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Froschkonzert im Schorndorfer Biotop

Festivals sind abgesagt? Nicht in der Rothbachaue. Durch ihre Renaturierung ist ein Arten-Paradies entstanden.

Das Biotop vor rund zwei Jahrzehnten, noch mit relativ wenig Bewuchs im Umfeld sowie Gewässer  Foto: cls
Das Biotop vor rund zwei Jahrzehnten, noch mit relativ wenig Bewuchs im Umfeld sowie Gewässer Foto: cls Foto: cls/cls

Schorndorf.Musikalische Konzerte oder Festivals sind derzeit bedingt durch die Corona-Pandemie leider ebenfalls weitgehend auf Eis gelegt. Im Schorndorfer Biotop zwischen dem „Baugebiet Mitte“ und dem Sportplatzgelände aber ist derzeit eine imposante, quakende Symphonie zu hören – und diese amphibischen Arien sind sogar absolut kostenfrei.

Etwa von April bis Juni oder Juli haben die „Froschkonzerte“ ihre Hochsaison. Lärm machen überwiegend die Froschmänner, die sich beim Brautwerben und Markieren ihres Reviers ordentlich ins Zeug legen und Lautstärken zwischen 65 und 90 Dezibel erzeugen. Feuchtbiotope wie die Ökoerlebniszone bieten ideale Lebensbedingungen. Wer etwas länger lauscht, kann die verschiedenen Arten an Fröschen, Kröten und Unken heraushören. Besonders laut sind ein paar Abkömmlinge der Froschlurchfamilie, wie etwa der ganzjährig im und am Wasser lebende Grünfrosch. Ebenfalls als recht grün und laut erweisen sich die Laubfrösche.

Teures Projekt

  • Umgestaltung:

    Die Kosten für den Teichbereich beliefen sich auf gut 150000 Euro. Obwohl der Freistaat die ursprünglich in Aussicht gestellte Förderung von 70 Prozent erheblich revidierte, hielt der Gemeinderat an dem Vorzeigeprojekt fest.

  • Förderung:

    Das Projekt wurde letztendlich mit rund einem Drittel bezuschusst. Die Kosten für die Renaturierung des Baches übernahm das Wasserwirtschaftsamt. Pflanzen und Arbeitsleistungen kosteten etwa 50000 Euro.

„Froschkonzerte“ haben bisweilen auch schon die Gerichte beschäftigt. Doch der Bundesgerichtshof hat die Froschkonzerte als „nicht entschädigungspflichtigen Lärm“ eingestuft und so die Rechte der Natur gestärkt. Daher können auch in Schorndorf die Froschkonzerte in voller Lautstärke tönen. Einen Gehilfen haben die Frösche, Kröten und Unken im Biotop mit dem Biber, der sich im Laufe der Zeit angesiedelt hat, und das Wasser in diesem Areal mit seinen Bauten beständig anschwemmen lässt.

Die Umgestaltung der Rothbachaue zu einem Biotop ist als Ausgleich für das Baugebiet „Schorndorf-Mitte“ mit über 70 Parzellen entstanden. Ende 1997 wurde vom Schorndorfer Gemeinderat der Beschluss gefasst, das Rothbachtal südlich der Kreisstraße 11 umzugestalten. Neben dem Modellieren eines naturnahen Weihers wurde der Rothbach auf einer Länge von 250 Metern verlegt und ökologisch ausgebaut. Nördlich des renaturierten Rothbachs entstand ein Überflutungsraum. Das Regenwasser aus dem Baugebiet wird nicht in die Kanalisation eingeleitet, sondern kann sich im Retentionsraum der Rothbachaue sammeln. Zwischen dem Weiher und dem Rückhaltebecken einerseits und dem renaturierten Rothbach andererseits ist eine ökologische Pufferzone realisiert worden, die seitdem von Menschen nur schwer oder gar nicht betreten werden kann. Eine ungestörte Entwicklung der Flora und Fauna ist damit sichergestellt. Die Aktivität der Menschen ist auf die Ostseite des Sees, entgegengesetzt der ökologischen Pufferzone, beschränkt.

Insgesamt ist die Maßnahme als Initialprojekt für eine Renaturierung der Rothbachaue zu verstehen. Das Rothbachtal stellte sich vorher als gedüngte und intensiv genutzte Wirtschaftswiese ohne jeglichen Gehölzwuchs und mit einem minimalen Artenspektrum dar. Nur ein einziger Baum am Südrand des Geländes belebte das Bild. Der Rothbach selbst war kanalisiert und floss als dünnes Rinnsal in einem begradigten Bett von einem Straßendurchlass zum anderen. Aus Schilderungen älterer Bewohner ist aber zu entnehmen, dass das Rothbachtal früher im wahrsten Sinne des Wortes eine Aue war, ein sumpfiger Bereich mit einer reichhaltigen Vegetation. Daraus ergab sich auch das Grundkonzept für die Umgestaltung.

Im Wasserrechtsbescheid und in der Naturparkförderung wurden zum Schutz der Natur etliche Unterhaltungs- und Betriebsbedingungen, besonders für den Weiher, aufgestellt. „Baden verboten“ steht da zum Beispiel auf einem Schild. (cls)

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