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Hausmittel

So wurde Oma ihren Schnupfen los

Bronchitis, heisere Stimme – schon kleine Dinge können hilfreich sein, weiß Kneipp-Gesundheitsberaterin Gerda Pfaffender.
Von Beate Weigert

  • Winterzeit ist Erkältungszeit. Foto: dpa
  • Gerda Pfaffeneder hat eine Menge Tipps auf Lager. Foto: Weigert
  • Eimer oder Schüssel, ein Thermometer, warmes Wasser – mehr braucht es nicht. Foto: Weigert
  • Am besten eigenen sich basische Strümpfe für einen Halswickel. Diese tunkt man in Wasser mit Apfelessig. Foto: Weigert
  • Selbst gemacht: Fichtennadelsalz (li.) Foto: Weigert
  • Wer‘s mag! Die Zwiebel als Hausmittel Foto: Weigert
  • Mit einem Einsatz im Topf wird der Heublumensack überm Dampf erhitzt. Foto: Weigert

Abensberg.Winterzeit ist Schnupfenzeit. Wen es dieser Tage mit Katarrh, Husten, Halsweh und Co. erwischt, der kann sich mit einfachen Zutaten und Utensilien, die man Zuhause hat, Linderung verschaffen, sagt Kneipp-Gesundheitstrainerin Gerda Pfaffeneder aus Abensberg. Die 67-Jährige kennt sich aus mit vielerei Hausmitteln.

Die Gesundheits-Lehre des Pfarrers Kneipp hört beim Wasser(-treten) nicht auf. Bewegung, Ernährung, Ordnung und Heilpflanzen komplettieren die Elemente, die Körper, Geist und Seele in Einklang bringen sollen.

Heilpflanzen finden sich im Hustentee. Den lässt Gerda Pfaffeneder, wenn sie die Kräuter über den Sommer nicht selbst sammelt und trocknet, in der Apotheke, im Reformhaus oder im Bio-Teeladen mischen. Denn nur dann wisse man, was wirklich drin steckt im Aufguss.

Für den Hustentee empfiehlt sie folgende Zutaten: 50 Gramm Spitzwegerich, 30 Gramm Dost, 10 Gramm Malvenblüten, 10 Gramm Königskerzen oder 10 Gramm Thymian (wer sich für Letzteren entscheidet, sollte dann nur 40 Gramm Spitzwegerich wählen). Für einen Liter Wasser gibt Pfaffeneder zwei Esslöffel Tee hinein. Tee-Eier verwendet sie nicht. Denn: „Tee braucht Platz.“ Ziehen sollte dieser fünf bis 15 Minuten.

Viele glaubten, viel helfe viel. Das sei falsch. Sie neige eher dazu Tees „unterzudosieren“. Wer zu viel Tee nehme, könne schnell einen zu starken Sud erhalten, der könne obendrein schnell bitter schmecken. Wichtig sei es, vor allem wenn getrocknete Blüten enthalten sind, dass das Wasser nicht zu heiß ist. Es sollte etwa 80 Grad haben, darüber könnten wichtige Inhaltsstoffe zerstört werden.

Um die Aromen zu bewahren, ist es wichtig, dass immer ein Deckel auf dem Teegefäß sitzt, sonst verdampfen die ätherischen Öle. Süßen solle man den Hustentee nicht, das blockiere Wirkstoffe. Einzige Ausnahme: Honig kann die Wirkung der Kräuter verstärken.

Warmes Wasser – mehr braucht es nicht

Egal, ob die Kinder vom Spielen in der Kälte zurückkommen oder die Großen eine aufkommende Erkältung im Keim ersticken wollen oder eine zugeschwollene Nase haben, ein warmes Fußbad kann einiges bewirken. Streng genommen braucht das Wasser keine Zusätze. Wer möchte, kann aber Lindenblüten, Melisse, Salbei, Thymian, Schafgarben oder zwei Tropfen des entsprechenden Öls dazugeben. Ein Fußbad wirkt unglaublich entspannend. Eine noch bessere Wirkung erzielt man laut Gerda Pfaffeneder mit einem so genannten „ansteigenden Fußbad“. Erwachsene beginnen mit einem 35 Grad warmen Wasser, Kinder bei 33 Grad. Zwischen zwölf und 15 Minuten – je nach Verträglichkeit – gehen die Großen bis 39 oder 42 Grad. Bei den Kindern ist bei maximal 39 Grad Schluss. Wer einen Schweißausbruch bemerkt, sollte sich nach dem Fußbad hinlegen oder am Abend hinterher zu Bett gehen. Wer mag, kann vor dem Fußbad mit Thymian- oder Lavendelöl inhalieren. Auch bei Bronchitis, Blasenentzündung oder Menstruationsbeschwerden kann ein Fußbad die Beschwerden lindern.

