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Medizin

Schmerzmittel: Darauf müssen Sie achten

Bei Kopfweh greifen viele schnell zu einem Schmerzmittel – ohne genau zu wissen, was sie da eigentlich schlucken.
Von Sabine Meuter

Schlaf- oder Schmerzmittel gibt es auch ohne Rezept. Trotzdem sollte man sie auf keinen Fall dauerhaft einnehmen. Foto: Christin Klose/dpa
Schlaf- oder Schmerzmittel gibt es auch ohne Rezept. Trotzdem sollte man sie auf keinen Fall dauerhaft einnehmen. Foto: Christin Klose/dpa

Berlin.Ob bei Kopfweh, Regelbeschwerden oder einem quälenden Ziehen am Zahn: Für Schmerzattacken haben viele ein rezeptfrei erhältliches Mittel aus der Apotheke bei sich zu Hause. Doch bei Schmerzmitteln, auch Analgetika genannt, können unliebsame Nebenwirkungen auftreten. Was sollten Schmerzgeplagte bei der Einnahme beachten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie funktionieren Schmerzmittel überhaupt?

„Schmerzmittel lindern oder betäuben die Intensität der Beschwerden“, sagt Thomas Isenberg, Geschäftsführer der Deutschen Schmerzgesellschaft in Berlin. Das ist etwa bei gelegentlichen Kopf-, Zahn- oder Gelenkschmerzen der Fall sowie bei Regelbeschwerden. „Wie stark die Schmerzen gelindert werden, hängt vom Wirkstoff und von der Dosis ab“, erklärt Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer.

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Welcher Wirkstoff ist für welche Beschwerden empfehlenswert?

Bei leichteren Beschwerden helfen sogenannte nicht-opioide Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder niedrig dosiertes Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen. „Je nach Dosis und Packungsgröße sind verschiedene Medikamente mit diesen Wirkstoffen ohne Rezept in der Apotheke erhältlich“, sagt Sellerberg. Sind Entzündungen oder entzündlich-rheumatische Erkrankungen Auslöser der Schmerzen, dann sind sogenannte nicht-steroidale Antirheumatika die richtigen Schmerzmittel. Dazu gehört neben Ibuprofen und Diclofenac in höherer Dosierung zum Beispiel Piroxicam. Für diese Medikamente benötigen Patienten ein Rezept. Bei schweren Schmerzen etwa in Folge von Operationen, Verletzungen oder Krebserkrankungen müssen Betroffene häufig sogenannte opioide Schmerzmittel einnehmen. Dazu gehören beispielsweise Morphin oder Fentanyl. Solche Präparate muss ein Arzt auf einem speziellen Betäubungsmittel-Rezept verschreiben.

Ursula Sellerberg ist Apothekerin und stellvertretende Pressesprecherin der Bundesapothekerkammer. Foto: Peter Van Heesen/ABDA/dpa
Ursula Sellerberg ist Apothekerin und stellvertretende Pressesprecherin der Bundesapothekerkammer. Foto: Peter Van Heesen/ABDA/dpa

Gibt es einen Gewöhnungseffekt?

„Ja, und das ist echt ein Problem“, sagt Isenberg. Nach seinen Angaben greift fast jeder zweite Erwachsene innerhalb von vier Wochen mindestens einmal zu rezeptfreien Schmerzmitteln – und das oft zu lange. „Bis zu einem Drittel der Nutzer von Schmerzmitteln kennen deren Anwendungsempfehlungen nicht“, so Isenberg.

Warum kann man rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel nicht unbegrenzt einnehmen?

„Klar muss sein: Schmerzen sind ein Warnsignal des Körpers“, betont Internist Prof. Ulrich R. Fölsch. Er ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Besser ist es, die Ursachen von Beschwerden zu untersuchen und zu behandeln. Schmerzmittel können zudem unerwünschte Nebenwirkungen auf Magen, Leber, Nieren und das Herz-Kreislauf-System haben.

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Wie lange sollte man Schmerzmittel am Stück einnehmen?

„Das kommt darauf an“, erklärt Fölsch. Es macht einen Unterschied, ob man weiß, woher die Schmerzen kommen oder ob einem die Ursachen für die Schmerzen unklar sind. Bei Schmerzen wie Regelbeschwerden, deren Ursachen klar sind, gilt die Faustregel: Längstens drei Tage hintereinander und höchstens zehn Tage im Monat ohne ärztlichen Rat.

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Was gilt bei Kindern?

In der Regel raten Experten davon ab, ohne ärztliche Empfehlung Kinder Präparate mit ASS zu geben. Der Grund: ASS steht im Verdacht, das sogenannte Reye-Syndrom auszulösen. Dabei nehmen Gehirn und Leber Schaden, die Krankheit kann sogar tödlich verlaufen. Bei älteren Menschen, die eine Nierenschwäche haben oder bestimmte Blutdrucksenker einnehmen, können nicht-steroidalen Antirheumatika die Nieren deutlich schädigen, so Isenberg. Auch bei vorhandenen Magenschleimhautreizungen gilt Vorsicht bei solchen Schmerzmitteln, damit es nicht zu Magengeschwüren oder -blutungen kommt.

Längstens drei Tage hintereinander und höchstens zehn Tage im Monat sollte man rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat einnehmen. Foto: Christin Klose/dpa
Längstens drei Tage hintereinander und höchstens zehn Tage im Monat sollte man rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat einnehmen. Foto: Christin Klose/dpa

Was ist bei der gleichzeitigen Einnahme von Schmerzmitteln mit anderen Medikamenten und Alkohol zu beachten?

Der Medikationsplan muss immer auf dem aktuellen Stand sein. Am besten legen Patienten ihn in der Apotheke vor, wenn sie ein rezeptfrei erhältliches Schmerzmittel kaufen wollen. „So kann der Apotheker mögliche Wechselwirkungen erkennen und beurteilen, welches rezeptfreie Schmerzmittel für den jeweiligen Patienten richtig ist“, sagt Sellerberg. Und Schmerzmittel und Alkohol? Eine gefährliche Kombination, die am besten vermieden werden sollte, so Fölsch.

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