MyMz

Tausende Ansteckungen von Tier zu Mensch

In Bayern werden jedes Jahr Tausende Fälle von Zoonose registriert. Überträger der Viren sind vor allem Zecken.

Eine Zecke auf der Haut eines Menschen: Zecken können sie FSME und Lyme-Borreliose übertragen.
Eine Zecke auf der Haut eines Menschen: Zecken können sie FSME und Lyme-Borreliose übertragen. Foto: Stephan Jansen/picture alliance/dpa

Erlangen.Durch den direkten Kontakt mit Tieren, Kadavern oder Ausscheidungen stecken sich Jahr für Jahr Tausende Menschen in Bayern mit meldepflichtigen Krankheiten an. Infektionskrankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragbar sind, heißen Zoonosen. Dazu zählen neben dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 alte Bekannte wie die von Zecken verursachte Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und das Hantavirus, das in Bayern laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) vor allem Rötelmäuse übertragen.

Rohmilch-Genuss kann gefährlich sein

Zu den häufigsten Zoonosen im Freistaat zählen jedoch Infektionen mit Campylobacter-Bakterien. 7645 Fälle hat das LGL im vergangenen Jahr erfasst, wie aus kürzlich auf der Homepage veröffentlichten Zahlen hervorgeht. In den fünf Jahren zuvor waren es immer über 8000 gemeldete Infektionen. Diese sind beim Menschen überwiegend lebensmittelbedingt, wie das Robert Koch-Institut (RKI) erklärt. Als bedeutendste Infektionsquelle nennen die Fachleute Geflügelfleisch. Krankheitsausbrüche würden in Deutschland zudem immer wieder durch den Verzehr von nicht pasteurisierter Milch (Rohmilch), aber auch von rohem oder unzureichend durcherhitztem Fleisch verursacht. Symptome einer Campylobacter-Infektion können Durchfall und Fieber sein. In der Regel lassen sie nach einigen Tagen wieder nach.

 Eine Feldmaus: Hantaviren werden Experten zufolge von Nagetieren auf den Menschen übertragen.
Eine Feldmaus: Hantaviren werden Experten zufolge von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Foto: Arno Burgi/picture alliance/dpa

Die Zecke kann gleich zwei für Menschen gefährliche Krankheiten übertragen: 202 FSME-Fälle wurden vergangenes Jahr in Bayern erfasst. Neben vielen Krankheitsverläufen ohne Symptome können grippeähnliche Beschwerden auftreten. Dem RKI zufolge sind unter Umständen auch schwerere Verläufe und bleibende neurologisch Ausfälle möglich. Gegen FSME kann man sich impfen lassen. Keinen vorherigen Schutz gibt es hingegen gegen Lyme-Borreliose. Diese Bakterien-Erkrankung wird in der LGL-Statistik seit 2014 erfasst. Die Zahlen schwanken seither, 2019 waren es 4259 Fälle. Die Bakterien leben im Darm der Zecke und wandern nach Beginn des Saug-Aktes in deren Speicheldrüsen, von wo sie laut RKI mit dem Zeckenspeichel auf den Gestochenen übertragen werden. Dort können sie dann Hautrötungen oder grippeähnliche Symptome auslösen, aber auch Gelenke, Herz und Nerven angreifen. Zur Behandlung werden meist wochenlang Antibiotika verabreicht.

Wissenschaft

Wie viele Infektionen verträgt das Land?

Kontinuierlich steigt in Deutschland die Zahl der Corona-Neuinfektionen an. Experten blicken mit Sorge in die Zukunft.

Deutlich seltener kommen Infektionen mit dem Hantavirus im Freistaat vor: Für das vergangene Jahr hat das LGL 293 Erkrankungen erfasst. Auch hier schwanken die Zahlen: Im Jahr davor waren es gerade einmal 31, 2017 aber 374 Fälle. Hantaviren werden den Experten zufolge von Nagetieren auf den Menschen übertragen. Die Tiere scheiden sie über Speichel, Urin und Kot aus. Menschen atmen dann beispielsweise virushaltige Aerosole ein. Möglich sei auch, dass etwa kontaminierter Staub über Wunden in den Körper dringt oder die Tiere schlicht zubeißen. Die Viren führen „in Abhängigkeit vom Virustyp zu verschieden schweren Krankheitsbildern bis hin zu lebensbedrohenden fieberhaften Verläufen mit massiver Blutungsneigung“, so das LGL. Die Region um Würzburg und Teile des Bayerischen Waldes gelten ebenso wie die Schwäbische Alb als bekannte Hantavirus-Gebiete. Auch hier ist keine Impfung möglich, Ärzte behandeln je nach den Symptomen.

Gesundheit

Das Virus auf der Deutschlandkarte

In der Stadt gibt es reichlich Gelegenheit für Corona-Infektionen, auf dem Land ist Platz? So einfach ist es nicht.

2011 wiederum war Ehec großes Thema in Deutschland wegen einer Epidemie. Die enterohämorrhagischen Escherichia coli-Bakterien (Ehec) kommen normalerweise nicht im menschlichen Darm vor, sondern bei Rindern und anderen Wiederkäuern. Diese Sonderform der Kolibakterien kann laut LGL Giftstoffe produzieren, die wiederum Krankheiten auslösen. Hier gibt es gute Nachrichten: Mit 246 Fällen verzeichneten die Behörden im vergangenen Jahr im Freistaat den niedrigsten Wert seit acht Jahren. Eine Schutzimpfung gibt es nicht. Und da eine Therapie mit Antibiotika nach LGL-Angaben problematisch ist, empfehlen die Experten, etwa auf rohe Produkte zu verzichten, das bei der Fleischzubereitung verwendete Geschirr, Schneidebretter und die Arbeitsflächen sorgfältig zu reinigen und Hände zu waschen – zum Beispiel auch bei Kindern nach einem Besuch im Streichelzoo.

Weitere Artikel aus diesem Ressort finden Sie unter Gesundheit .

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht