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Schönheitsoperation

Facelifting: Sinnvolle Verjüngungskur?

Der Regensburger Schönheitschirurg Prof. Dr. Holger Gassner gibt Tipps, was es vor einer Gesichtsstraffung zu bedenken gilt.
Von Susanne Wolf

Vor einem Facelifting ist eine Untersuchung sowie ein Aufklärungsgespräch durch einen erfahrenen Chirurgen notwendig. Foto: Gorodenkoff/stock.adobe.com
Vor einem Facelifting ist eine Untersuchung sowie ein Aufklärungsgespräch durch einen erfahrenen Chirurgen notwendig. Foto: Gorodenkoff/stock.adobe.com

Regensburg.Erschlaffende und herabhängende Haut, Falten und Doppelkinn: Das sind einige Anzeichen dafür, dass man altert. Los geht das bereits ab dem 20. Lebensjahr. Dann erschlafft langsam das tiefere Bindegewebe und die Haut hat weniger Elastizität. Bei den einen sind Falten weniger ausgeprägt, bei anderen durchziehen tiefe Furchen das Gesicht.

Damit ist aber kein Mensch alleine, denn jeder altert – und dann werden die Zeichen der Zeit sichtbar. Viele machen sich darüber keine Gedanken, weil der Alterungsprozess natürlich ist und einfach zum Leben gehört. Andere haben aber sehr mit Falten und Co. zu kämpfen – und überlegen, ob sie sich einer Gesichtsstraffung, dem sogenannten Facelifting, unterziehen, damit sie wieder jünger aussehen.

Doch gilt es einige Aspekte zu bedenken, bevor man sich unters Messer legt. Der Plastische Gesichtschirurg Prof. Dr. Holger Gassner aus Regensburg erklärt, wann ein Facelifting, das zu einer natürlichen Verjüngung des Gesichts führt, sinnvoll ist und wann nicht. Er erläutert zudem, auf was Patienten vor einem Eingriff achten sollten.

1. Aufklärung

A und O vor einer Gesichtsstraffung ist die eingehende Aufklärung des Patienten. In einem Vorgespräch sollte der behandelnde Arzt nicht nur das Gesicht des Patienten untersuchen, sondern ihn auch über die Operation und alle Aspekte der Vor- und Nachbehandlung aufklären. „Zentral ist es, zu verstehen und erkennen, ob man ein guter Kandidat für eine Facelift-Behandlung ist“, erklärt Gassner.

Seiner Meinung nach sollte man sich jedoch einer solchen Behandlung in nicht zu jungen Jahren unterziehen. Er rät, im Alter von 45 Jahren frühestens darüber nachzudenken. Einen fixen Zeitpunkt für eine Gesichtsstraffung gibt es jedoch nicht – sie sollte grundsätzlich gut durchdacht sein.

Vonseiten des Patienten ist es wichtig, den Arzt bereits im Aufklärungsgespräch über Medikamentenunverträglichkeiten und Allergien zu informieren, damit Operation und Narkose mit größtmöglicher Sicherheit durchgeführt werden können.

2. Behandlung

Der Eingriff wird individuell auf die Wünsche des Patienten abgestimmt. Es gibt verschiedene Lifting-Techniken, die je nach Bedarf – manchmal auch in Kombination – angewendet werden. „Die Veränderungen, die durch ein Face- und Halslift besonders gut korrigierbar sind, sind u.a. Hautüberschuss sowie ein Hängen des Halses und der Wangen“, erklärt Gassner.

Lässt man sich beispielsweise die Schläfen liften, dann werden die Augenpartien gestrafft. Wer geglättete Zornesfalten und angehobene Augenbrauen möchte, lässt sich die Stirn straffen. Entscheidet man sich fürs Wangenlifting, werden in diesem Bereich die Falten geglättet und nach unten abgerutschtes Fettgewebe wird wieder an seinen Ursprungsort zurückgebracht.

„Wichtig zu erkennen ist, dass sich Veränderungen ab einem bestimmten Zeitpunkt dahingehend darstellen, dass Fettgewebe im Gesicht nach vorne und nach unten gewandert ist und wir zudem zu viel Haut haben.“ In dieser Situation mache es wenig Sinn, mit einer Faltenunterspritzung zu arbeiten und das zu viel vorhandene Volumen – zum Beispiel an der Nasolabialfalte, die sich von beiden Seiten der Nasenflügel bis nahe zu den Mundwinkeln zieht – mit noch mehr Volumen zu behandeln. „Das sieht schnell gemacht aus“, weiß der Experte. „In dieser Situation bietet sich ein Facelift an.“ Ziel eines Facelifts ist ein natürlicher Verjüngungseffekt der Gesichtshaut.

Fakten rund ums Facelifting

  • OPs:

    Laut der jährlichen globalen Studie für Schönheitsoperationen („Global Aesthetic Survey“) der International Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS) liegt Deutschland mit 290932 chirurgischen Schönheits-OPs im Jahr 2017 auf Platz sechs der Länder mit den meisten ästhetischen Operationen – nach den USA, Brasilien, Japan, Mexiko und Italien. Insgesamt wurden 2017 weltweit circa 23,4 Millionen chirurgische und nicht-chirurgische Schönheits-OPs durchgeführt. Häufigste chirurgische Schönheits-OP war die Fettabsaugung, häufigste nicht-chirurgische die Botox-Behandlung.