Wickel für Hals, Rücken und Co.

Mit selbst gemachten Wickeln lassen sich viele Schmerzen lindern. Wen Halsweh plagt, der kann sich mit wenigen Handgriffen einen Essig-Wickel machen. Als Basis kann man Geschirrtücher verwenden. Noch lieber verwendet Gerda Pfaffeneder basische Strümpfe. Die haben die optimale Breite und man kann sie wie einen Schal um den Hals schlagen. Wichtig sei es, die Wirbelsäule auszusparen und das Tuch wieder nach vorne zu führen. In einer Schale mischt man ein wenig kaltes Wasser mit zwei Esslöffeln Apfelessig von guter Qualität, windet ihn aus. Mehr „Vorarbeit“ braucht’s nicht. Den Wickel kann man zuhause auch tagsüber tragen, einfach außen ein, zwei trockene Schichten Tücher um den Hals schlagen. Tragezeit: 30 Minuten. Auch Migränegeplagte würden von Halswickeln profitieren, sagt Pfaffeneder. Sie könnten noch einen Tropfen Pfefferminzöl dazugeben. Der Wickel fördere Entspannung und sorge für bessere Durchblutung. Auch mit frischen Zitronenscheiben, Quark, heißen Kartoffeln oder Kraut- und Wirsingblättern lassen sich Wickel „füllen“.

Einfach mal „abtauchen“

Die Haut ist das Ausscheidungsorgan. Für ein Erkältungsbad 4 EL Fichtennadel- oder Rosen-Lavendel-Ringelblumen-Salz in 36 bis 38 Grad warmes Wasser geben. Badezeit: 15 bis 20 Minuten. Wer möchte, kann noch einen starken Aufguss von Melisse oder Thymian ins Badewasser schütten.

Ein Zwiebelsackerl aufs Ohr

Die Zwiebel kann bei Ohrenschmerzen helfen. Eine geschnittene Zwiebel wird für ein Ohrensackerl in einem Glas gestampft, damit der Saft austritt. Anschließend die Zwiebel in einen Waschlappen füllen, diesen 30 Minuten auf die Heizung legen und dann für eine Stunde aufs Ohr legen. Pfaffeneder würde sich auch eine halbe Zwiebel ins Schlafzimmer legen. Allein das habe desinfizierende Wirkung und helfe Schleim zu lösen. Als Tee habe Zwiebel antibiotische Wirkung.

„Das Morphium des Kneippianers“

Noch intensiver als eine Wärmflasche seien Kartoffelwickel. Dafür drei gekochte Kartoffeln zerdrücken, auf ein Tuch legen, daraus ein Packerl falten und auf die schmerzende Stelle, etwa den Rücken legen. Die gleiche Wirkung habe ein auch Heublumensack. Er wird auch als das „Morphium des Kneippianers“ bezeichnet. So einen gebe es in der Apotheke zu kaufen. Der Heublumensack wird überm Wasserdampf 20 Minuten heiß gemacht und dann zwei Stunden auf Brustkorb, Rücken und Co. gelegt.

Die Sonne „gespeichert“

Wer im Sommer Johanniskraut in 38- prozentigen Korn einlegt, hat im Winter eine entsprechende Tinktur. In dieser ist die „Sonnenenergie gespeichert“. Gerda Pfaffeneder nimmt in der lichtarmen Winterzeit dreimal täglich 20 bis 30 Tropfen gegen „Winterdepression“. Wer sie nicht pur schlucken mag, kann sie mit Wasser (und Zucker) verdünnen. Das ölige Pendant nutzt die Gesundsheitstrainerin zum Einreiben.

Anwendungen ausprobieren

  • Termin:

    Wer mehr über Kneippanwendungen erfahren möchte, ist am Donnerstag, 29. Januar, 19 Uhr, richtig beim Termin des Abensberger Kneippvereins. Von den etwa 120 verschiedenen Anwendungen werden die Wirkungsvollsten vorgestellt und ausprobiert.

  • Info/Anmeldung:

    Gerda Pfaffeneder, Tel. (0 94 43) 33 96, Gebühr: zehn Euro, für Kneipp-Mitglieder acht Euro

  • Vereine:

    Im Landkreis Kelheim gibt es zwei Kneipp-Vereine. Der zweite findet sich in Kelheim.

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