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Sauerstoffmangel durch Masken?

Angeblich sollen Mund-Nasen-Bedeckungen der Gesundheit schaden. Was ist dran? Erfahren Sie es in unserem Faktencheck.

Mund-Nasen-Bedeckungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen angeblich der Gesundheit schaden.
Mund-Nasen-Bedeckungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen angeblich der Gesundheit schaden. Foto: Stefan Sauer/picture alliance/dpa

Mund-Nasen-Bedeckungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sollen angeblich der Gesundheit schaden. Der Grund: Unter ihnen sammle sich zu viel Kohlendioxid (CO2). Als Beleg wird ein Video verbreitet, in dem die Luft unter dem Mund-Nasen-Schutz beim Atmen mit einem CO2-Messgerät analysiert wird. Innerhalb einer Minute zeigten sich dabei vermeintlich „Werte, die gesundheitsschädlich sind“.

Bewertung: Die Messung in dem Video ist irreführend, denn das Gerät ist nicht für diesen Zweck konzipiert. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung ist für gesunde Menschen grundsätzlich unbedenklich und führt nicht zu Sauerstoffmangel.

Fakten: Im Video wird ein CO2-Messgerät verwendet, das für die Analyse der Raumluft konzipiert ist. Solche Geräte sind auf normale Umgebungswerte geeicht. Versucht man, die Luft unter einer Maske mit einem einfachen Modell dieser Art zu analysieren, werden die Ergebnisse verfälscht, erklärt Professor Uwe Pliquett vom Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage.

Der Kohlendioxid-Gehalt in der Luft wird meist mittels Infrarot-Sensoren (IR) gemessen. Einfache IR-Sensoren sind laut Pliquett auf einen Luftdruck von 1 Bar, Raumtemperatur und eine mittlere Feuchte kalibriert.

Experten: Befürchtung ist unbegründet

Das Milieu unter der Maske wird aber erheblich durch den Atemprozess bestimmt. Wesentlichen Einfluss auf die Messung hat dabei die Ausatemluft mit einem so hohen CO2-Spiegel, dass jedes Raumluft-Gerät sofort Alarm schlägt, wie Pliquett erklärt. Hinzu komme der höhere Druck, der den angezeigten Wert um 10 bis 20 Prozent steigen lasse. Die Luft unter der Maske ist zudem nicht mit der Atemluft gleichzusetzen, da man mehr Luft einatmet als nur die unter dem Mundschutz.

Experten sehen die Befürchtung, dass sich unter Masken zu viel CO2 sammle, grundsätzlich als unbegründet an. Nach Angaben der Deutschen Atemwegsliga sei bei einem einfachen chirurgischen Mundschutz oder einer selbst hergestellten Mund-Nasen-Bedeckung ein Anstieg des Kohlendioxids unwahrscheinlich - weil diese Masken nicht völlig dicht seien. Lediglich bei Patienten mit chronischer Atemschwäche könnten der Kohlendioxidanteil und die „Atemarbeit“ ansteigen, „so dass die Bedeckung von Mund und Nase als unangenehm oder bedrohlich und subjektiv als Atemnot empfunden wird“.

Ähnliche Videos im englischen Raum

Auch bei professionellen Masken (FFP2, FFP3) seien bedrohliche Anstiege des CO2-Gehalts im Blut wegen Masken „unwahrscheinlich“. Diese hätten aber einen „erheblichen Atemwiderstand“. Man brauche also mehr Kraft für die Atmung. Das könne bei kranken Patienten zu „erheblicher Atemnot“ führen. Der Anteil des Kohlendioxids im Blut könne ansteigen. „In der Praxis werden die Betroffenen jedoch rechtzeitig die Maske absetzen.“

In anderen Posts wird auf eine Doktorarbeit verwiesen, die die Gefahr eines Sauerstoffmangels durch das Tragen von Masken belegen soll. Richtig ist, dass in einer 2004 eingereichten Doktorarbeit an der Technischen Universität München nach der Benutzung von OP-Masken ein leicht erhöhter CO2-Gehalt im Blut festgestellt wurde. Ein Abfall der Sauerstoffsättigung wurde dabei aber nicht nachgewiesen. Die Verfasserin der Doktorarbeit, Ulrike Butz, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bereits am 4. Mai 2020: „Man kann aus der Arbeit keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen ableiten. Das wäre unseriös.“

Ähnliche Videos von irreführenden CO2-Messungen kursieren auch im englischsprachigen Raum. Verschiedene Faktenchecks haben die Aussagen darin bereits als Fehlalarm eingestuft.

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