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Haustiere

Eine Lizenz zum Gassi-Gehen

Noch ist der Hundeführerschein meist freiwillig. Der Halter kann damit beweisen, dass er seinen Hund unter Kontrolle hat.
Von Maximilian Perseke

Teilnehmer der Ausbildung zum Hundeführerschein führen ihren Hund an der Leine. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Teilnehmer der Ausbildung zum Hundeführerschein führen ihren Hund an der Leine. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Berlin.Wer Auto fährt, braucht einen Führerschein. Wer einen Hund hält, der kann einen sogenannten Hundeführerschein machen, angeboten von Hundeschulen oder Tierverbänden. Der Nachweis bringt Vorteile, aber es gibt auch Dinge zu beachten. Wir haben im Folgenden wichtige Fragen und Antworten zusammengestellt.

Was ist der Hundeführerschein eigentlich?

Der Hundeführerschein ist ein Zertifikat für Hundehalter. Wer die Prüfung ablegt, muss einen theoretischen und einen praktischen Teil bestehen. Im Theorieteil geht es um Fragen des Umgangs mit dem Hund, seine artgerechte Haltung, aber auch gesetzliche Vorschriften. Im Praxisteil beobachten die Prüfer Hund und Halter in typischen Alltagssituationen – im Café, wenn der Hund unterm Tisch liegt und der Kellner kommt, oder beim Spaziergang ohne Leine im Park, wenn eine Person mit ungewöhnlichem Bewegungsmuster, etwa mit einem Rollator, vorbeikommt.

Wo kann man den Test machen?

Der Hundeführerschein wird von Prüfern abgenommen, die Verbänden wie dem Internationalen Berufsverband der Hundetrainer und Hundeunternehmer (IBH), dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) und dem Berufsverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) angehören. Die Kosten variieren und liegen meist um die 100 Euro. „Unsere Hundeführerscheinprüfung kostet maximal insgesamt 105 Euro“, sagt Ausbildungsratsvorsitzende Ariane Ullrich vom BHV.

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Ist der Nachweis Pflicht?

Neu-Hundehalter in Niedersachsen sind verpflichtet, eine Sachkundeprüfung zur Haltung von Hunden zu machen. Die Vorschrift ist ein Grundbaustein des Hundegesetzes. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Neu-Hundehalter in Niedersachsen sind verpflichtet, eine Sachkundeprüfung zur Haltung von Hunden zu machen. Die Vorschrift ist ein Grundbaustein des Hundegesetzes. Foto: Sebastian Kahnert/dpa

In Niedersachsen ist ein Sachkundenachweis seit Juli 2013 Pflicht für alle, die sich einen Hund neu anschaffen. Auch dieser Nachweis wird umgangssprachlich oft Hundeführerschein genannt. Die zuständigen Behörden erkennen aber nur die Hundeführerscheine einiger Verbände wie dem BHV und dem IBH an. Sachkundenachweis und der sogenannte Hundeführerschein sind also nicht dasselbe, manchmal im Endeffekt aber gleichwertig.

Wie ist es in anderen Bundesländern?

Deutschlandweit gibt es Forderungen nach ähnlichen verbindlichen Nachweisen für alle Hundehalter. Für gelistete Hundearten, die als gefährlich angesehen werden, sind Nachweise oft schon Pflicht. In Berlin gelten seit 2019 verschärfte Regeln für alle Hunde: Halter, die ihre Tiere auch abseits von Hundeauslaufgebieten freien Lauf bieten wollen, brauchen seit Beginn des Jahres einen Sachkundenachweis, wenn sie ihren Hund erst nach dem 22. Juli 2016 angeschafft haben. Nur mit „Lappen“ dürfen sie ihre Hunde dann auf unbelebten Straßen und Plätzen sowie Brachflächen von der Leine lassen.

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Bringt ein Hundeführerschein weitere Vorteile?

