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Umwelt

Das grüne Gewissen Regensburgs wurde 80

40 Jahre hat der „Aktenfuchs“ Peter Streck für die Natur gekämpft – und das nun alles dokumentiert: ein echtes Schatzkästchen
Von Heinz Klein

Peter Streck mit seiner Frau Janna: Hubert Weinzierl nannte sie „ein unschlagbares Team“, wenn es um die praktische Umsetzung von Naturschutzanliegen geht. Foto: Heinz Klein
Peter Streck mit seiner Frau Janna: Hubert Weinzierl nannte sie „ein unschlagbares Team“, wenn es um die praktische Umsetzung von Naturschutzanliegen geht. Foto: Heinz Klein

Regensburg.2,2 Kilogramm Erinnerungen in zwei Bänden auf 887 Seiten – das ist die Geschichte des Naturschutzes in Regensburg der letzten 40 Jahre. Peter Streck hat sich dieses Mammutwerk selbst zum 80. Geburtstag geschenkt. Nein, eigentlich hat er es uns geschenkt, den Regensburgern, als einen Schatz des Wissens. Dabei hat er in den beiden Bänden nicht nur erzählt, was sich zum Thema Umwelt all die Jahre alles getan hat, er hat die Regensburger Umweltpolitik ja auch mehr als 40 Jahre selbst mitgestaltet – als Mann des Bund Naturschutz (BN) in vielen Ämtern, vom jahrzehntelangen Vorsitzenden der Kreisgruppe Regensburg bis hin zum Landesschatzmeister des BN.

Da kommen hunderte von Geschichten zusammen, geschlagene Schlachten um das Wohl von Biber und Gelbbauchunke, um mehr Wasser für den Höllbach, mehr Platz für Stadtbäume, die WAA und Tschernobyl, die geplante Schadholzverbrennung in Thanhof, den Donauausbau, Schmetterlinge am Keilsteiner Hang, den ersten Papier-Container oder etwa den Birnbaum des Bischofs.

Aktenfuchs statt Alpha-Tier

Zu seiner Geburtstagsfeier Mitte November kam das faktenreiche Mammutwerk gerade aus dem Druck. Hubert Weinzierl, der große alte Mann des Naturschutzes, bescheinigt Peter Streck darin im Vorwort eine besondere Kunst: „Die Fähigkeit, seine eigene Person zugunsten des gemeinsamen Ganzen zurückzunehmen.“ „Es geht um die Sachverhalte“, sagt dieser bescheidene 80-Jährige, der „nicht als Alpha-Tier, sondern exzellenter Beobachter aus der zweiten Reihe“ beschrieben wurde. Mit ungeheuerer Akribie und profunder Sachkenntnis sammelt, analysiert und dokumentiert Peter Streck Fakten, gerade so, wie es der promovierte Biologe vom wissenschaftlichen Arbeiten als Akademischer Direktor an der Universität Regensburg gewohnt war. In der MZ wurde er schon vor vielen Jahren als „Aktenfuchs“ beschrieben, als der Mann, der vor Stapeln von Aktenordnern und hunderten Seiten Verwaltungsverfahren keine Angst hat. So manche Kanzlei hätte ihn als Fachmann für Verwaltungsrecht wohl sofort eingestellt.

Der BN gratulierte zum 80. Geburtstag: (von links) Richard Mergner, Raimund Schoberer, Peter Streck und Prof. Dr. Hubert Weiger. Foto: Ruppert
Der BN gratulierte zum 80. Geburtstag: (von links) Richard Mergner, Raimund Schoberer, Peter Streck und Prof. Dr. Hubert Weiger. Foto: Ruppert

Und so macht Peter Streck auch um seine 887-seitige Fleißarbeit kein Tamtam. „Wir sind umgezogen – in eine kleinere Wohnung“, erzählt er. 30 Quadratmeter weniger, das bedeutete „ausmisten, wegwerfen“. Schreckliche Worte für Peter Streck, der sich mit großem Bedauern von viel Papier trennen musste. „So habe ich das alles in den beiden Bänden konzentriert und konnte dann auch viel wegwerfen.“

Der „Aktenfuchs“ des BN war nicht nur als Kreisvorsitzender – ein Amt, das er im Wechsel mit Prof. Brekle ausfüllte – gefragt, auch auf Landesebene schätzte man den Sachverstand des Regensburgers und holte ihn in den Landesvorstand und den Landesbeirat.

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So arbeitete Streck mit zwei BN- und BUND-Vorsitzenden zusammen, die gegensätzlicher nicht hätten sein könnten. Mit dem Visionär, wortgewaltigen Redner und Autor, pathologischen Optimisten und Mutmacher Hubert Weinzierl und später mit dessen Nachfolger, dem politischen Kopf und Analytiker, der Sachverhalte blitzschnell bewerten kann, Prof. Dr. Hubert Weiger, der heute die Geschicke des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) lenkt. „Ich konnte mit beiden gut“, sagt Peter Streck. Dieses Kunststück dürfte nicht allzu vielen Mitarbeitern gelungen sein. Das Vorwort in Strecks Werk zieren drei Unterschriften. Die von Weinzierl, Weiger und Richard Mergner, dem aktuellen BN-Vorsitzenden. Da ist Peter Streck direkt ein bisserl stolz darauf.

