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Medizin

Botox: Das passiert bei der Behandlung

Faltenunterspritzung: Zwei Plastische Chirurgen aus Regensburg erklären, was Botulinumtoxin unter der Haut bewirkt.

Traum von ewiger Jugend: Immer mehr Frauen und Männer lassen sich mittels einer Botox-Behandlung die Falten aus ihrem Gesicht entfernen. Foto: Peer Grimm/dpa
Traum von ewiger Jugend: Immer mehr Frauen und Männer lassen sich mittels einer Botox-Behandlung die Falten aus ihrem Gesicht entfernen. Foto: Peer Grimm/dpa

Regensburg.Wir runzeln die Stirn, ziehen die Augenbrauen hoch oder schauen grimmig: Unsere Gesichtsmuskulatur ist ständig in Bewegung. Schließlich ist sie verantwortlich für die Mimik und unsere wechselnden Gesichtsausdrücke. Darum ist die sogenannte mimische Muskulatur auch das bedeutendste Instrument für die nonverbale Kommunikation. Doch genau ihre andauernde Tätigkeit führt unter anderem dazu, dass sich Falten bilden.

Seit geraumer Zeit lassen sich immer mehr Menschen ihre Falten „wegspritzen“, da glatte Haut als Schönheitsideal gilt. Botulinumtoxin, besser bekannt als Botox, wird schon seit einigen Jahren standardmäßig zur Behandlung bzw. Korrektur von Falten im Gesicht angewendet. Gezielt werden mit dem neurotoxischen Protein faltenverursachende Muskelgruppen – vor allem an der Stirn sowie um die Augen und den Mund herum – geschwächt. Durch die Unterspritzung der Haut mit Botox sieht das betroffene und behandelte Areal dann wieder glatt aus. Doch die Behandlung hat auch ihre Schattenseite: Bei zu hoher bzw. falscher Dosierung kann es zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schädigungen kommen.

Wirkweise von Botulinumtoxin

Ein Chirurg berät eine junge Frau vor einer Botox-Behandlung. Frauen und Männer lassen sich das starke Nervengift in verdünnter Form als Anti-Falten-Mittel ins Gesicht spritzen. Foto: Peer Grimm/lbn/dpa-Archiv
Ein Chirurg berät eine junge Frau vor einer Botox-Behandlung. Frauen und Männer lassen sich das starke Nervengift in verdünnter Form als Anti-Falten-Mittel ins Gesicht spritzen. Foto: Peer Grimm/lbn/dpa-Archiv

„Die Haut wird durch die Aktivität der darunterliegenden Muskeln in Falten gelegt oder gezwungen. Diese Falten graben sich über die Jahre immer tiefer ein“, erläutert der Plastische Gesichtschirurg Prof. Dr. Holger Gassner aus Regensburg. „Obwohl viele konsequent an sich arbeiten, kommt es zu einer grob zunehmenden Hauterschlaffung im Alter. Wenn die Haut lockerer wird, dann bilden sich gelegentlich sogenannte Ausweichfalten in anderen Regionen des Gesichts“, erklärt Dr. Angelika Schleicher, Plastische Chirurgin aus Regensburg.

„Die Augenbrauen und die Mimik sollten immer beweglich bleiben.“

Prof. Dr. Holger Gassner, Plastischer Gesichtschirurg

Zieht ein Patient eine Anti-Falten-Behandlung in Erwägung, stehen erst einmal eine Untersuchung und ein Beratungsgespräch an. Entscheidet er sich für das Verfahren, wird ein neuer Termin vereinbart, wo dann Botox unter die Haut injiziert wird. „Mit Mitte 20 kann man punktuell und zurückhaltend mit einer Botox-Behandlung beginnen“, sagt der Arzt. Schleicher empfiehlt eine Botox-Behandlung ab Mitte 30. „Das ist abhängig vom Faltenwurf und der Hautqualität“, erklärt sie. „Ab Mitte 30 hat man die Chance, die Faltenbildung aufzuhalten.“

Nachdem das Medikament in den Muskel eingespritzt worden ist, schwächt es die Muskulatur. Dadurch bekommt die Haut die Gelegenheit, sich zu erholen, weil der ständige Muskelzug reduziert oder eliminiert wird. Dann bilden sich die Falten zurück. „Die Collagenfasern in der Haut richten sich wieder in die natürliche Richtung aus und die Falten verschwinden mit der Zeit“, erläutert Gassner. Die gewünschte Wirkung beginnt in der Regel 24 bis 72 Stunden nach der Injektion.

