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Besonderer Fund im Abensberger Wald

Eine Familie stößt beim Spaziergang auf ein seltenes Tier. Bei den Experten sorgt sie damit für Begeisterung.
Von Wolfgang Abeltshauser

Der türkische Maikäfer ist extrem selten. Auf dem Foto ist gut zu erkennen, dass dem Tier ein Fühler fehlt.
Der türkische Maikäfer ist extrem selten. Auf dem Foto ist gut zu erkennen, dass dem Tier ein Fühler fehlt. Foto: Anton Supritz

Abensberg.Die Sanddünen und Kiefernwälder rund um Abensberg sind wertvoller Lebensraum. Er lockt spezielle Zeitgenossen in die Region. Das ist ein Beispiel dafür: Aufmerksame Spaziergänger sind in einem Waldstück im Osten Abensbergs auf ein besonderes Tier gestoßen. Es kommt in unseren Breiten so selten vor, dass sogar ein Experte wie Robert Hierlmeier von Landschaftspflegeverband (VöF) so eines kaum vor die Augen bekommt.

Es war in der Dämmerung, als eine Abensberger Familie einen Waldspaziergang unternahm. Anderen wäre es vielleicht gar nicht aufgefallen. Die Abensberger bezeichnen sich aber als Naturfreunde. Und so übersahen sie den knapp vier Zentimeter langen, schwarz-weiß gefleckten, Käfer nicht. Er lag mit dem Rücken auf dem Boden, konnte sich augenscheinlich nicht umdrehen. Es fehlte ihm ein Fühler.

Mysteriös

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Die Abensberger nahmen ihn mit nach Hause. Sie recherchierten – und dann schwante es ihnen. Sie glaubten, einen sogenannten Türkischen Maikäfer – Fachbezeichnung Polyphylla fullo – vor sich zu haben. Sie kontaktierten Fachleute von VöF. Das Ergebnis war: Sie hatten recht.

In 20 Jahren nur einmal gesehen

Und somit hatten sie ein höchst seltenes Exemplar vor sich. Hierlmeier arbeitet nach eigenen Worten rund 20 Jahre in der Region. Der Biologe ist Fachberater beim VöF und für die Sanddünen und Kiefernwälder rund um Abensberg zuständig. „Ich habe so ein Tier erst einmal mit eigenen Augen gesehen.“, betont er. Und es ist jetzt erst das zweite Mal, dass ihm ein Fund von Mitmenschen gemeldet wurde.

Polyphylla fullo

  • Gattung:

    Der Türkischer Maikäfer gehört laut Bund Naturschutz zur Familie der Blatthornkäfer. Seine nördliche Verbreitungsgrenze ist der Süden Schwedens, die östliche der Balkan und Kaukasus.

  • Lebensraum:

    Er bewohnt sandige Lebensräume, wie etwa den Rand von sonnigen Kiefernwäldern, Weinberge oder Dünen. Die Käfer treten im Juni und Juli auf und fliegen in der Abenddämmerung.

Die Abensberger kümmerten sich – in Absprache mit der Naturschutzbehörde – liebevoll um den kleinen Kerl. Laut Gesetz muss der Fund eines solchen Tieres gemeldet werden, weil der Käfer unter Artenschutz steht. Das haben die Abensberger ja auch gemacht.

Laut Hierlmeier frisst so ein Käfer Kiefernnadeln. Wasser brauche er keines, das hole er sich aus den Nadeln. Auf diese Weise versuchte man ihn aufzupäppeln. Auch ein Nest aus Moos hatten die Abensberger ihm in einer Schachtel gebaut.

Die Finder waren vorbildlich

Trotz aller Mühe funktionierte das aber nicht. Eines morgens lag der kleine Kerl tot da. Was Hierlmeier den Abensbergern nicht übelnimmt. In seinen Augen ist es schon ein Zeichen von besonderer Naturliebe, so umsichtig mit so einem Tier umzugehen. „Die Familie hat sich vorbildlich verhalten“, lobt er. Auch was das rasche Melden des Fundes betrifft.

Bevor das Tier starb, habe es laut Finder mehrfach erfolglos versucht, zu fliegen. Danach konnte es sich nicht selbstständig aufrichten. Das alles spreche in seinen Augen dafür, dass der Käfer Probleme mit dem Gleichgewichtssinn hatte. Das könne laut Hierlmeier die Folge des fehlenden Fühlers sein. Es gut möglich, dass das Tier leider so verletzt war, dass es letztendlich nicht mehr überlebensfähig war.

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Hierlmeier würde es nicht wundern, wenn es weitere dieser Maikäfer in der Region gibt. Auch die Finder können sich das vorstellen. Sie haben sich nicht zuletzt deshalb an die Mittelbayerische gewandt. Sie wollen ihre Mitbürger aufmerksam machen, damit die auf das seltene Tier achtgeben.

Der Biologe erklärt, warum man die Käfer nicht häufig sieht. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie unter der Erde. „Sie leben mehrere Jahre lang als Engerlinge versteckt im Boden.“ Als Käfer sind sie nur wenige Monate aktiv. Und fliegt das Tier, müsse man wohl schon scharfe Augen haben, um ihn überhaupt zuerkennen.

Der Plan ist jetzt, den Käfer präparieren zu lassen. Hierlmeier kann sich vorstellen, das Tier auf diese Weise im Umweltunterricht zu verwenden. Dies sei erlaubt. Allerdings müsse man sich das genehmigen lassen. Käfersammler etwa dürften das nicht, weil er eben unter Artenschutz steht.

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