Die Dokumentation

  • Dokumentation:

    Die zwei Bände „Über den Naturschutz in und um Regensburg“ sind in der Doku-Reihe „Bund Naturschutz Forschung“ erschienen, im Moment aber noch nicht im Handel. Zusammen soll das 887 Seiten umfassende Werk 25 Euro kosten. Informationen zum Vertrieb gibt es demnächst in der BN-Landesgeschäftsstelle Regensburg (Foto: Klein).

  • Autor:

    Peter Streck ist seit mehr als 40 Jahren in verschiedenen Funktionen des BN tätig, auf Landesebene sieben Jahre im Landesvorstand und vier Jahre als Landesschatzmeister. Seit 1978 ist er Mitglied im Naturschutzbeirat der Stadt, von 1985 bis 2009 auch im Naturschutzbeirat der Regierung.

Schaut er zurück auf gut 40 Jahre umweltpolitische Arbeit, so fallen drei große Themen auf, die langen Atem erforderten. Das ging los mit dem Kampf um die Regentalautobahn zu Gründungszeiten der Kreisgruppe Regensburg. „16 Jahre haben wir dagegen gekämpft, dass es keine Nord-Süd-Autobahn durch die Altstadt am Regensburger Dom vorbei gibt“, erinnerte sich Weiger zu Strecks Geburtstagsfeier an das gemeinsame Engagement. Beim Ringen um eine Trasse der Regentalautobahn war die Trinkwassergefährdung ein gewichtiges Argument der Naturschützer. Und so musste sich Peter Streck in das Fachgebiet der Geologie einarbeiten. Für ihn kein Schreckgespenst, schließlich hätte er auch gerne in der Limnologie geforscht, der Wissenschaft von den Binnengewässern als Ökosysteme. Promoviert hat er aber schließlich mit einem Thema zum Sehvermögen von Insekten.

 Nach langem Ringen bekam der Höllbach wieder mehr Wasser. Foto: MZ-Archiv/Beiderbeck
Nach langem Ringen bekam der Höllbach wieder mehr Wasser. Foto: MZ-Archiv/Beiderbeck

Um das Wasser ging es auch bei einem weiteren Langstreckenthema, dem Kampf um mehr Restwasser für den Höllbach bei Brennberg. 22 Jahre dauerte dieser Kampf, der Ende 1989 begann und mit einem Antrag auf Neubewilligung der Genehmigung für zwei Wasserkraftwerke der Firma Heider im Jahr 2012 endete. Gewinner ist nach zähem Ringen der Höllbach, der nun mit mehr Wasser sprudeln darf.

Und noch einmal das Wasser: Der Donauausbau wurde zur weiteren Mammutaufgabe für den Regensburger BN. Auf Initiative von Peter Streck gelang es, dass die Universität eine Donaukommission ins Leben rief, die wissenschaftliche Fakten zum Ausbau der Donau bis zur Staustufe Geisling und ihre Folgen erhob. Streck, der hauptberuflich an der Universität als Geschäftsführer eines millionenschweren Sonderforschungsbereichs tätig war und Wissenschaft koordinierte, hatte den Vorsitz der Kommission inne. Deren Arbeit trug Früchte: Sie führte zur Schaffung der biologisch so wertvollen Altwasser bei Donaustauf.

Prädikat Wurzlseppkonservativer

Auch bei der Regensburger BMW-Ansiedlung waren die Naturschützer gefragt, die die gewaltige Industrieansiedlung lieber nicht auf wertvollen Ackerböden bei Regensburg, sondern lieber auf den Flächen des beendeten Braunkohleabbaus in Schwandorf gesehen hätten. Das brachte dem BN, der bei der CSU ansonsten eher im Verdacht der politischen Linkslastigkeit stand, den Ruf von „Wurzlseppkonservativen“ ein, den der Ministerpräsident Franz Josef Strauß damals prägte. Streck erinnert sich noch an Gespräche mit der damaligen Leitung des BMW-Konzerns, die Schwandorf auch aufgrund weicher Fakten ablehnten, weil der Standort Schwandorf den Ingenieuren und dem mittleren Management einer Automobilfabrik mangels Schulen und Bildungseinrichtungen, Kulturangebot und Lebensstandard nicht zuzumuten sei.

Viele Schlachten wurden in den 40 Jahren geschlagen, manche verloren, manche auch ganz überraschend schnell gewonnen, wie etwa die Ausweisung des Truppenübungsplatzes Oberhinkofen zum nationalen Naturerbe. Das ging in zwei Jahren über die Bühne und brachte der Natur 500 Hektar wertvolle Biotope, strahlt Streck, der auch dabei die Fäden zog.

Jetzt macht es ihn nachdenklich, was um Regensburg herum geschieht. „1970 sah man noch, wo die Stadt endete und wo das Land begann. Jetzt fließt alles in einem Siedlungsbereich ineinander und der Flächenfraß in Regensburg ist gewaltig.“ Noch ist Regensburg eine grüne Stadt, aber sie läuft Gefahr, durch die Verdichtung ihr Grün zu verlieren. Dabei ist das so wichtig für Luft und Stadtklima.“

Peter Streck ist froh, den BN-Vorsitz in die Hände von Raimund Schoberer gegeben zu haben. Ein bisschen mischt er aber noch als Vize mit. Und Platz für neue Akten hat er auch wieder.

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