Dauer der Wirkung

Dr. Angelika Schleicher ist Plastische Chirurgin aus Regensburg. Foto: Petra Homeier
Dr. Angelika Schleicher ist Plastische Chirurgin aus Regensburg. Foto: Petra Homeier

Doch die Faltenkorrektur hält nicht allzu lange an. Das Botulinumtoxin selbst bleibt circa drei Monate aktiv und wird dann in seine einzelnen Eiweißbestandteile zerlegt. Die Muskelaktivität erholt sich nach dieser Zeit wieder komplett. „Das ist der Zeitpunkt, an dem man darüber nachdenken kann, die Behandlung wieder aufzufrischen“, rät der Experte. Vorausgesetzt, man will weiterhin eine glatte, nahezu faltenfreie Haut haben.

Laut Schleicher dürfen die Intervalle von Botox-Behandlungen „ruhig ein bisschen größer sein als ein Vierteljahr“. Ihrer Meinung nach reicht ein Abstand von fünf bis sechs Monaten aus – gerade bei jüngeren Patienten. „Es reicht völlig, zweimal im Jahr mit einer milden Dosis zu arbeiten“, erklärt sie.

Fakten rund um die Botox-Behandlung

  • Faltenbildung:

    Falten entstehen durch überschüssige Haut, die Aktivität der Gesichtsmuskulatur, fehlende Elastizität und reduziertes Unterhautgewebe. Dadurch mangelt es oft an Volumen und es bilden sich die bei vielen Menschen ungeliebten Falten. Wie viele Falten entstehen und wie lang bzw. tief sie sind, ist bei jedem unterschiedlich. Daher wird die Behandlung individuell angepasst. Botox kommt meist im Bereich der Stirn sowie seitlich der Lider (Krähenfüße) zum Einsatz.

  • OPs:

    Laut dem Statistikportal statista.de wurden im Jahr 2017 in Deutschland circa 220211 Botulinumtoxin-Behandlungen bei nicht-chirurgischen Schönheitsoperationen durchgeführt. Weltweit belegt die Botox-Behandlung bei den nicht-chirurgischen Schönheitsoperationen mit rund fünf Millionen Behandlungen sogar Platz eins. Laut statista.de liegt das Durchschnittsalter von Patienten mit einer Botoxbehandlung bei 48,1 Jahren.

  • Ranking:

    Im Bereich der nicht- und minimalinvasiven Behandlungen belegt die Botox-Behandlung Platz zwei, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische-Chirurgie (DGÄPC) in ihrer „DGÄPC-Statistik 2018“, die auf einer Befragung von über 2000 Patienten der DGÄPC-Mitglieder beruht. Rund zehn Prozent seiner Patienten, die eine Botox-Behandlung durchführen lassen, sind laut Prof. Dr. Holger Gassner männlich, 90 Prozent weiblich. „Bei den weiblichen Patienten sind nach wie vor die minimalinvasiven Behandlungen sehr gefragt. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Botulinum-Behandlungen von 17,5 Prozent auf 21,2 Prozent gestiegen“, ist in der „DGÄPC-Statistik 2018“ zu lesen.

