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Ratgeber

Wann ein neues Gelenk her muss

Für die Erfordernis eines künstlichen Gelenks gibt es einige Signale. Ob eine Op relevant ist, hängt von vielen Faktoren ab.
Von Sabine Meuter

Künstliche Kniegelenke müssen oft nach rund zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden. Foto: Florian Schuh/dpa
Künstliche Kniegelenke müssen oft nach rund zehn bis 15 Jahren ausgetauscht werden. Foto: Florian Schuh/dpa

Aachen.Ob Knie, Hüfte oder Schulter - Gelenke können Schaden nehmen, das ist nicht ausschließlich eine Frage des Alterns. Gelenkverschleiß droht bei Bewegungsmangel, Übergewicht und auch bei falscher Belastung, etwa durch Leistungssport. Die Knorpelmasse um das Gelenk reibt sich mehr und mehr ab, bis es sich versteift. Ärzte sprechen dann von Arthrose. In so einem Fall muss aber nicht immer gleich ein künstliches Gelenk her.

Zunächst kommen zur Therapie gelenkfreundliche Sportarten wie Radfahren und Schwimmen infrage. „Damit wird das betroffene Gelenk gestärkt“, sagt der Essener Orthopäde Ramin Nazemi, Vorstandsvorsitzender bei orthonet-NRW. Wer übergewichtig ist, sollte in Absprache mit dem Arzt langsam abnehmen. Betroffene gehen so dem Übel auf den Grund statt nur die Folgen zu behandeln.

Sport und Physiotherapie helfen gegen den Verschleiß

Die Arthrose selbst ist nicht heilbar, sagt Ute Merz vom Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK). Sport und auch Physiotherapie können aber dazu beitragen, dass der Verschleiß nicht mehr so schnell voranschreitet. Die Muskulatur um das Gelenk herum wird gestärkt - oft lassen die Schmerzen dann auch nach.

Zeigen sich durch die Physiotherapie innerhalb von drei bis sechs Monaten keine Erfolge und hat der Patient weiter oder zunehmend Schmerzen, dann kommt eine Operation infrage. „Ob und wann operiert wird, hängt vom Leidensdruck des Patienten ab“, sagt Nils Lynen, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie in Aachen.

Ein Grund für eine OP kann auch sein, dass sich ein Hink-Mechanismus entwickelt. „Dann empfiehlt sich oft eine OP, um Folgeschäden etwa an der Wirbelsäule zu vermeiden“, sagt Nazemi.

Künstliche Hüftgelenke im Helios Klinikum Berlin-Buch: Damit Patienten mit solchen Prothesen schmerzfrei leben können, müssen sie fleißig Muskulatur drumherum aufbauen. Foto: Florian Schuh/dpa
Künstliche Hüftgelenke im Helios Klinikum Berlin-Buch: Damit Patienten mit solchen Prothesen schmerzfrei leben können, müssen sie fleißig Muskulatur drumherum aufbauen. Foto: Florian Schuh/dpa

Bei dem Eingriff kommt es aber auch auf den richtigen Zeitpunkt an. Bekommt der Patient zu spät ein neues Gelenk eingesetzt, dann bleibt womöglich ein Restschmerz, weil es schon Folgeschäden gibt. „Darüber muss der Patient vor einem Eingriff gründlich aufgeklärt werden“, betont Lynen.

Eine Frage des Alters ist der Einsatz eines künstlichen Gelenks dagegen nicht unbedingt. Lynen zufolge können auch Frauen und Männer im Alter zwischen 70 und 90 Jahren von einem neuen Gelenk profitieren. „Weniger Schmerzen und mehr Lebensqualität sind lohnenswerte Ziele in jedem Alter“, sagt auch Merz.

Ob operiert wird, entscheiden letztlich Arzt und Patient gemeinsam. Für die Operation kommt manchmal der behandelnde Orthopäde selbst als Operateur infrage - in anderen Fällen empfiehlt er einen Kollegen. Auch die Krankenkassen geben häufig Tipps, an welche Fachklinik sich Versicherte für eine Operation wenden können.

Therapieplan legt Belastung des neuen Gelenks fest

Eine Woche Krankenhaus, anschließend drei Wochen Reha und dann noch mehrere Wochen ambulante Physiotherapie - so läuft der Einsatz eines neuen Gelenks in der Regel ab. „Normalerweise gibt es nach der Operation einen festen Therapieplan, in dem der Operateur festlegt, wann das neue Gelenk wie stark belastet werden darf und ab wann eine volle Belastung des Gelenkes erlaubt ist“, erklärt Merz.

Bei einem neuen Hüftgelenk besteht beispielsweise das Risiko, dass es sich auskugelt. Begünstigt wird dies etwa durch ein Überkreuzen der Beine, weshalb Patienten das in den ersten drei Monaten nach der OP vermeiden sollten.

Eine neue Knieprothese kann dagegen bei normalem Verlauf nahezu sofort wieder voll belastet werden. In den ersten Tagen orientiert sich der Patient an den Wundschmerzen und arbeitet sich unter therapeutischer Aufsicht an die Bewegung des Gelenks langsam heran, erläutert Merz.

Eine künstliche Hüfte im Röntgenbild: Verschleißt die natürliche Struktur, kann sie auf diese Weise ersetzt werden. Foto: Florian Schuh/dpa
Eine künstliche Hüfte im Röntgenbild: Verschleißt die natürliche Struktur, kann sie auf diese Weise ersetzt werden. Foto: Florian Schuh/dpa

Mit abnehmenden Wundschmerzen kann der Patient das Gelenk Stück für Stück mehr belasten, um die Muskulatur mehr und mehr aufzubauen. Wie lange die Eingewöhnungsphase mit dem künstlichen Gelenk dauert, ist individuell unterschiedlich. „Im Schnitt muss ein Patient mit rund sechs Monaten rechnen“, ist Lynens Erfahrung. Wichtig ist, den Muskelaufbau um das neue Gelenk kontinuierlich zu fördern. Hierfür zeigen Physiotherapeuten den Patienten Übungen, die sie in ihren Alltag einbauen sollten.

Läuft alles gut, kann der Patient das Gelenk hinterher wieder schmerzfrei benutzen. Allerdings nicht unbedingt für immer. „Eine Hüftprothese muss häufig nach 15 bis 20 Jahren ausgetauscht werden, eine Knieprothese nach 10 bis 15 Jahren“, so Lynen.

Je nach knöchernen Strukturen, Operationsmethode und Faktoren wie Übergewicht oder übermäßige Belastung können sich künstliche Gelenke lockern. Das verursacht Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigungen - Zeichen dafür, dass das Gelenk gewechselt werden muss. „Wie lange aber letztendlich die Prothese hält, ist von Patient zu Patient verschieden“, so Lynen.

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