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Der Hoffnungsträger unter den Bäumen?

Die Zerreiche deckt über 50 Temperaturgrade ab. Das könnte im Klimawandel wichtig werden. Ein Experiment lohnt sich allemal.
Von Petra Schoplocher

Die Zerreiche lässt ihren Betrachter sofort wissen, was das Besondere an ihr ist: Die Eicheln sind durch eine harte und stachelige Cupula geschützt, die Blätter lederartig und glänzend.
Die Zerreiche lässt ihren Betrachter sofort wissen, was das Besondere an ihr ist: Die Eicheln sind durch eine harte und stachelige Cupula geschützt, die Blätter lederartig und glänzend. Foto: Dr. Gregor Aas, Universität Bayr

Cham.„Bedingt anbauwürdig“ – Diese Bewertung stellt niemand geringerer als die Fachleute vom Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten der Zerreiche aus. Na dann... Fühlen wir dem wärmeliebenden Gast doch einmal gründlich auf den Zahn.

Genau diese Wärmeliebe ist es, mit der sie sich im Klimawandel ins Spiel bringt, weiß Dr. Arthur Bauer. Zumal sie Temperaturen von mehr als minus 20 Grad wegstecken kann und dank einer langen Winterpause relativ unempfindlich gegen Spätfröste ist. Auf der anderen Seite des Thermometers hat sie mit über 30 Grad auch keine Probleme.

Sie mag es mediterran oder bergig

Das breite Spektrum erklärt sich durch ihren Ursprung in Süd- und Südosteuropa, sie kommt aber auch in Südösterreich, dem Tessin oder Südtirol vor. Sie wächst sowohl in mediterranen Nischen als auch im Gebirge. In Italien ist sie in Mischwäldern mit Rotbuche, Bergahorn und Weißtanne zu finden.

Kein Wunder also, dass sie warme und sonnige Standorte mit tiefgründigen Böden liebt. Für unsere Breiten bedeutet dies, dass sie „an Standorten in Frage kommt, an denen alle anderen aussteigen“, verdeutlicht Bauer.

Der relativ schnell wachsende Baum bevorzugt zwar eher alkalische Standorte, gilt aber als anspruchslos und kommt auch mit stark sauren Böden, Sand oder Ton gut zurecht. Trotz ihrer Sonnenliebe verträgt sie Halbschatten und kann sich gegen Konkurrenz ordentlich behaupten.

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30 bis 35 Meter hoch

Zerreichen können – vor allem alleinstehende – 30 bis 35 Meter hoch werden. Die Kronen wachsen anfangs schlank, später aber in die Breite, was die Bäume für Parks sehr attraktiv machen. Vor allem in Großstädten, da sie Abgase, Trockenstress und Unwetter (auch dank ihrer tiefen Pfahlwurzel) gut wegsteckt. In Wäldern wäre eine Vergesellschaftung mit der Hainbuche denkbar, empfiehlt Dr. Bauer.

Die Blätter sind typisch eichenartig, aber lederartig und glänzend – Rückschlüsse auf ihre Robustheit sind ausdrücklich zulässig. Im Gegensatz zu den heimischen Eichenarten reifen ihre Früchte erst im zweiten Jahr, auch optisch kommen sie anders daher: Eine harte und stachelige Cupula (Fruchtbecher) beschützt und bedeckt die Früchte, die rund drei Zentimeter groß werden, fast ganz. Die Rinde ist, wie für Eichen üblich, dick, hart und stark rissig.

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Vor allem als Brennholz verwendet

Weil die Zerreiche eben hart, robust und zäh ist, können ihr Schädlinge wenig bis gar nichts anhaben. Der Eichenprozessionsspinner kommt bisherigen Erkenntnissen nach nicht über einen leichten Befall hinaus, Attacken von Eichensplintkäfer und einzelnen Pilzarten laufen ebenso meist ins Leere.

Unser Experte

  • Zur Person:

    Dr. Arthur Bauer (59) stammt aus Regenpeilstein. Er studierte Forstwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist seit Februar 2017 Leiter des Bereichs Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Cham.

  • Verbundenheit:

    „Schon immer“ war Arthur Bauer gerne in der Natur, vor allem aber im Wald.

  • Beratung/Kontakt

    : AELF Cham, Bereich Forsten. Ölbergstraße 3, Waldmünchen. Telefon (09971) 485 2010.

Das Holz kann in etwa mit der Stieleiche verglichen werden, die allerdings das weit qualitätvollere vorweisen kann. Durch den deutlich breiteren Splint und einen noch härteren Kern schwindet das Holz der Zerreiche sehr stark. Dennoch findet die Möbelindustrie Gefallen, vorwiegend wird aus der Zerreiche allerdings Brennholz.

Was dabei aber nicht in Rauch aufgeht, ist die Fähigkeit der Zerreiche, Standorte zu bewalden, die sonst verloren wären. Deswegen ist sie derzeit noch ein „Könnte funktionieren“-Baum, der ein kleinflächiges Ausprobieren auf entsprechendem Boden wert ist. Sagt ja schon das Ministerium...

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