  • Beliebtheit:

    „Mit Abstand die populärste Anwendung der Frauen ist, wie auch im Vorjahr, die Botulinum-Behandlung mit 18959 Eingriffen, die um 14 Prozent im Vergleich zu 2017 gestiegen ist“, hat auch die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) bei ihrer Frühjahrsakademie im Mai 2019 in München für das Jahr 2018 festgestellt. „Frauen fangen vorsichtig an und ziehen minimalinvasive Eingriffe vor“, bestätigt VDÄPC-Präsident Prof. Dr. med. Dennis von Heimburg. „Frauen entscheiden sich schneller als Männer für einen kleinen Eingriff. Faltenbehandlungen sind bei Frauen am beliebtesten.“

  • Kosten:

    Die Kosten einer Botox-Behandlung sind unterschiedlich und richten sich nach den zu behandelnden Arealen. Los geht es bei circa 200 Euro bis hin zu circa 500 Euro pro Behandlung. Manche Ärzte stellen auch das Beratungsgespräch in Rechnung. Vorsicht ist vor sogenannten Flatrate-Behandlungen geboten. Hier zahlt man einen (jährlichen) Festpreis für eine unbegrenzte Anzahl an Behandlungen. Wird der Körper zu oft mit Botulinumtoxin behandelt, kann es sein, dass er Antikörper dagegen entwickelt und die Behandlungen somit wirkungslos werden.

  • Warnung:

    Ob DGÄPC, VDÄPC oder Prof. Dr. Holger Gassner: Seriöse Ärzte warnen vor nicht-ärztlichen Behandlern. Wenn man sich entweder einem ästhetisch-plastischen oder einem minimalinvasiven Eingriff unterziehen will, dann ist es ratsam, einen spezialisierten Facharzt aufzusuchen, der zudem Mitglied eines seriösen und anerkannten Verbandes auf nationaler oder internationaler Ebene ist.

Anfangs müsse man auch noch nicht alle Gesichtsregionen behandeln. Los geht es auf der Stirn und im Bereich der Augen. Erst später macht man das dann auch um die Mundregion herum und am Hals. „Im jungen Alter geht es um die horizontalen Stirnfalten oder die Zornesfalten und die Krähenfüße, um die tiefe Faltenbildung aufzuhalten“, sagt sie.

Nebenwirkungen einer Behandlung

Zwei Seiten einer Medaille: junges Aussehen versus fehlende Mimik. Die US-amerikanische Schauspielerin Nicole Kidman lässt sich seit Jahren Botox spritzen. Foto: Imagespace/ZUMA Wire/dpa
Zwei Seiten einer Medaille: junges Aussehen versus fehlende Mimik. Die US-amerikanische Schauspielerin Nicole Kidman lässt sich seit Jahren Botox spritzen. Foto: Imagespace/ZUMA Wire/dpa

Auch wenn Botulinumtoxin ein starkes Nervengift ist, das jedoch für die Faltenglättung in sehr geringer Dosierung angewendet wird, macht es keine Zelle kaputt, erläutert Gassner. Zudem gilt die Gabe von Botox für diesen Zweck als nebenwirkungsarm – erfordert aber einen erfahrenen und qualifizierten Arzt, empfiehlt er.

„Obwohl viele konsequent an sich arbeiten, kommt es zu einer grob zunehmenden Hauterschlaffung im Alter.“

Dr. Angelika Schleicher, Plastische Chirurgin

„Das Schlimmste, das wir beobachten, ist, dass die Augenbrauen nicht mehr so beweglich sind und etwas herabsacken“, erzählt Schleicher. Eine mögliche Folge dessen ist, dass der Blick dann ein bisschen düster wird. Grund dafür isteine zu hoch gewählte Dosis im Stirnbereich.

Schönheitsoperation

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Der Regensburger Schönheitschirurg Prof. Dr. Holger Gassner gibt Tipps, was es vor einer Gesichtsstraffung zu bedenken gilt.

Darum ist es bei einer Behandlung wichtig, dass nicht zu viel Botox injiziert wird, denn sonst kann die Muskelfunktion komplett deaktiviert werden. Das wiederum führt zur Bewegungslosigkeit und zu einem starren Gesichtsausdruck. „Die Augenbrauen und die Mimik sollten immer beweglich bleiben“, sagt Gassner.

