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Natur

Hier nimmt sich der Pflug eine Auszeit

Die Arbeitsweise von Karl Trummer ist beispielhaft im Öko-Landbau. Der Biobauer aus Vilseck kommt mit der Ackerdistel klar.

So schaut ein Bio-Acker von Karl Trummer in Oberweißenbach aus: Wintergerste mit Mohn-Streifen. Das Streifenmuster ergibt sich durch die besondere Anbauweise der Dammkultur. Dabei bleibt zwischen den Getreidereihen viel Platz für Wildkräuter und Feldlerchen. Foto: B. Ströll
So schaut ein Bio-Acker von Karl Trummer in Oberweißenbach aus: Wintergerste mit Mohn-Streifen. Das Streifenmuster ergibt sich durch die besondere Anbauweise der Dammkultur. Dabei bleibt zwischen den Getreidereihen viel Platz für Wildkräuter und Feldlerchen. Foto: B. Ströll

Amberg-Sulzbach.Das Getreidefeld auf der Kuppe südlich Oberweißenbach fällt schon von weitem ins Auge: gelb schimmernde Wintergerste, dazwischen Streifen aus rotem Mohn. Der Insider weiß: Das muss ein Acker von Karl Trummer sein, dem derzeit einzigen Biobauern in Gebiet der Stadt Vilseck.

Seit 20 Jahren bewirtschaftet Karl Trummer seine Äcker ohne Herbizide. Daher findet man dort auch viele Ackerwildkräuter. Der bunteste Acker ist heuer der „Teufelacker“ auf der Kuppe. „Der heißt bei uns so. Schon bei meinem Vater war das der Teufelacker“, so Trummer. Dass der Mohn in Streifen zwischen dem Getreide steht, ergibt sich durch die Dammkultur, eine besondere pfluglose Anbauweise, die in der Region nur Karl Trummer praktiziert. Dabei wird der Boden nahe der Oberfläche gelockert und zu zehn Zentimeter hohen, 60 Zentimeter breiten Dämmen aufgehäufelt. Auf den Dammkuppen werden je zwei Reihen Getreide gesät. Jetzt steht die Gerste mit 1,35 Metern Höhe gut da und reift langsam ab.

In den Tälern zwischen den Kuppen findet man viele Ackerwildkräuter. Mohn und Kornblumen bieten auf dem Acker offensichtlich reichlich Futter für blütenbesuchende Insekten. Schon kurz nach Sonnenaufgang kann man die ersten Steinhummeln und Erdhummeln beim Pollensammeln in den Klatschmohn-Blüten beobachten. Kornblumen bieten Pollen und Nektar an und sind daher auch für Honigbienen besonders attraktiv. Auch einige Ackerkratzdisteln auf dem Teufelacker werden bald blühen. Das ist eine Pflanze, die viele Bauern als Unkraut fürchten, da sie sich schnell stark vermehren kann.

Nach Kleegras ist die Distel weg

Karl Trummer macht die Distel keine Sorgen. Auf die Frage, was er damit macht, entgegnet er: „Ja und? Da hab` ich schon mehr gehabt. Ich baue alle vier Jahre Kleegras an. Das steht dann für zwei Jahre in der Fruchtfolge. Danach ist die Distel weg.“ Disteln sind mit ihrem reichen Angebot an Nektar und Pollen sehr attraktiv für Blütenbesucher.

Wildbienenspezialist Karl-Heinz WickI aus Schnaittenbach weiß, dass die Distelblüten von 292 verschiedenen Insektenarten besucht werden. Etwa ein Drittel der typischen Ackerwildkräuter stehen in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Die meisten von ihnen sind viel kleiner als Mohn oder Kornblume. Man sieht sie nur, wenn man tief in den Getreidebestand hineinschaut.

Öko-Landbau

  • Verzicht:

    Im ökologischen Landbau dürfen keine Herbizide eingesetzt werden. Unkräuter werden durch Bodenbearbeitung mit Striegel oder Hacke sowie durch eine passende Fruchtfolge unterdrückt.

  • Wildkräuter:

    Nicht wenige Biobauern verzichten aufs Striegeln. Dann finden sich im ganzen Acker typische Wildkräuter wie Mohn, Kornblume oder kleine Wildkräuter, die nur in Bodennähe zu sehen sind.

Karl Trummer hat heuer einige seiner Äcker im Rahmen eines Ackerwildkraut-Projektes untersuchen lassen. Auf dem Teufelacker sind dabei insgesamt rund 40 Arten erfasst worden. Darunter auch zwei Arten der Roten Liste: Der Acker-Hahnenfuß und die Ackerröte. Beides sind zarte, eher kleine Pflanzen. Barbara Ströll, Biologin und Projektmanagerin der Öko-Modellregion, weist darauf hin, dass jedes Kraut am Anfang mindestens einer Nahrungskette steht: „Die Pflanzen ernähren Insekten und Vögel. Insekten sind wiederum Nahrungsgrundlage für Vögel, Amphibien und Reptilien.“ Scheinbar profitiert hier auch die Feldlerche von Trummers Wirtschaftsweise: Über dem Teufelsacker sind außergewöhnlich viele Lerchen zu beobachten, wie sie aufsteigen und ihr Lied hoch oben am Himmel singen. Die Feldlerche – Vogel des Jahres 2019 – baut ihr Nest in den Freiräumen auf dem Acker und ernährt sich im Sommer vor allem von Insekten und Kleintieren.

Süßes Geschenk vom Imker

Und wie schaut es mit der Ernte aus? „Meine Getreideerträge liegen mit 25-35 Doppelzentner pro Hektar im üblichen Bereich für den Ökolandbau“, erklärt Trummer. Seine Milchkühe bekommen die Körner als ergänzendes Kraftfutter und das Stroh als Einstreu.

Außerdem bekommt Karl Trummer jedes Jahr Honig geschenkt von der Oberweißenbacher Imkerfamilie Merkl. Die Merkls halten derzeit fünf Bienenvölker und freuen sich, dass diese von ökologisch bewirtschafteten Äckern und Wiesen umgeben sind.

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