  • Selfie-Boom:

    Die Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) hat bei ihrer Frühjahrsakademie im Mai 2019 in München festgestellt, dass es eine stete Zunahme von Schönheits-OPs gibt. „Sowohl die ästhetisch-plastischen als auch die minimalinvasiven Eingriffe sind 2018 weiterhin angestiegen“, erklärt VDÄPC-Präsident Prof. Dr. med. Dennis von Heimburg. Als Grund hierfür nennen Schönheitschirurgen, dass der „Selfie-Boom“ starken Einfluss auf den Wunsch nach einer Schönheits-OP bei Frauen hat. „Virtuelle Schönheit ist nicht medizinische Realität“, erläutert VDÄPC-Kongresspräsident Dr. med. Dominik von Lukowicz und mahnt: „Der Selfie-Boom ist gefährlich!“ Denn: Jugendliche blenden mögliche Gefahren eines Eingriffs in vielen Fällen einfach aus.

  • Beliebtheit:

    Im Bereich der ästhetisch-plastischen Operationen belegt Hals-/Stirn-/Facelifting Platz fünf, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische-Chirurgie (DGÄPC) in ihrer „DGÄPC-Statistik 2018“, die auf einer Befragung von über 2000 Patienten der DGÄPC-Mitglieder beruht. Rund zehn Prozent seiner Patienten, die ein Facelifting durchführen lassen, sind laut Prof. Dr. Holger Gassner männlich, 90 Prozent weiblich.

  • Kosten:

    Die Kosten für ein Facelifting variieren und sind abhängig vom OP-Aufwand. Los geht es bei etwa 2500 Euro für ein endoskopisches Stirnlifting und reicht bis hin zu über 10000 Euro für ein Lifting von Stirn, Lidern, Wangen und Hals.

  • Alter:

    Das Durchschnittsalter von Frauen, die sich einer Schönheits-OP unterziehen, liegt laut dem Statistikportal statista.com bei 41,4 Jahren, Männer sind laut DGÄPC im Durchschnitt 41,4 Jahre alt.

  • Warnung:

    Ob DGÄPC, VDÄPC oder Prof. Dr. Holger Gassner: Schönheitschirurgen warnen vor unseriösen „Kollegen“, da der Begriff des Schönheitschirurgen nicht geschützt ist. Ratsam ist das Aufsuchen eines Facharztes für Plastische und Ästhetische Chirurgie, der zudem Mitglied eines seriösen und anerkannten Verbandes auf nationaler oder internationaler Ebene ist.

3. Schädigungen

Vor einem Eingriff sollte der Arzt andere Vorbehandlungen im Gesicht abfragen und untersuchen. „Dazu zählt beispielsweise eine Laserbehandlung oder eine Faltenunterspritzung“, sagt Gassner. „Falls eine Laserbehandlung der Haut stattgefunden hat, kann dies dazu führen, dass man die Operationstechnik anpassen muss.“ Denkt man über ein Facelifting nach, sollte man neun Monate vorher keine Faltenbehandlung mit Hyaluronsäure vornehmen lassen, rät der Experte. „Der Filler kann das Ergebnis beeinflussen beziehungsweise verfälschen.“

Gerade einige Wochen vor der OP sollte der Patient besonders auf seine Gesichtshaut achten. „Die Haut sollte nicht vorgeschädigt sein, was beispielsweise durch einen Sonnenbrand der Fall sein kann“, erklärt der Plastische Gesichtschirurg. Die letzten zwei Wochen vor dem Eingriff sollte der Patient Sonnenbäder sowie die pralle Sonne unbedingt vermeiden und vorsorglich immer an einen guten Sonnenschutz denken. Sprich: Vor einem Spaziergang cremt man sich mit Sonnencreme (LSF 50) ein oder setzt zumindest einen Sonnenhut auf.

4. Nikotin und Alkohol

„Idealerweise raucht der Patient nicht oder pausiert das Rauchen drei Wochen vor bis drei Wochen nach dem Facelift“, rät Gassner. Denn: Nikotin verschlechtert die Blutversorgung der Haut. Und auch der Alkoholkonsum sollte rund zwei Wochen vor der OP eingestellt werden.

Prof. Dr. Holger Gassner ist Experte auf dem Gebiet der Facelift-Chirurgie. Foto: Berli Berlinski
Prof. Dr. Holger Gassner ist Experte auf dem Gebiet der Facelift-Chirurgie. Foto: Berli Berlinski

Wenn der betroffene Patient jedoch nicht auf Zigaretten oder Alkohol verzichten kann, dann sollte der Konsum im Vorfeld der Operation zumindest auf ein Minimum beschränkt werden. Der Verzicht vor der Operation ist darum wichtig, weil es sonst zu Wundheilungsstörungen kommen kann.

5. Medikamente

Zu beachten gilt es auch, ob der Patient blutverdünnende Medikamente wie Aspirin einnimmt. „Diese sollten zwei Wochen vor dem Facelift abgesetzt werden“, rät Gassner. Gerinnungshemmende Medikamente können während der OP zu unvorhergesehenen Blutungen und nach der Operation beispielsweise zu einem Bluterguss führen. Wichtig ist es, rechtzeitig vor einem Eingriff mit seinem Hausarzt zu sprechen und die Medikamenteneinnahme nicht in Eigenregie einzustellen.

6. Andere Substanzen

„Zu bedenken sind auch andere Substanzen wie Vitaminpräparate oder Naturheilmittel. Diese können auch blutverdünnend sein“, sagt Gassner. Deren Einnahme erhöht das Risiko eines Blutergusses. Daher sollte man vorab die Zusammensetzung und deren Auswirkung bei einer OP abklären.

Fazit

Durch das sorgfältige Beachten aller Instruktionen kann der Eingriff laut Gassner risikoarm durchgeführt werden. Die Patienten sind in der Regel nach zwei Wochen wieder unauffällig.

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