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Medizin

So wichtig ist die Kieferorthopädie

Der Regensburger Professor Peter Proff erläutert, wie man die Zähne von Erwachsenen erfolgreich behandeln kann.
Von Susanne Wolf

Die moderne Kieferorthopädie bietet heute eine Vielzahl an Möglichkeiten. Foto: Henning Kaiser/dpa
Die moderne Kieferorthopädie bietet heute eine Vielzahl an Möglichkeiten. Foto: Henning Kaiser/dpa

Regensburg.Die Kieferorthopädie ist heute nicht mehr nur eine Behandlung für Kinder und Jugendliche im Milch- und Wechselgebiss, sondern auch für Erwachsene, erklärt Prof. Dr. Dr. Peter Proff, Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Regensburg, im Interview.

Was genau gehört heute zur Kieferorthopädie?

Die Kieferorthopädie ist unverzichtbarer und integraler Bestandteil eines umfassenden, synoptischen zahnärztlichen Versorgungskonzeptes. Dabei liegen die Kernkompetenzen in der präventiven und korrektiven Behandlung von Fehlfunktionen, Zahnfehlstellungen und Kieferfehlstellungen mit Krankheitswert.

Was hat sich in den vergangenen Jahren auf dem Gebiet der Kieferorthopädie getan?

Die Kieferorthopädie hat sich als interdisziplinär akzeptierter und geschätzter Bestandteil einer zeitgemäßen Zahnheilkunde und als medizinisches Fach national und international positioniert. Die in den letzten Jahren deutlich gestiegene Zahl erwachsener Patienten mit dem Wunsch nach einer kieferorthopädischen Therapie sowie einer optimalen funktionellen und ästhetischen Rehabilitation erfordert vom Kieferorthopäden ein komplexes Behandlungsmanagement gemeinsam mit den Fachdisziplinen Parodontologie, Prothetik, Konservierende Zahnheilkunde und Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Innere Medizin.

Wie kann man das verstehen?

Die Kieferorthopädie ist dabei auf verschiedenen Ebenen, unter anderem der Atmung, Überwachung und Korrektur von Störungen der Gebissentwicklung, der Wiederherstellung der Kaueffizienz, der Korrektur von überzähligen beziehungsweise fehlenden Zähnen sowie bei interdisziplinären Therapieaufgaben ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Zahnheilkunde. Auch in Zukunft wird die Kernkompetenz der Kieferorthopädie als medizinische Disziplin in der Prävention und Korrektur von oralen Dysfunktionen sowie pathologischen Fehlstellungen und Fehlbildungen der Zähne und der Kiefer liegen. Die Optimierung der dentalen und fazialen Ästhetik ergibt sich dann als wünschenswerter Nebeneffekt.

Wie finden Sie die Neuerungen?

Die Fortschritte der modernen Bildgebung liefern inzwischen ausgezeichnete Planungs- und Therapiekontrollmöglichkeiten. Dank zahlreicher Weiterentwicklungen im Bereich der kieferorthopädischen Behandlungsmittel können den Patienten wenig sichtbare oder miniaturisierte Apparaturen angeboten und auch zunehmend komplexe Problemstellungen zuverlässig gelöst werden.

Wann genau sind Zahnärzten die Hände gebunden, sprich: zu welchem Zeitpunkt kommt die Kieferorthopädie ins Spiel?

Professor Dr. Dr. Peter Proff ist Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Regensburg. Foto: UKR/Klaus Völcker
Professor Dr. Dr. Peter Proff ist Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Regensburg. Foto: UKR/Klaus Völcker

Das Gebiet der Kieferorthopädie umfasst die Erkennung, Verhütung und Behandlung von Fehlbildungen des Kauorgans, von Zahnstellungs- und Bissanomalien sowie Kieferfehlbildungen und Deformierungen der Kiefer sowie des Gesichtsschädels im gesamtmedizinischen Kontext. Für den Zahnarzt ist besonders das rechtzeitige Erkennen einer kieferorthopädischen Problematik wichtig. Für eine notwendige kieferorthopädische Behandlung spielt die Ausbildung und Erfahrung eine große Rolle. Durch die langjährige und sehr intensive Ausbildung in der Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen stellen Fachzahnärzte für Kieferorthopädie die beste Option bei der Durchführung einer kieferorthopädischen Behandlung dar. Durch die Spezialisierung bieten diese meist auch das gesamte Spektrum aller kieferorthopädischen Therapiemöglichkeiten.

Welche Behandlungen sind bei Erwachsenen möglich?

Bei der Therapie von Erwachsenen müssen sich die Kieferorthopäden mit altersspezifischen Gegebenheiten und interdisziplinär zu lösenden besonderen Problemstellungen auseinandersetzen. Während bei Kindern und Jugendlichen die Entwicklung der Zähne und das Wachstum der Kiefer und des Gesichtsskeletts im Mittelpunkt der Behandlung stehen, liegt der Fokus bei erwachsenen Patienten eher auf der interdisziplinären Wiederherstellung oder Rehabilitation der Kaufunktion sowie der Zahn- und Gesichtsästhetik.

Was genau wird bei einer solchen Behandlung gemacht?

Typische kieferorthopädische Aufgaben sind dabei die Aufrichtung gekippter Zähne, die Reorientierung von krankhaft gewanderten Zähnen im Rahmen einer Parodontalerkrankung oder die sinnvolle strategische Verteilung der Zähne im Kiefer, um eine ideale prothetische Versorgung zu ermöglichen.

92. DGKFO-Kongress

  • Tagung:

    Die Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO) veranstaltet von 4. bis 9. September unter dem Motto „Gemeinsam therapieren – nachhaltig retinieren“ die 92. Wissenschaftliche Jahrestagung in Nürnberg.

  • Präsident:

    In diesem Jahr ist Prof. Dr. Dr. Peter Proff, Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie des Universitätsklinikums Regensburg, Tagungspräsident.

Wann ist eine Therapie nicht mehr sinnvoll?

Kieferorthopädische Zahnbewegungen sind bei gesundem Zahnhalteapparat grundsätzlich in jedem Alter möglich, wenn eine gute häusliche Mundhygiene durchgeführt wird und der Hauszahnarzt mit professionellen Zahnreinigungen unterstützend mitwirkt. Bei kieferorthopädischen Behandlungen in fortgeschrittenem Alter gibt es natürlich auch Grenzen, die primär durch Erkrankungen, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen, und Erkrankungen des Zahnhalteapparates vorgeben werden. Weitere Limitationen können eine eingeschränkte Mundhygienefähigkeit sein. Ob eine kieferorthopädische Behandlung im höheren Alter sinnvoll und möglich ist, sollte stets durch einen Kieferorthopäden und den Hauszahnarzt individuell entschieden werden.

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