Prof. Dr. Holger Gassner ist Plastischer Gesichtschirurg aus Regensburg. Foto: Berli Berlinski
Prof. Dr. Holger Gassner ist Plastischer Gesichtschirurg aus Regensburg. Foto: Berli Berlinski

Sollte es doch einmal zu einer der beschriebenen Nebenwirkungen kommen, dann ist das laut Schleicher „reversibel, da diese Nebenwirkungen nach einigen Wochen abklingen“. Trotzdem sind ihr derartige Fälle seit Langem nicht mehr bekannt: „Das was früher immer so kolportiert, dass es zu einem Karl-Dall-Auge, also einem Hängelid, kommt, das habe ich tatsächlich seit 20 Jahren nicht mehr gesehen.“

Ihrer Meinung nach lässt sich dieses Risiko ausschließen, „wenn sich die Patienten in verantwortungsvolle Hände begeben“. Was immer mal wieder vorkommen kann, sind blaue Flecken nach der Behandlung. „Allergien sind komischerweise in der Weltliteratur gar nicht beschrieben, was seltsam ist, da Botulinumtoxin ja ein Eiweiß ist“, sagt sie.

Worst-Case-Szenario einer Unterspritzung

Das Bild zeigt eine Patientin, die eine Injektion mit dem Nervengift Botulinumtoxin (auch bekannt als Botox) gegen Falten erhält. Foto: Mick Tsikas/dpa-Archiv
Das Bild zeigt eine Patientin, die eine Injektion mit dem Nervengift Botulinumtoxin (auch bekannt als Botox) gegen Falten erhält. Foto: Mick Tsikas/dpa-Archiv

In der Öffentlichkeit wird die Behandlung mit Botulinumtoxin von vielen kritisch beäugt – gilt es doch als das tödlichste bekannte Gift für höhere Lebewesen. Wenn die Schwächung der Muskeln zu ausgeprägt ist, kann es nicht nur vorübergehend zu einem hängenden Augenlid kommen – sondern in Extremfällen auch zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schädigungen wie einem Lungenstillstand.

„Es gibt vereinzelte Todesfälle, die aus dem Ausland berichtet wurden“, bestätigt Schleicher. „Dabei geht es aber um Botox-Injektionen im Halsbereich, die im Prinzip zu einer Lähmung der Atem- oder Schluckmuskulatur und somit zu einer Erstickung geführt haben.“ Genau recherchieren lasse sich das laut der Ärztin nicht. „Hintergrund muss wohl sein, dass eine zu hohe Dosis in der falschen Region gespritzt wurde.“

Etablierung von Botox in der Medizin

In der Schönheitschirurgie wirkt Botox jedoch „nicht als Gift, sondern als natürliches Enzym, das in die Zelle hineintransportiert wird und dann dort nur ein anderes Protein inaktiviert“, erklärt Gassner. „Mit Botox macht man nichts kaputt und erzielt keinen auffälligen Effekt, wenn man es richtig dosiert.“

Carla Bruni-Sarkozy, Musikerin und ehemalige „Première dame“ aus Frankreich, lässt sich seit Langem Botox injizieren. Foto: Imagespace/ZUMA Wire/dpa
Carla Bruni-Sarkozy, Musikerin und ehemalige „Première dame“ aus Frankreich, lässt sich seit Langem Botox injizieren. Foto: Imagespace/ZUMA Wire/dpa

Laut Schleicher ist Botox in der Ästhetik vielfach verdünnt: „Die Dosis, die wir im ästhetischen Bereich injizieren, entspricht vielleicht zehn Prozent der Dosis, die in der Neurologie verwendet wird.“ Denn Botulinumtoxin wird nicht mehr nur in der Ästhetik angewendet, sondern auch in anderen Bereichen der Medizin, wo die Eigenschaften dieses neurotoxischen Proteins mittlerweile sehr geschätzt werden.

So ist Botulinumtoxin mittlerweile als Medikament etabliert. Damit können heute bereits einige Symptome verschiedener Erkrankungen behandelt werden. Dazu gehören neurologische Bewegungsstörungen wie diverse Spastiken, Krämpfe und Verspannungen. Beispielsweise bei Spastiken und Armkontrakturen von Kindern seien laut Schleicher die Dosen zehnfach höher als in der Ästhetik. Seit acht Jahren wird das Nervengift auch erfolgreich zur Behandlung von Spannungskopfschmerzen und Migräne eingesetzt.

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