MyMz

Natur

Der vertriebene Baum des Bayerwalds

Der Mensch und eine Krankheit rotteten die Bergulme fast aus. Erst in den 60er Jahren begann die Rettung der Art.
Von Petra Schoplocher

Unverwechselbares Kennzeichen: Die asymmetrischen Blätter Foto: ps
Unverwechselbares Kennzeichen: Die asymmetrischen Blätter Foto: ps

Cham.Man könnte meinen, der Mensch mag nicht mit der Bergulme. Lassen Sie uns eine kleine Zeitreise machen: Während der Eichenulmenmischwaldzeit (Der Name ist Programm) von 5500 bis 2500 vor Christus wurde es etwas wärmer, was der Ulme sehr gut gefiel. Zusammen dominierten beide Baumarten in ganz Mitteleuropa die Wälder.

„Dann kam der Mensch“, betont Hans Geiger nachdenklich. Weil die Vorfahren intensiv begannen, die guten Böden für die Landwirtschaft zu nutzen, verlor die Bergulme sprichwörtlich an Boden. Damit nicht genug: Weil die Bergulme zweieinhalb mal so viel Pottasche aufweist als die Buche, wurde sie für die Glasherstellung zum begehrten Objekt. Praktisch den Rest gegeben hat der Baumart dann die Holländische Ulmenkrankheit, die sich ab 1919 aus ausgebreitet hat und innerhalb weniger Jahre in ganz Europa 80 Prozent der Bäume hinweggerafft hat.

Probleme mit Trockenheit und Dürre

Eine kleine Rettung gelang in den 1960er Jahren, als mit der Züchtung resistenter Arten begonnen wurde. Seitdem finden sich Bergulmen als Park- und Alleebäume wieder. Oder da, wo es Waldfreunde gibt, die an (den wenigen) geeigneten Standorten an sie denken, als „einzelne Einmischung“.

Hans Geiger, Förster im Revier Bad Kötzting Foto: kad
Hans Geiger, Förster im Revier Bad Kötzting Foto: kad

Einfach macht es die Bergulme potenziellen Ziehvätern nämlich nicht. Mit Trockenheit und Dürre kann sie nämlich gar nicht, im Gegensatz erwartet sie dann zudem wenigstens mittleren, besser noch hohen Nährstoffgehalt. Am Hohenbogen sind deshalb welche zu finden, verrät Hans Geiger. Dort sind die Böden basisch und nährstoffreich. Wer sich auf ihre Spuren begeben mag: Auch unterhalb alter Burganlagen in unserem Landkreis, etwa in Runding, finden sich Bergulmen – kleiner Tipp: Da, wo sich Nährstoffe angesammelt haben – dank biologischer Abfälle, die nicht selten den Hang hinabgeworfen wurden.

Unser Experte

  • Zur Person

    Hans Geiger (49) wohnt in Grafenwiesen. Er studierte Forstwirtschaft an der Fachhochschule Weihenstephan und ist seit Februar 2001 Leiter des Forstreviers Bad Kötzting am AELF Cham.

  • Verbundenheit

    „Unser Wald ist ein wunderbarer, vielfältiger Organismus. Auch wegen des Klimawandels müssen wir noch viel mehr auf Artenvielfalt setzen.“

  • Beratung/Kontakt

    AELF Cham, Bereich Forsten. Ölbergstraße 3, Waldmünchen. Telefon (09972) 94 30 20

Trotz ihrer hohen Ansprüche ist sie vom Norden Norwegens bis nach Spanien zu finden, nur in Sizilien und im spanischen Süden ist es ihr dann doch zu warm. Im Namen steckt die Höhe: Im Bayerischen Wald schafft die Bergulme rund 1050 Meter Meereshöhe, in den Alpen noch mal etwa 150 mehr. Die „richtig schönen Bäume“ (Geiger) können schon mal 400 Jahre alt werden, den“, schwärmt der Kötztinger Förster.

Das Holz ist nicht nur wegen seiner dekorativen Maserung besonders, es hat seit dem Mittelalter auch einen eigenen Namen: Rüster. Es ist hart und schwer – die Vorfahren haben ihre Kutschenräder nicht umsonst aus Bergulmen hergestellt. Doch auch für wertvolle Möbel und Parkett ist das Holz begehrt – und in Kombination mit der Seltenheit sehr teuer.

Standfest dank tiefem Wurzelgeflecht

Die Blätter – optisch auffallend, weil außen „gesägt“ und asymmetrisch. Sie sind auffallend rau an der Oberseite und haben fast immer drei Spitzen. Früher wurden sie als Salat gegessen, weiß Hans Geiger – auf den Selbstversuch hat der Kötztinger Förster aber bis dato verzichtet.

MZ-Serie

Der wertvolle Stamm des Bayerwalds

Bei Versteigerungen kann ein Bergahorn schon für über 10 000 Euro gehandelt werden. Am Arber gibt’s besonders alte Exemplare.

Die Bergulme blüht lange vor dem Laubaustrieb, die eiförmigen, dünnen und hellgrünen Früchte sind meist bis Juni reif. Weil sie leicht sind wie Papier, kann sie der Wind einige hundert Meter weit tragen. Weil die Bergulme ein tiefes Wurzelgeflecht bildet, ist sie standfest und kann auch an Böschungen sowie rutschgefährdeten Hängen stehen.

Warum BERGulme und nicht alle Ulmenarten? Um sie über einen Kamm zu scheren, sind Berg-, Flatter- und Feldulme dann doch zu unterschiedlich, deutet Hans Geiger an. Fortsetzung also folgt...

Mehr Nachrichten rund um den Landkreis Cham lesen Sie hier.

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht