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Der Lebensretter liegt im Kühlschrank

Rettungskräften fehlen oft wichtige Infos über Alleinlebende. Eine Notfalldose beendet das Problem - 60 gibt‘s bei der Stadt
Von Roman Hiendlmaier

Kleiner Aufkleber, großer Nutzen: Seniorenbeiratsvorsitzende Erna Schneider mit einem Info-Aufkleber für eine Notfalldose.
Kleiner Aufkleber, großer Nutzen: Seniorenbeiratsvorsitzende Erna Schneider mit einem Info-Aufkleber für eine Notfalldose.

Bad Kötzting.Der Medikamentendosierer steht am Nachtkästchen, die Patientenverfügung liegt im Schrank und eine Liste mit den Handynummern der Verwandten ist irgendwo in einem Papierstapel neben dem Telefon vergraben. Wenn dann ein häuslicher Notfall eintritt, vergeht für die Rettungskräfte manchmal kostbare Zeit bei der Suche nach wichtigen Unterlagen.

Eine praktische Lösung dafür ist klein, grün und gehört eigentlich in jeden Kühlschrank: die Notfalldose. Der runde Plastikbehälter soll für Ersthelfer und Rettungsärzte wichtige Informationen enthalten. Wenn Minuten oder sogar Sekunden zählen, können viele Informationen wichtig sein: Blutgruppe, (chronische) Krankheiten, Implantate, Allergien, Hör- oder Sehprobleme, Medikamenten-Einnahme, Notfall-Kontakte und eventuell sogar der Aufbewahrungsort einer gepackten Kliniktasche oder eine Haustierhaltung des Besitzers.

60 im Rathaus abholbereit

Vor zwei Jahren hatte der Landkreis Cham 2000 dieser Kunststoffdosen gekauft und an Senioren im Landkreis, die alleine leben und Vorerkrankungen haben, verteilen lassen. Im Zuge der Pandemie hat der Landkreis erneut 1000 Notfalldosen geordert, die nun im Bad Kötztinger Rathaus abgeholt werden können - kostenlos.

Gratis-Hilfe von Stadt und Landkreis: Sich eine Notfalldose gratis abzuholen, legen Bürgermeister Markus Hofmann und Seniorenbeauftragte Sylvia Ebner-Fuchs allen allein lebenden Senioren der Stadt ans Herz. Foto: rh
Gratis-Hilfe von Stadt und Landkreis: Sich eine Notfalldose gratis abzuholen, legen Bürgermeister Markus Hofmann und Seniorenbeauftragte Sylvia Ebner-Fuchs allen allein lebenden Senioren der Stadt ans Herz. Foto: rh

Als „so praktische wie nützliche Idee“ lobte Bürgermeister Markus Hofmann die clevere Kapsel. Jeder Haushalt habe eine Küche und einen Kühlschrank - und ein Blick in das Gerät gehöre bei Einsatzkräften zur Routine. Hinzu komme, so Hofmann weiter, dass aufgrund der Corona-Pandemie die Kontakte zu Nachbarn und Familienmitgliedern, die nicht im gleichen Haushalt leben, zusätzlich stark eingeschränkt sind.

Am Dienstag appellierten die Familien-Beauftragte des Stadtrats und die Vorsitzende des örtlichen Seniorenbeirats, Sylvia Ebner-Fuchs und Erna Schneider, zusammen mit dem Bürgermeister an allein lebende Senioren der Stadt, sich im Erdgeschoss des Rathauses eine solche Notfalldose abzuholen.

Sei es ein Sturz, eine Krankheit, oder seien es plötzliche Schmerzen - medizinische Notsituationen kommen immer unerwartet und häufig in unpassenden Konstellationen, die wertvolle Zeit kosten können, sagte Erna Schneider.

Der Lebensretter im Kühlschrank

  • Inhalt:

    Notfall-Infoblatt für aktuelle Angaben zu Vorerkrankungen, Allergien, Medikamente, Kontaktpersonen, Notfalldokumente und weitere Einzelheiten. Zwei Aufkleber für Haustür und Kühlschrank. Die Notfalldose ist kein Hausnotruf.

  • Seniorenbeirat:

    Die kommunale Institution im Haus der Begegnung hat die Aufgabe, die Interessen aller Senioren öffentlich und im Stadtrat zur Sprache zur bringen, Ideen zur Verbesserung der Lebensverhältnisse zu entwickeln und als Ansprechpartner für ältere Menschen zur Verfügung zu stehen. Der Beirat versteht sich als Bindeglied zwischen den Senioren untereinander und der Stadt Bad Kötzting.

Regelmäßige Besucher des Seniorencafés hätten von ihr eine Dose aus der ersten Tranche des Landkreises bekommen. Sie sei aber überzeugt, so Erna Schneider, dass es in der Stadt noch viele Adressen gäbe, wo solch kleine Lebensretter sinnvoll aufgehoben seien.

Es muss nicht immer ein Allein lebender Mensch sein, dem die kleine Dose wertvolle Dienste leisten kann. Im Notfall können auch Angehörige kopflos sein. Dann fällt der Name des Medikamentes nicht ein oder der medizinische Fachbegriff für die Vorerkrankung. Selbst der Mitarbeiter eines Pflegedienstes könne von den Infos profitieren, wenn es während seiner Anwesenheit Probleme gäbe. Auch junge Menschen können Vorerkrankungen haben, über die Rettungskräfte informiert sein sollten.

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Aufkleber nicht vergessen

„Ganz wichtig ist“, betont Erna Schneider, „an der Haustür den kleinen grünen Aufkleber nicht zu vergessen“, damit der Rettungsdienst von der Existenz der Dose erfährt. Die Notfalldose enthält einen weiteren kleinen Aufkleber, der außen an der Kühlschranktür platziert werden sollte. Als weiteren Tipp gab die Seniorenbeauftragte den Notfalldosen-Nutzern mit, die Infos immer aktuell zu halten. Zusammen mit einem Hausnotrufknopf (BRK, Maltester) können Senioren sich mit der Anschaffung einer Notfalldose für einen Notfall besser gewappnet fühlen. Allerdings ist der kleine Behälter immer mehr Käufern nicht nur für den Haushalt eine Anschaffung wert: Apotheken melden in reduzierter Form auch eine zunehmende Nachfrage fürs Handschuhfach im Auto.

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