Die Halter erfahren nicht nur, ob sie ihren Hund unter Kontrolle haben. Es gibt auch einen finanziellen Anreiz: Vielerorts, zum Beispiel in München, können Hundehalter nach Erlangen eines Hundeführerscheins eine Befreiung von der Hundesteuer beantragen. In vielen anderen Städten und Gemeinden wird sie zumindest gesenkt.

Was muss der Halter für die Prüfung können?

Beim Hundeführerschein müssen die Tiere Befehle befolgen. Foto: Seitz/dpa
Beim Hundeführerschein müssen die Tiere Befehle befolgen. Foto: Seitz/dpa

Beim BHV sind 40 Fragen aus allen Themenbereichen zu beantworten. Um zu bestehen, muss der Halter mindestens 80 Prozent der Punktzahl erreichen. Die theoretische Sachkundeprüfung in Niedersachsen sieht einen Test mit 35 Fragen vor. Die Themenbereiche umfassen Erziehung, Ausbildung, Angst und Aggression, Haltung, Pflege, Gesundheit, Zucht, Fortpflanzung, Rasse, Kommunikation sowie einschlägiges Recht.

Wie kann so eine Frage aussehen?

Eine Beispielfrage aus Niedersachsen: Was kann dazu führen, dass ein Hund zunehmend Aggression zeigt?

  • A) Milchprodukte
  • B) Unbewusste Bestätigung wie zum Beispiel das beruhigende Streicheln des an der Leine pöbelnden Hundes durch den Halter
  • C) Fütterung von rohem Fleisch
  • D) Raufspiele sind häufig die Ursache

Richtige Antwort, um aggressives Verhalten zu vermeiden: B

Und was muss der Halter praktisch können?

„Er muss seinen Hund so unter Kontrolle haben, dass man ihn in der Öffentlichkeit auch ohne Leine laufen lassen kann“, sagt Katja Krauß, Hundetrainerin und anerkannte Sachverständige in Berlin. Bei der Prüfung gehe es um die Alltagstauglichkeit des Hundes. Zahlreiche Situationen werden durchgespielt. Der Halter soll den Hund zum Beispiel so im Griff haben, dass er nicht auf zwei Beinen an Passanten hochspringt – auch wenn dies ein Zeichen der Freude sein könne.

Wer fordert verbindliche Prüfungen?

Die Sachkunde der Hundebesitzer soll in allen Bundesländern verbessert werden. Foto: Thom/dpa
Die Sachkunde der Hundebesitzer soll in allen Bundesländern verbessert werden. Foto: Thom/dpa

Besonders nach tödlichen Hundebissen werden die Forderungen nach einem verbindlichen Hundeführerschein laut, zum Beispiel nach dem Tod eines Babys im hessischen Bad König im April 2018. Der Deutsche Tierschutzbund plädierte kurz darauf dafür und forderte, die Sachkunde der Hundehalter zu verbessern. „Und zwar in allen Bundesländern“, sagte Verbandspräsident Thomas Schröder damals.

Gibt es auch Gründe gegen verbindliche Tests?

Gegen einen verbindlichen Hundeführerschein oder Sachkundenachweis vor Anschaffung eines Hundes ist der Verband für das Deutsche Hundewesen: „Der Test sollte freiwillig sein“, sagt Geschäftsführer Jörg Bartscherer, denn auch Hundehalter hätten Prüfungsangst. Eine ältere Dame mit Hund wolle man beim VDH damit nicht konfrontieren.

Was sollte man noch wissen?

In Niedersachsen ist die theoretische Prüfung vor Aufnahme der Hundehaltung und die praktische Prüfung innerhalb des ersten Jahres der Hundehaltung abzulegen. Die Sachkundeprüfung muss nur der Hundehalter ablegen, nicht alle Familienmitglieder. Auch Tierärzte oder Halter von Blindenführhunden müssen keine Prüfung ablegen. In Berlin gibt es ähnliche Ausnahmen.

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