkrankungen der Psyche. Die Spenderdatei wird dann anonymisiert in einen weltweiten Spenderpool eingepflegt.

  • Standort:

    Am Samstag können sich Interessenten im Rahmen des Bürgerfests am Stand der AKB (Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern) bei Doris Huber und Susanna Piltauer in der „Sozialen Meile“ im Weißgerbergraben informieren und typisieren lassen. Besonders gefragt sind gemischt afrikanisch-europäische Spender, die für die an AML erkrankte Astrid in Frage kämen.

Huber wurde über Facebook auf Astrids verzweifelte Suche nach einem passenden Spender aufmerksam und wollte sofort helfen: „Ich möchte nicht in Astrids Haut stecken, das ist ein schreckliches Gefühl, gegen die Zeit zu kämpfen. Je länger es dauert, einen Spender zu finden, desto ängstlicher wird man als Patient“, erzählt die 50-Jährige unserer Zeitung.

Um Astrid und allen anderen Leukämie-Patienten zu helfen, hat sich Huber dazu entschlossen, tatkräftig bei der Suche nach potenziellen Spendern mitzuhelfen. Dazu hat sie bereits vor wenigen Wochen beim Afrika Festival auf Astrids Fall aufmerksam gemacht und so etwa 120 neue potentielle Spender generiert. Unterstützt wurde Huber dabei von Susanna Piltauer, Transplantationskoordinatorin am Uniklinikum Regensburg, und von Freunden und Unterstützern der AKB, der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern.

Info-Stand am Weißgerbergraben

Und beim Bürgerfest soll es gleich weiter gehen: Reinhard Kellner von der „Sozialen Meile“ hat Huber und Piltauer einen Stand im Weißgerbergraben genehmigt. Die beiden Frauen hoffen, möglichst viele Bürger über das Spender-Sein informieren und registrieren zu können. Die Typisierung ist ganz einfach, dauert nicht lange und tut auch nicht weh, wie Piltauer erklärt: „Erst wird der mögliche Spender ausführlich darüber informiert, wie die Typisierung abläuft und was möglicherweise auf den Spender zukommen kann. Dann wird ein Wangenabstrich im Mund mithilfe eines Wattestäbchens genommen und ein Dokument mit der Einverständniserklärung unterschrieben.“

Veranstaltungen

Das Bürgerfest-Programm aufs Smartphone

Von 28. bis 30. Juni findet das Bürgerfest in Regensburg statt. Wir zeigen Ihnen, wie Sie das Programm unterwegs dabei haben.

Registrieren kann sich prinzipiell jeder zwischen 17 und 45 Jahren, die Spenderdatei wird dann in einen internationalen Spenderpool eingepflegt. Wenn dann irgendwann ein „Match“ festgestellt wird, also ein Spender für einen Patienten in Frage kommt, wird Der- oder Diejenige kontaktiert und gefragt, ob er für eine Spende bereit ist. Alles ist freiwillig und niemand wird dazu gezwungen, tatsächlich zu spenden, sollten die Gewebemerkmale stimmen.

„Viele haben ein ganz schreckliches Bild davon, wie so eine Spende dann letztendlich abläuft“, erklärt Piltauer. „Alles, was mit Knochenmark zu tun hat, weckt immer die Vorstellung, dass dann die Wirbelsäule aufgeschnitten werden muss und alles ganz schmerzhaft ist.“ Das sei jedoch mitnichten der Fall, denn die Blutstammzellen befinden sich im Knochenmark und nicht im Rückenmark des Wirbelkanals.

Huber kennt ihren Spender

Die benötigten blutbildenden Stammzellen können auf zwei Arten entnommen werden, je nachdem, was für Spender beziehungsweise den Patienten geeigneter ist. Die erste Methode, die periphere Blutstammzellspende, wird in 70 bis 80 Prozent der Fälle angewandt. Dabei werden dem Spender über vier bis fünf Stunden Stammzellen aus dem Blut entnommen, um sie anschließend dem Patienten zu geben. Fünf Tage vor der Stammzellenentnahme muss der Spender ein Medikament nehmen, das die Blutstammzellen im Körper des Spenders aktiviert. Während dieser Tage ist der Körper lediglich geschwächt und ein leichtes Krankheitsgefühl tritt ein.

Bei der zweiten Methode werden unter Vollnarkose aus dem Beckenkamm des Spenders die Zellen direkt entnommen, das dauert etwa zwei Stunden. Am nächsten Tag kann der Spender die Klinik in dem Wissen wieder verlassen, dass er, wenn alles klappt, ein Leben gerettet hat. Doris Huber kennt ihren Lebensretter, er ist Schwabe und wurde sogar von der Bayerischen Regierung ausgezeichnet. „Jedes Jahr an meinem ‚Geburtstag‘ am 11. Oktober“, erzählt die 50-Jährige schmunzelnd, „bekommt er ein Geschenk von mir.“

Alle Informationen zum Regensburger Bürgerfest 2019:

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