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Diese Agave lässt es nun „krachen“

40 Jahre lang stand sie unscheinbar in einem Kelheimer Vorgarten. In die Freude über die Blüte mischt sich aber auch Trauer.
Von Roland Kugler

Nach 40 Jahren blüht die Agave von Renate Strähle. In vier Wochen wuchs die Blüte vier Meter hoch.
Nach 40 Jahren blüht die Agave von Renate Strähle. In vier Wochen wuchs die Blüte vier Meter hoch. Foto: Roland Kugler

Kelheim. Agave parryi heißt sie, ist eine winterharte Agave, „lebt“ in der Bergstraße in Affecking, und hat das die vergangenen vierzig Jahre ziemlich unscheinbar getan. So wie viele Menschen auch. Umso stärker lässt sie es jetzt plötzlich und unerwartet krachen: sie blüht auf. Und wie! Doch das ist nicht nur Grund zur Freude.

Renate Strähle und Hermann Mack lieben die Natur. Sie haben einen wunderbaren Garten, von außen nicht sichtbar, in Affecking auf dem Berg. Hunderte von Blumen, Stauden, Sträuchern und Bäumen wachsen dort. Die beiden haben grüne Daumen, und manchmal auch Stacheln drin. „Wir sind seit über vierzig Jahren bei der deutschen Kakteengesellschaft“ erzählt Renate Strähle.

Pflanzen aus aller Herren Länder

Englische Rosen, französische Lilien, chinesische Bäume, jahrelang in Form geschnittene Kiefern und Buchen, man wird gar nicht mehr fertig mit Schauen und Schnuppern, wenn man durch ihren Garten geht. Aus Kernen selbst gezogene Pfirsich- und Nektarinenbäume, die Auffahrt entlang hat sie erst 18 Hibiskus gepflanzt. Der absolute Höhepunkt aber steht im Kakteengarten: eine nun blühende Agave.

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„Wir haben uns 1979 die Samen von einem Samenhändler aus Amerika schicken lassen“ erinnert sich Renate Strähle. Eine besondere Sache damals, in einer Zeit, in der man sich noch nicht alles immer und überall im Internet bestellen konnte, weil es Internet und Computer noch nicht gab. Sie haben sie in Töpfe gebaut, zwei sind aufgegangen und davon gekommen.

Nach zehn Jahren ging es ins Freie

„Zehn Jahre lang hatten wir sie im Gewächshaus, dann haben wir sie ins Freie gebaut“ erzählt Renate Strähle. Von November bis April wird sie jedes Jahr mit einer Folie zugedeckt. „Nicht wegen der Kälte, sie ist winterhart. Sondern wegen der Nässe, sie wäre sonst verfault“, sagt die erfahrene Hobbygärtnerin.

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Dafür ist die Agave äußerst pflegeleicht, macht keine Arbeit, verliert keine Blätter, braucht nur alle paar Wochen mal etwas Wasser wenn es heiß ist. Und bedankt sich jetzt mit einem wunderbaren Geschenk: sie blüht.

Die Agave überragt das Haus

Jetzt könnte man sagen, das tun andere Pflanzen auch. Bei einer Agave ist es aber etwas ganz besonderes: sie blüht nur ein einziges Mal in ihrem Leben. Wenn überhaupt. Und dann erst nach vielen Jahren. „Wir haben gar nicht mehr daran gedacht. Bis mein Mann sagte, ,schau mal, ich glaube die macht einen Schopf‘.“ Das war am 29. April. Und was dann kam, ist kaum zu glauben: seitdem ist die Blüte auf über vier Meter Höhe gewachsen. In vier Wochen. Ihr Stamm ist hart wie Holz: Renate Strähle hat von außen gezogen, ihr Mann durch das Fenster geschoben, damit sie sie etwas vom Haus weg bekamen, sonst hätte sie ihnen die Dachrinne hochgehoben.

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Ein in unseren Breiten sehr seltenes Naturwunder. „Nur eines macht meine Frau traurig“ sagt Hermann Mack: „Nach der Blüte wird die Agave sterben.“ Das ist bei Agaven so, sie blühen ein einziges Mal, wenn überhaupt, und danach ist es vorbei. Aber es wächst ja noch eine zweite, in Affecking auf dem Berg.

Agaven sind vielfältig verwendbar

  • Vorkommen:

    Es gibt hunderte Agavenarten, meist in trockenen frostfreien Gebieten. Die Sorte in Affecking ist winterhart, Renate Strähle fand im Internet nur eine weitere in Deutschland, im Neckartal, die im Freien blühte.

  • Verwendung:

    Aus der Sisal-Agave wird die gleichnamige Pflanzenfaser für die Herstellung von Tauen, Seilen und Kordeln gewonnen. Man kann auch Lebensmittel aus ihr machen: Agavensirup oder - aus der blauen Weber-Agave - Tequila.

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