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Medizin

So beugen Sie dem Hexenschuss vor

Der Schmerz sticht ins Kreuz: Ein Hexenschuss ist oft sehr schmerzhaft, aber meist nicht gefährlich.
Von Elena Zelle

Der Schmerz kommt plötzlich: Ein Hexenschuss kann sehr unangenehm sein - dauerhaft gefährlich ist er aber zum Glück nicht. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Der Schmerz kommt plötzlich: Ein Hexenschuss kann sehr unangenehm sein - dauerhaft gefährlich ist er aber zum Glück nicht. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Herzogenaurach.Nur mal eben die Getränkekisten in den Kofferraum gewuchtet, ein kleines Stückchen im Garten umgegraben, ewig ganz blöd gesessen. Und plötzlich fährt er ins Kreuz: der sogenannte Hexenschuss.

Zwar sind die Schmerzen mitunter heftig, und jede Bewegung fällt zunächst schwer. Gefährlich ist da, was Mediziner akuten, nicht-spezifischen Kreuzschmerz oder Lumbalgie nennen, aber meistens nicht.

Ein Symptom mit vielen Auslösern

Der Hexenschuss ist zunächst einmal keine Erkrankung, sondern eine Beschreibung der Symptome. Dahinter können ganz unterschiedliche Auslöser stecken, erklärt Prof. Bernd Kladny, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie.

Professor Bernd Kladny ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie. Foto: Glasow/dpa-tmn
Professor Bernd Kladny ist Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie. Foto: Glasow/dpa-tmn

Ein möglicher Auslöser: eine ungünstige oder ungewohnte Bewegung oder eine Zwangshaltung. Ganz so schnell wie der Schmerz kommt, geht er dann zwar nicht. Aber ein Hexenschuss könne im besten Fall schon nach 24 Stunden wieder vorbei sein, sagt Kladny. „In der Regel dauert es wenige Tage, bis die Beschwerden weg sind.“ Lindernd wirken vor allem Wärme und Entspannung für die Muskulatur.

Im Notfall sofort zum Arzt

Auslöser für einen Hexenschuss kann aber auch eine ernsthafte Erkrankung sein, zum Beispiel ein Bandscheibenvorfall. Wenn der Schmerz ins Bein strahlt und Taubheitsgefühle oder Lähmungserscheinungen zusammen mit dem Hexenschuss auftreten, sollten Betroffene zum Arzt gehen, betont Kladny.

Carl Christopher Büttner ist Physiotherapeut und Referent beim Deutschen Verband für Physiotherapie. Foto: ZVK/Deutscher Verband für Physiotherapie e.V./dpa-tmn
Carl Christopher Büttner ist Physiotherapeut und Referent beim Deutschen Verband für Physiotherapie. Foto: ZVK/Deutscher Verband für Physiotherapie e.V./dpa-tmn

Dennoch: Meistens ist ein Hexenschuss harmlos. Aber warum bekommt man ihn überhaupt? „Für viele Rückenprobleme wird ein Bewegungsmangel und damit einhergehend schlecht arbeitende Muskulatur verantwortlich gemacht“, erklärt Carl Christopher Büttner vom Deutschen Verband für Physiotherapie.

Der Mülleimer-Trick für mehr Bewegung

„Jede Form der Bewegung ist gut“, sagt Kladny. Dabei muss niemand zum Hochleistungssportler werden: Gehen, Treppensteigen und Walken tun es auch. Das geht natürlich nicht ständig, zum Beispiel im Büro. Kladny empfiehlt daher am Schreibtisch zwei bis drei Haltungswechsel pro Stunde, für jeweils fünf Minuten. „Es gibt nicht das richtige Sitzen“, betont er. „Am besten ist es, aktiv zu sitzen.“ Außerdem könne man etwa seinen Mülleimer in die Ecke stellen, so dass man immer mal wieder aufstehen muss.

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Ganz wichtig, um einem Hexenschuss vorzubeugen, ist auch das richtige Heben. „Eine Drehbewegung bei gebeugter Wirbelsäule, das ist Gift“, sagt Kladny. Stattdessen sollte man aus den Knien und nicht aus dem Kreuz heraus heben.

Psychischer Stress als mögliche Ursache

Wer trotzdem immer wieder einen Hexenschuss hat, sollte mit Hilfe eines Arztes der Ursache dafür auf den Grund gehen. Denn das ist laut Kladny ein Alarmzeichen dafür, dass zum Beispiel verkürzte Muskeln oder eine Muskelschwäche hinter den wiederkehrenden Schmerzen stecken können. Wird das Problem erkannt, kann man etwa durch ein gezieltes Training gegensteuern.

Professor Harald Gündel ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Uniklinik Ulm und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Foto: Matthias Schmiedel/Universitätsklinikum Ulm/dpa-tmn
Professor Harald Gündel ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Uniklinik Ulm und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Foto: Matthias Schmiedel/Universitätsklinikum Ulm/dpa-tmn

Aber nicht nur mangelnde Bewegung, auch die Psyche kann eine Rolle spielen, erklärt Prof. Harald Gündel von der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). „Akute Rückenschmerzen oder auch ein Bandscheibenvorfall sind nicht so selten in Zeiten, wo seelische oder soziale Belastungen zum Beispiel durch beruflichen Stress entstehen.“ Denn unter Druck spannt sich die Muskulatur – auch die im Rücken – stärker und dauerhaft an. Und das kann Schmerzen verursachen.

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