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Baumserie

Der Baum mit adeliger Herkunft

Der Blauglockenbaum ist dekorativ und hat wertiges Holz. Doch trotz mancher Reize ist er nichts für den Bayerwald.
Von Petra Schoplocher

Soooo groß. Im Weltwald in Freising ist dieses Bild von einem Blauglockenbaumblatt entstanden. Foto: Bauer
Soooo groß. Im Weltwald in Freising ist dieses Bild von einem Blauglockenbaumblatt entstanden. Foto: Bauer

Cham.Diese Serie hat ja schon einiges gesehen, aber ich muss zugeben, dass ich selten so neugierig war. Blauglockenbaum, wie spannend. Dr. Arthur Bauer nimmt mir aber gleich den Wind aus den Segeln. „Ja need!“, sagt der Forstdirektor zu der aus China stammenden Art.

Dabei mag die Paulownia, so ihr fachlicher Name, wegen ihres enormen Wachstumspotenzials durchaus reizvoll erscheinen. Vitale Jungpflanzen erreichen Jahrestriebe von vier Metern und Dickenzuwächse von gut fünf Zentimetern pro Jahr. Ausgewachsene Bäume schaffen Höhe bis 25 Meter, zu lesen ist von Brusthöhendurchmessern von bis zu zwei Metern.

Keine hohe Lebensdauer

Das Holz des Blauglockenbaums eignet sich etwa vom Modell- oder Instrumentenbau.  Foto: Bauer
Das Holz des Blauglockenbaums eignet sich etwa vom Modell- oder Instrumentenbau. Foto: Bauer

Das scheint seinen Preis zu haben. Alt wird der Blauglockenbaum nämlich nicht. Nach 60 bis 70 Jahren sterben die Bäume ab. Das Holz ist leicht, fast so leicht wie Balsaholz, mittel dauerhaft und schwer entflammbar. Es wird unter anderem zur Herstellung von Musikinstrumenten, im Modellflugzeug- und Bootsbau sowie für Möbel verwendet.

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Weil er ein besonders Schöner ist – wenn er blüht, können einem die großen blauen Blüten, die dekorativen Blätter und seine Gesamterscheinung den Atmen rauben. Nur logisch, dass er deshalb als Parkbaum sehr beliebt ist. Warum aber nun „ja need!“ als Mahnung an Waldbesitzer?

Dr. Arthur Bauer Foto: ps
Dr. Arthur Bauer Foto: ps

„Der Baum gilt als potenziell invasive Art, das heißt, eine unkontrollierte Ausbreitung ist zu befürchten“, erklärt Dr. Bauer. Bedeutet in der Praxis: Zu befürchten ist eine unkontrollierte Ausbreitung. Das Bundesamt für Naturschutz hat die Art deshalb auf die „Graue“ Liste gesetzt und beobachtet sie, ergänzt der Fachmann.

Am besten gedeiht sie im Weinbauklima, folglich ist sie in den wärmeren Regionen Deutschlands, etwa in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen schon öfter zu finden. Als Pionier-Baumart braucht sie immer volles Licht; sobald sie Schatten trifft, fällt sie hinter mögliche Konkurrenten zurück. Kann sie sich aber entfalten, ermöglichen es ihr ihre leichten Samen, die weit verbreitet werden, ;offene Flächen leicht zu besiedeln.

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Der  Blauglockenbaum gilt als invasiv.  Foto: Bauer
Der Blauglockenbaum gilt als invasiv. Foto: Bauer

An seinen Standort hat der Blauglockenbaum nur geringe Ansprüche, am besten wächst er auf nährstoffreichen, tiefgründigen, gut drainierten Löss-Lehm oder sandigen Lehmböden. Gar nicht zusagen ihm Flecken mit Staunässe oder hohem Grundwasserstand. Während er Sommertrockenheit unbeschadet übersteht – ein weiterer Grund, warum manche in ihm eine Heilsbringer-Rolle im Klimawandel zuschreiben– ist der jugendliche Baum sehr frostempfindlich. Selbst bei den in unserer Region doch recht warmen Wintern friert er häufig zurück.

Unser Experte

  • Zur Person

    : Dr. Arthur Bauer (59) stammt aus Regenpeilstein. Er studierte Forstwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist seit Februar 2017 Leiter des Bereichs Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Cham.

  • Verbundenheit:

    „Schon immer“ war Arthur Bauer gerne in der Natur, vor allem aber im Wald.

  • Beratung/Kontakt

    : AELF Cham, Bereich Forsten. Ölbergstraße 3, Waldmünchen. Telefon (09972) 94 30 20

Ein Bayer, genauer der Würzburger Naturforscher, Arzt und Japanologe Philipp Franz von Siebold brachte den Blauglockenbaum nach Europa. Er benannte ihn nach der niederländischen Kronprinzessin und späteren Königin Anna (Pawlowna), einer Tochter des russischen Zaren Paul I. Doch auch anderen Monarchen und Regenten hat es die Schönheit angetan: Der Blauglockenbaum war der Lieblingsbaum von Kaiser Franz Joseph. Viele der Bäume, die heute in Ländern des ehemaligen österreichischen Kaiserreichs stehen, sind aufgrund seiner Anordnung dort gepflanzt worden, etwa rund um das Schloss Schönbrunn.

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Ob ich nun enttäuscht bin? Nein. Oder ein bisschen. Ein auf so andere Art schöner Waldbaum wäre irgendwie schön gewesen.

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