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Laubbaum

Ein heimischer Exot im Bayerwald

Die Elsbeere ist teuer und sie wird noch wertvoller: Wegen ihrer Klimatoleranz. Doch die Pflanze ist selten geworden.
Von Petra Schoplocher

Kostbar und weitgehend unbekannt; Jürgen Köbler mit einer Elsbeere Foto: ps
Kostbar und weitgehend unbekannt; Jürgen Köbler mit einer Elsbeere Foto: ps

Cham.Edel, unbekannt, geheimnisvoll, kostbar – Jürgen Köbler kennt viele anerkennende Attribute für die Elsbeere. Und eine ganz wichtige wissenschaftliche Erkenntnis, die die Laubbaumart hervorstechen lässt: „Sie ist eine der ganz wenigen Pflanzen, die sich im Klimawandel verbessern werden“.

Bedeutet: Im und durch den Klimawandel wird es in Bayern zunehmend mehr günstige Regionen für diese wärmliebende Baumart geben. Aber „natürlich nur an den geeigneten Standorten, schränkt der Förster des Reviers Furth im Wald ein. Das sind als Hauptvoraussetzung solche mit basischen Böden, ideal wäre sonnseitig, trocken, mäßige Winterkälte. Die gibt es auch im Landkreis, etwa am Fuße des Hohenbogens oder am Dieberg.

Das Blatt der Elsbeere Foto: Schoplocher
Das Blatt der Elsbeere Foto: Schoplocher

Die Elsbeere, die größte aus der botanischen Familie der einheimischen Rosengewächse und eine Kernobstart, kommt in weiten Teilen Europas vor, mit einem Schwerpunkt vom südlichen Mitteleuropa bis zum nördlichen Südeuropa. Dass sie in der Mitte Europas sehr selten geworden ist, liegt an der früheren Bewirtschaftung. Weil sie sich gegen Buche oder Fichte nicht durchsetzen kann, wurde sie mehr und mehr zurückgedrängt.

Schönstes Holz der Welt seit 1900

Wenn schon Exot, dann ein einheimischer, (Der Pflanzung fremder Exoten haftet logischerweise ein ungewisser Ausgang an), bricht Jürgen Köbler eine Lanze für die „kostbare Unbekannte“. Und er kann ein weiteres, gewichtiges Argument auffahren: Die Elsbeere hat sich zur am höchsten bezahlten einheimischen Baumart entwickelt. Das liegt an den geringen Mengen, die auf den Markt drängen, aber auch an den Eigenschaften des Holzes: Hart, schwer, hoch elastisch, druck- und biegefest, zäh. Gelblich bis braunrot und dekorativ.

Kein Wunder folglich, dass die großen Bankhäuser der Welt ihre Empfangshallen mit Elsbeerenholz ausstaffieren, auch der exklusiv-exquisite Möbelbau (Messerfurnier) liebt Elsbeerenholz, massiv oder furniert. Dudelsackpfeifen oder Pfeifenholzlager oder auch der gute, alte Rechenschieber – alles Elsbeere. Schon 1900 bei der Pariser Weltausstellung, wurde die Elsbeere für „das schönste Holz der Welt“ geehrt. Die süßsauren Früchte hat übrigens schon Martin Luther beschrieben, als köstlich.

Unser Experte

  • Zur Person

    Jürgen Köbler (54) engagierte sich schon als Schüler im Naturschutzbund. Nach dem Forstwirtschaftsstudium ist er seit 1990 „diesseits des Cerchov“ in verschiedenen Funktionen für die Bayerische Forstverwaltung tätig, aktuell als Revierleiter Furth im Wald.

  • Verbundenheit

    „Mich hat es immer fasziniert, in möglichst naturnaher Landschaft unterwegs zu sein und die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Tieren und Menschen zu beobachten und zu verstehen.“

Bei der richtigen Pflege (als lichtsuchende Baumart muss sie den nötigen Platz bekommen) und auf dem richtigen Standort hat die Elsbeere eine „unübertroffene Wertholzerwartung“, schwärmt der Fachmann. In Zahlen: Der durchschnittliche Versteigerungserlös in Bayern betrug im jahrelangen Schnitt 700 Euro pro Festmeter. Zum Vergleich: Die Eiche liegt bei 390 Euro, Ahorn bei 320.

Natur

So besonders ist die Schwarzerle

Der Baum kann sogar Sauerstoff über den Stamm aus der Luft holen. Und Schmetterlinge und seltene Käfer lieben sie.

Ein schweizer Birnbaum

Und was ist mit Schädlingen? „Gibt es auch“, sagt Jürgen Köbler beiläufig, Denn spezifische Feinde hat die Elsbeere nicht, am ehesten ist sie für Blattpilze anfällig. Verwirrend mag hingegen ihr Pseudonym „Schweizer Birnbaum“ sein. „Irreführend“, unterstreicht er und nur dadurch erklärbar, dass hochwertige Obstbäume aus der Ostschweiz ähnlich hohe Erlöse erzielen.

Schon jetzt pflanzen einige innovative Waldbesitzer auch bei uns die Elsbeere gezielt, freut sich Jürgen Köbler, der die Baumart als Bereicherung für die Diversität gerne empfiehlt. Da aber der Boden und die Jungpflanzenherkunft entscheidend sind, gilt das, was Grundsätzlich gilt, für alle, die (jetzt) mit der Elsbeere spekulieren, im Speziellen: „Fragen Sie Ihren Förster!“

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