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Trends

Neues aus Medizin und Physio

In Regensburg tauschten sich beim 21. Interdisziplinären Symposium Physiotherapeuten, Sportwissenschaftler und Mediziner aus.
Von Susanne Wolf

Arzt und Physiotherapeut Dr. Martin Dietmaier untersucht einen Patienten: Konservative Behandlungsmethoden sollten OPs vorgezogen werden. Foto: Manfred Segerer
Arzt und Physiotherapeut Dr. Martin Dietmaier untersucht einen Patienten: Konservative Behandlungsmethoden sollten OPs vorgezogen werden. Foto: Manfred Segerer

Regensburg.Einmal im Jahr veranstaltet Arzt und Physiotherapeut Dr. Martin Dietmaier das Interdisziplinäre Symposium in Regensburg. Vor Kurzem hat es bereits zum 21. Mal stattgefunden. Hier treffen sich Mediziner, Physiotherapeuten sowie Sportwissenschaftler und tauschen sich über die Grundlagen, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation aus.

Bei dem zweitägigen Jahreskongress berichten zudem verschiedene Experten über neue Erkenntnisse und Methoden in ihren Fachbereichen. Im Folgenden sind sechs Trends zusammengestellt.

1. Bedeutung konservativer Medizin am Bewegungsapparat

Dr. Martin Dietmaier ist es wichtig, erst konservativ zu behandeln, bevor eine Operation in Erwägung gezogen wird. Foto: Lukesch
Dr. Martin Dietmaier ist es wichtig, erst konservativ zu behandeln, bevor eine Operation in Erwägung gezogen wird. Foto: Lukesch

„Wir wollen die konservative Medizin am Bewegungsapparat hochhalten“ resümiert Dr. Martin Dietmaier. Wichtig sei es, durch konservative Behandlungsmethoden wie eine Eigenblut-Plasma-Therapie die Regenerationsfähigkeit des Körpers zu unterstützen – „und nicht gleich zu operieren“, erklärt der Mediziner. „Das ist ein bereits bewährtes Vorgehen, das auch der Patient wünscht.“ Als besten Weg zur Heilung bezeichnet Dr. Dietmaier „eine geschickte Mischung“, eine multimodale Konzeption: „Man sollte manuell, physikalisch und zugleich mit Medikamenten behandeln. Zudem muss man den Patienten mit ins ,Team‘ einbeziehen und zu Eigenmaßnahmen informieren.“

2. Botox als „seriöse Anwendung“ in der Schmerztherapie

Botox wird oft verdünnt in der Schönheitsmedizin verwendet. Das Nervengift hat daher nicht den besten Ruf, weil Mann oder Frau sich damit einfach mal ein paar Falten wegspritzen lassen. Doch in der Schmerztherapie wird es immer wichtiger und daher als „seriöse Anwendung angesehen“, sagt Dr. Dietmaier. Denn mithilfe von Botox können chronische Krankheiten und neuerdings Schmerzen therapiert werden. So kommt Botox zum Beispiel bei Spastik-, Schiefhals- und Migränepatienten erfolgreich zum Einsatz.

3. Keine Platzangst mehr dank Aufnahmen im Stand bei Upright-MRT

„Fitnesstipps müssen gesichert sein und die Gesundheit darf keinen Schaden davontragen.“

Dr. Martin Dietmaier, Arzt und Physiotherapeut

Ein immer wiederkehrendes Rattern und Schlagen begleitet einen während einer Magnetresonanztomografie (MRT). Hinzukommt die Enge der „Röhre“, die bei vielen Platzangst hervorruft. „Das ist bisher fast überall noch so“, berichtet Dr. Dietmaier. Beim Symposium wurde das Upright-MRT diskutiert: Technische Neuerungen machen es möglich, dass die MRT mittlerweile im Sitzen oder Stehen stattfinden kann. „Das ist funktionell und die Ärzte können nahe am Befund sowie unter Belastung untersuchen“, sagt Dr. Dietmaier. „Positiv ist die Untersuchung im Stehen bei Veränderung der Position.“

4. Verbesserte (OP-)Techniken in der Kindermedizin

Auch in der Kinderheilkunde spielen konservative Behandlungsmethoden eine immer wichtigere Rolle. „Betrachten wir beispielsweise Knickfüße: In den meisten Fällen muss heutzutage nicht mehr gleich operiert werden“, sagt Dr. Dietmaier. Auch bei einem Kreuzbandriss werde, wenn möglich, mittlerweile erst einmal konservativ behandelt, „um die körpereigenen Strukturen zu erhalten“. Kommt es damit nicht zu einer Heilung, werde auf modifizierte OP-Techniken zurückgegriffen. „Diese sind heute viel weiter als vor einigen Jahren. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass die anatomischen Beschreibungen sich verändern und die OP-Techniken dadurch angepasst und verbessert werden können“, freut sich der Physiotherapeut über die medizinischen Möglichkeiten.

5. Kritische Betrachtungsweise von Fitnesshypes

Dr. Martin Dietmaier lädt einmal im Jahr Kollegen zum fachlichen Austausch ein. Foto: Manfred Segerer
Dr. Martin Dietmaier lädt einmal im Jahr Kollegen zum fachlichen Austausch ein. Foto: Manfred Segerer

„Die Faszienkonzepte sind oft überzogen“, erklärt Dr. Dietmaier. Es gebe zu diesem Themenkomplex zwar eine anerkannte Forschung, mittlerweile aber auch kritische Ergebnisse. Seiner Meinung nach sollten Mediziner, Therapeuten und Sportinteressierte „nicht gleich alle Hypes mitmachen“. Er empfiehlt daher, sich sowohl immer kritisch mit Fitnesstrends auseinanderzusetzen als sich auch seriöse Informationen einzuholen. „Die Fitnesstipps müssen gesichert sein“, erklärt er, „und die Gesundheit darf keinen Schaden davontragen.“

6. Aktivität durch mentales Training in Sportrehabilitation

Beim 21. Interdisziplinären Symposium wurde von den teilnehmenden Experten das mentale Training in der Sportrehabilitation betrachtet, das „Training auf dem Sofa“, wie es Dr. Dietmaier nennt. Nach (Sport-)Verletzungen werden betroffene Körperteile oder Muskeln erst einmal geschont, um sich zu erholen. Dabei werden sie jedoch meist inaktiv. Diese Inaktivitätsphasen können unerwünschte Folgen wie muskuläre Abbauprozesse nach sich ziehen. Um dem entgegenzuwirken, „sollte man bestimmte Anforderungen wie Kraft, Funktion, Bewegung und Anspannung im Kopf durchspielen“, erläutert er. „Dabei kommen aktivierende Signale in den jeweiligen Körperregionen an.“

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