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Pilotprojekt

Schlaganfall: Jede Sekunde zählt

Lebensrettender Zeitgewinn durch „fliegende Ärzte“: „Flying Intervention Team“ hatte ersten Einsatz am Sana Krankenhaus Cham.

Durch das Flying Intervention Team kann wertvolle Zeit eingespart werden. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Durch das Flying Intervention Team kann wertvolle Zeit eingespart werden. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Cham.Diagnose Schlaganfall: Jetzt zählt jede Sekunde! Wertvolle Zeit konnte in den Sana Kliniken des Landkreises Cham durch das „Flying Intervention Team“ gewonnen werden, die bei ihrem erstmaligen Einsatz zu einer Patientin nach Cham geflogen sind, die einen schweren Schlaganfall erlitten hatte.

In den Morgenstunden bemerkt die Tochter die Veränderung bei ihrer Mutter: Sie kann sich nicht mehr verständigen, eine Gesichtshälfte und der Arm sind gelähmt, die Bewegung ist eingeschränkt. Schnell ist klar – ein Schlaganfall! Der Notarzt bringt die Seniorin schnellstmöglich in das Chamer Krankenhaus, wo umgehend eine Röntgenuntersuchung des Gehirns eingeleitet wird.

Durch die Computertomografie mit Gefäßdarstellung und die teleneurologische Untersuchung im Rahmen des TEMPiS Netzwerks ist ein großer Infarkt durch den Verschluss einer Arterie erkennbar. Die Neurologen im Sana Krankenhaus Cham beginnen mit der Durchführung einer Lyse, also einer intravenösen Verabreichung eines sehr stark blutverdünnenden Medikaments zur Auflösung des Arterienverschlusses.

Ärzte kommen zu Patienten

„Der Gefäßverschluss war so groß, dass wir nicht davon ausgingen, die Arterie mit der standardmäßigen Lyse wieder vollständig öffnen zu können“, erklärte Dr. Stephan Kandsperger, Leitender Oberarzt der Abteilung für Neurologie. Die betroffenen Gefäße werden in so einem Fall zusätzlich zur Lyse mechanisch mittels eines Katheters wieder eröffnet.

Schlaganfallpatienten mir derartig großen Infarkten werden in der Regel mit dem Hubschrauber an die Uniklinik in Regensburg verlegt. „Mit dem ‚Flying Intervention Team‘ kommen die Patienten nicht mehr zu den Ärzten, sondern die Ärzte zu den Patienten. Das erspart uns und dem Patienten jede Menge wertvolle Zeit“, bestätigt PD Dr. Anita Breu, Chefärztin der Abteilung für Anästhesie und Intensivmedizin. Sie freut sich, dass diese Maßnahme erstmals in Cham zum Einsatz kam.

Medizin

Schlaganfall: Hilfe aus der Luft

Weil Zeit Leben retten kann, werden Kliniken in Burglengenfeld, Kelheim und demnächst Cham von fliegenden Ärzten angesteuert.

Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein einmaliges Pilotprojekt, das im Rahmen des Telemedizinischen Schlaganfallnetzwerks Südostbayern (TEMPiS) ins Leben gerufen wurde. Es handelt sich bei den „fliegenden Ärzten“ um spezialisierte interventionelle Neuroradiologen aus der Münchner Klinik Harlaching und dem Klinikum rechts der Isar in München, die mit den Intensivmedizinern vor Ort eng zusammenarbeiten.

Behandlung ist heimatnah

Während der 40 Minuten Flugzeit von München nach Cham wird die Patientin von den Anästhesisten für den Eingriff vorbereitet. Sofort nach dem Eintreffen im Chamer Krankenhaus kann der Münchner Neuroradiologe den Eingriff beginnen und das Gerinnsel vollständig entfernen. Dabei wird er von den erfahrenen Mitarbeitern des Katheterlabors im Sana Klinikum unterstützt.

Diese schnelle und koordinierte Vorgehensweise sorgte dafür, dass sich die Patientin heute auf dem Weg der Besserung befindet. Die Behandlung und Nachsorge kann heimatnah und damit in Nähe der Angehörigen erfolgen. „Ein weiterer großer Pluspunkt für unsere Patienten“, betonen die Dres. Breu und Kandsperger, die sich freuen, dass durch das „Flying Intervention Team“ dieser große Schlaganfall so schnell und erfolgreich behandelt werden konnte.

Erklärung: Da es sich um ein Pilotprojekt handelt, kann im Bedarfsfall eine Thrombektomie vorerst nur jede zweite Woche vor Ort durchgeführt werden. In der restlichen Zeit wird wie gewohnt verfahren und der Patient in ein Zentrum, in dem die Expertise für die Thrombektomie vorliegt, verlegt. Aus dem Vergleich der beiden Vorgehensweisen wird dann das beste Verfahren für die Patienten ermittelt.

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