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Mit „Mythen“ über ADHS aufräumen

Unruhige Kinder, die sich schlecht konzentrieren können, haben eine Aufmerksamkeitsstörung? Eine Kampagne will aufklären.

Professor Andreas Reif ist Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitäts-Klinikum Frankfurt/Main. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Professor Andreas Reif ist Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Universitäts-Klinikum Frankfurt/Main. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Frankfurt.Mit einem Video wollen Wissenschaftler gängige „Mythen“ über die Aufmerksamkeitsstörung ADHS ausräumen. „Es gibt wahrscheinlich keine Erkrankung, über die so meinungsstark, aber faktenschwach diskutiert wird wie über ADHS“, sagt Prof. Andreas Reif.

Der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am Uniklinikum Frankfurt ist auch Koordinator eines europaweiten Forschungsprogramms zu ADHS. Er erklärt: „Es existieren wahnsinnig viele Vorurteile zu dem Thema.“

Mit Vorurteilen aufräumen

Das Video, das Anfang November auf verschiedenen Plattformen online gestellt wird, konfrontiert Menschen mit „gängigen Mythen“, wie Reif erklärt. „Das häufigste Vorurteil ist, dass es ADHS gar nicht gibt, sondern eine Erfindung der Pharma-Industrie ist, um abhängig machende Substanzen unters Volk zu bringen“, sagt er. „Das sind gleich drei Vorurteile in einem und alle drei sind falsch.“

Für die Diagnose gebe es „klare Kriterien, viele Befunde und eine belastbare Datenbasis“. Der Patentschutz für Methylphenidat („Ritalin“) sei schon lange ausgelaufen und daher mit dem Vertrieb „kein Blumentopf mehr zu gewinnen“. ADHS-Medikamente seien nachweislich gut wirksam und verringerten sogar das generelle Suchtrisiko bei den Patienten.

„Das schlimmste Vorurteil ist jedoch, dass ADHS von schlechter Erziehung kommt“, sagt Reif. Es sei „fatal“, wenn Eltern eine Schuld zugesprochen wird, die sie gar nicht haben. Ein weiteres Vorurteil: Die Gesellschaft ist schuld. „Natürlich haben ADHS-Kinder auf der Alm keine großen Probleme, aber die meisten Kinder sind nun mal nicht auf der Alm, sondern in der Schule“, sagt Reif.

ADHS wächst sich nicht aus

Reif zufolge leiden rund 15 Prozent der ADHS-Kinder auch als Erwachsene unter den vollen Symptomen, bei rund der Hälfte führt die Krankheit zu einer Beeinträchtigung, etwa durch Konzentrationsstörungen. In einem Positionspapier beklagten Experten verschiedener Institutionen kürzlich eine deutliche „Versorgungslücke“ bei Erwachsenen mit ADHS.

In Frankfurt laufen derzeit gleich drei Studien, in denen neuartige Therapien ohne Medikamente erprobt werden: Mit Verhaltenstherapie (ESCAadol), Hirnstimulation (STIPED) und Bewegung plus Lichttherapie (PROPUD), wie die Pressestelle der Uni-Klinik berichtete.

Bei einer Hirnstimulation bekommt der Patient einen schwachen Strom-Impuls. Die Methode wird zum Beispiel bei Depressionen oder nach einem Schlaganfall eingesetzt. Nun soll sie erstmals für ADHS getestet werden. Die Forscher halten die Methode nach eigenen Angaben „für sehr gut verträglich, leicht durchführbar und kosteneffektiv“. Auch Laufen und eine Lichttherapielampe werden erprobt. Die Patienten werden dabei über eine eigens entwickelte Smartphone-App angeleitet. (dpa)

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