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Medizin

Besser mit Morbus Parkinson leben

Parkinson kann nach wie vor nicht geheilt werden, ist aber gut behandelbar. Vor allem Bewegung hilft Körper und Seele.
Von Alexandra Bülow

Bewegung hilft Menschen mit Parkinson. Beim Selbsthilfe-Verein für Parkinsonkranke evanda in Frankfurt am Main trainieren die Teilnehmer ihre Beweglichkeit gemeinsam mit Dehnübungen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn
Bewegung hilft Menschen mit Parkinson. Beim Selbsthilfe-Verein für Parkinsonkranke evanda in Frankfurt am Main trainieren die Teilnehmer ihre Beweglichkeit gemeinsam mit Dehnübungen. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa-tmn

Frankfurt.Der Gang wird unsicherer, manchmal fühlt sich der Körper schwerfällig und steif an. Die Sprache wird nuschelig und das Schlucken ist auf eine merkwürdige Weise mühsam. Wenn ältere Menschen diese Beschwerden bei sich feststellen, glauben sie oft, dass es Anzeichen des Älterwerdens sind. Und sie kriegen den Satz „So ist das eben, wenn man älter wird“ dann auch oft zu hören. Sie sollten aber auf eine genauere Untersuchung drängen. Denn solche Symptome können auch auf etwas anderes hinweisen: auf Morbus Parkinson.

Die Diagnose Parkinson ist oft ein Schock. Viele haben Angst vor Verfall und sehen sich als Pflegefall, sagt Friedrich Wilhelm Mehrhoff von der Deutschen Parkinson Vereinigung. Doch die Krankheit lässt sich heute gut behandeln. Dafür steht neben Medikamenten eine ganze Reihe weiterer Therapien zur Verfügung. Wichtig ist, dass der Patient mitarbeitet.

Gehirnzellen sterben ab

Im Mittel sind Patienten bei der Diagnose 60 Jahre alt. Morbus Parkinson ist laut der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) nach der Alzheimer-Krankheit die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. In Deutschland sind ungefähr 250000 bis 280000 Menschen betroffen.

„Es sind vermutlich mehrere Faktoren, die eine Rolle bei der Entstehung spielen.“

Professor Rüdiger Hilker-Roggendorf, Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen

Bei Parkinson sterben Zellen in der schwarzen Substanz im Gehirn ab, der Substantia nigra. Es sind Zellen, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Er ist unter anderem bedeutend für die Steuerung der Bewegungen des Körpers. Durch das Absterben fehlt Dopamin. Der Betroffene beginnt zu zittern, bekommt Sprach- und Schluckstörungen, der Gang wird unsicher, die Schritte kleiner. Bewegungen werden langsamer, Arme und Beine steif.

Die Ursache für das Absterben der Zellen ist nicht bekannt. Es gibt einige Vermutungen, zum Beispiel die krankhafte Ablagerung bestimmter Eiweiße im Hirn. „Es sind vermutlich mehrere Faktoren, die eine Rolle bei der Entstehung spielen“, sagt Professor Rüdiger Hilker-Roggendorf von der DPG.

Lebenserwartung nahezu normal

Die typischen Parkinson-Symptome zeigen sich erst, wenn schon mehr als 50 Prozent der Zellen abgestorben sind. Manche dieser Symptome treten auch bei anderen Krankheiten auf. Bei Verdacht auf Parkinson schließt der Arzt daher meist zuerst andere Erkrankungen mit klinischen Tests und bildgebenden Verfahren aus. Patienten über 70 bekommen dann in der Regel einen Wirkstoff namens Levodopa verabreicht, kurz L-Dopa. Es wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt. „Bessern sich die Symptome, gehen wir davon aus, dass es Parkinson ist“, erklärt Hilker-Roggendorf.

Typisch bei Parkinson sind Probleme beim Gehen. Erkrankte sollten sich dennoch möglichst täglich bewegen, beispielsweise beim Nordic Walking. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn
Typisch bei Parkinson sind Probleme beim Gehen. Erkrankte sollten sich dennoch möglichst täglich bewegen, beispielsweise beim Nordic Walking. Foto: Tobias Hase/dpa-tmn

Heilbar ist die Erkrankung nicht. Aber: „Die Lebenserwartung ist bei typischen Parkinson-Patienten heute annähernd normal“, sagt Hilker-Roggendorf. Behandelt wird Parkinson bei Menschen über 70 in erster Linie mit der Gabe von Botenstoffen wie L-Dopa, das den Mangel ausgleichen soll. Patienten dürfen ab 45 Minuten vor der Einnahme bis eine Stunde nach der Einnahme keine eiweißhaltige Kost essen. Sie hemmt die Aufnahme der Botenstoffe.

Zunächst lindern die Medikamente die Symptome in der Regel gut. Nach mehreren Jahren der Einnahme von L-Dopa kann es aber zu Wirkungsschwankungen kommen oder die Wirkung lässt nach. Dann muss die Therapie angepasst werden. Hilfreich dafür ist ein 24-Stunden-Protokoll, das der Patient drei Tage lang führt. Er notiert zum Beispiel, wann sich sein Körper steif anfühlt. Auf dieser Grundlage kann der Arzt die Dosis verändern, ein neues Medikament verordnen oder die bestehende Therapie ergänzen.

Sport ist hilfreich

Arznei ist bei Morbus Parkinson aber nicht alles. Physiotherapie fördert die Beweglichkeit und die Stabilität. Ergotherapie hilft, Alltägliches wie Anziehen, Körperpflege oder Essen besser zu meistern. Sprech- und Schluckbeschwerden widmen sich Logopäden. Sie bieten auch spezielle Trainings für die Stimme an – wie zum Beispiel das Programm LSVT-Loud (Lee-Silverman-Training).

„Man muss die Krankheit akzeptieren. Man findet seinen Weg, mit Parkinson umzugehen.“

Stephanie Heinze, Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung

Erkrankte sollten sich zudem möglichst täglich bewegen. Ideal ist Nordic Walking. „Da schwingen beide Arme mit“, erklärt Stephanie Heinze von der Hilde-Ulrichs-Stiftung für Parkinsonforschung. Wassergymnastik, Radfahren, Tanzen und Tai-Chi sind ebenfalls wirksam. Auch zu Hause können Menschen mit Parkinson einfache Übungen für Kraft, Feinmotorik oder Gleichgewicht machen. Das Neurologische Fachkrankenhaus für Bewegungsstörungen/Parkinson in Beelitz bei Berlin bietet eine DVD mit Bewegungsübungen an, ebenso die kostenlose App MoveApp, die ebenfalls Übungen zeigt.

Sport verbessert nicht nur die Beweglichkeit, sondern löst auch Glücksgefühle aus. Genauso wie Singen oder Musizieren – und soziale Kontakte zu pflegen. Die Seele ist bei Parkinson nicht zu unterschätzen. Alle Experten empfehlen den Besuch einer Selbsthilfegruppe, in der Betroffene und ihre Angehörigen sich austauschen und etwas unternehmen können. Heinze ist selbst schon früh an Parkinson erkrankt. Sie macht anderen Patienten Mut und sagt: „Man muss die Krankheit akzeptieren. Man findet seinen Weg, mit Parkinson umzugehen.“

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In Cham gibt es bereits seit 20 Jahren eine Parkinson-Selbsthilfegruppe. Den Artikel dazu findet man hier.

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