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Tiere

Hilfe, mein Hund ist nur am Kläffen!

Sobald es klingelt, schlagen viele Hunde Alarm – und das aus voller Leibeskraft. Der unerwünschte Rabatz ist oft hausgemacht.
Von Jeanette Hix

Sobald es an der Wohnungstür klingelt, bellen manche Hunde das ganze Haus zusammen. Das kann an der falschen Erziehung vom Halter liegen oder daran, dass der Vierbeiner nicht ausgelastet ist. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn
Sobald es an der Wohnungstür klingelt, bellen manche Hunde das ganze Haus zusammen. Das kann an der falschen Erziehung vom Halter liegen oder daran, dass der Vierbeiner nicht ausgelastet ist. Foto: Florian Schuh/dpa-tmn

Jena.Ob am Gartenzaun, hinter der Wohnungstür oder beim Anblick von Artgenossen: Hunde bellen, weil es ihre Art ist, zu kommunizieren und ihre Stimmung auszudrücken. Das ist normal. Teilweise wurden sie sogar gezüchtet, besonders viel und freudig zu bellen wie beispielsweise Jagdhunde. Sie zeigen mit Bellen an, wo ein erlegtes Tier liegt.

Experten wie die Verhaltenswissenschaftlerin Dorit Feddersen-Petersen vermuten, dass der Hund sich das Bellen im Laufe der Domestizierung angewöhnt hat, weil Menschen auch Laute von sich geben. Denn der Wolf, von dem der Hund ja abstammt, kommuniziert mit Heullauten.

Ursachen liegen oft beim Besitzer

„Laute, die Hunde von sich geben, sind wohl die erfolgreicheren Auslöser in der Kommunikation mit dem Menschen. Denn diese übersehen eher die feinen optischen Ausdrücke“, sagt Dorit Feddersen-Petersen. So erstaune es nicht, dass Hunde als Haustiere des Menschen viel vokalisieren. Bellen sei eines der wichtigsten hundlichen Lautäußerungssysteme, das bestimmte Motivationen, Gefühle und Absichten kommuniziert. „Allerdings besitzen Hunde im Bellen eine Lautäußerung, die fast durchgängig eine Übersteigerung erfuhr.“

Problematisch wird es, wenn ein Hund ständig bellt und sich die Nachbarn beschweren. Schlimmstenfalls landet der Fall vor Gericht und der Hund im Tierheim. Doch oft liegen die Ursachen für unerwünschtes Dauerkläffen auch beim Besitzer – da sind sich die Experten einig. „Häufiges, unerwünschtes Bellen ist oft unbewusst antrainiert“, sagt die Verhaltensbiologin Juliane Bräuer vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte und Hundestudien. Im Rahmen ihrer Forschungen hat Juliane Bräuer unter anderem nachgewiesen, dass selbst Leute ohne Hundeerfahrung, die verschiedenen Belllaute von Hunden deuten können. Bis zu sieben verschiedene Belllaute soll es geben – von freudig, ungeduldig, traurig, verzweifelt, gelangweilt bis sauer und empört.

„Häufiges, unerwünschtes Bellen ist oft unbewusst antrainiert.“

Dr. Juliane Bräuer, Verhaltensbiologin

So würde das Bellen zum Beispiel antrainiert, wenn der Besitzer die Leine nimmt, den Mantel anzieht und die Wohnung verlassen will. Für den Hund ist klar – es geht raus zum Spaziergang. „Wenn der Hund vor Freude bellt und der Mensch verlässt mit ihm das Heim, wird der Hund positiv bestärkt. Beim nächsten Mal bellt er vielleicht schon, wenn der Mensch nur zum Schlüssel greift.“ Die Forscherin rät, so lange stehen zu bleiben, bis sich das Tier beruhigt hat und leise ist. „Erst dann sollte man das Haus verlassen.“ Unerwünschtes Bellen würde auch bestärkt, wenn der Hund sein Futter bekommt, obwohl er vorher lauthals gemeldet hat, wie sehr ihn das jetzt freuen würde. Auch hier gilt – Futter gibt’s erst, wenn Schnuffi die Schnauze hält.

Schon im Welpenalter mit Training beginnen

Dagegen kann ein Bellen am Gartenzaun bedeuten, dass der Hund, alleingelassen, nach seinen Menschen „ruft“. „Man könnte dieses Bellen als Trennungsbellen bezeichnen. Wölfe, die Mitglieder ,rufen‘ würden ein Trennungsheulen vokalisieren“, sagt Dorit Feddersen-Petersen.

Bellt der Hund hinterm Gartenzaun, will er Menschen und Artgenossen mitteilen: Das ist mein Revier! Haltet Distanz! Foto: Jeanette Hix/dpa
Bellt der Hund hinterm Gartenzaun, will er Menschen und Artgenossen mitteilen: Das ist mein Revier! Haltet Distanz! Foto: Jeanette Hix/dpa

Aus Hundesicht scheint dieses Trennungsbellen verständlich. Denn Hunde sind hochsoziale Wesen, die in Familienverbänden leben. Sie verstehen nicht, wenn der Rudelchef sie alleine lässt. „Hunde müssen lernen, dass ihr Mensch sie auch mal alleine lässt, aber immer wieder kommt“, sagt die Tierpsychologin Angela Pruß aus Brandenburg. Schon im Welpenalter könne man ganz sanft mit dem Training beginnen. „Hat sich der Welpe im neuen Zuhause eingelebt, geht man einige Sekunden aus dem Zimmer, schließt die Tür und kehrt gleich zurück. Das wiederholt man mehrmals täglich. Nach und nach kann die Zeit der Abwesenheit gesteigert werden“, sagt Angela Pruß.

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Aber Achtung: Man sollte nie zum Hund zurückkehren, wenn er bellt oder winselt. „Mit der Rückkehr würde man sein Verhalten bestärken“, so Pruß. Diese Eingewöhnungszeit könne Wochen dauern. Da sei viel Timing gefragt. Laut Experten sollten Hunde nur im Ausnahmefall mal über sechs Stunden alleine bleiben.

Tiere langsam an Abwesenheit gewöhnen

Ein Hund kann aber auch Rabatz am Zaun oder hinter der Wohnungstür machen, wenn er gefrustet und nicht ausgelassen ist. „Je nach Rasse, Alter und Temperament müssen Hunde sowohl psychisch als auch physisch ausgelastet sein, um ausgeglichen und zufrieden zu sein“, sagt Gerd Fels, Sachverständiger für die Hundehalteverordnung vom Land Brandenburg. Der Schäferhundzüchter rät, Hunde zum Beispiel neben angemessener Bewegung auch mit Suchspielen zu beschäftigen. So kann man Leckerchen verstecken, die das Tier finden muss.

„Schaut der Hund zum Besitzer und kommt im Idealfall sogar zurück, wird gelobt, gestreichelt und belohnt.“

Gerd Fels, Sachverständiger für die Hundehalteverordnung

„Kommt man zurück ins Haus und legt sich der Hund dann zufrieden und ruhig auf seinem Platz, kann man die Wohnung verlassen. Auch hier gilt, die Zeit der Abwesenheit langsam auszudehnen“, so Fels. Es gäbe auch Hunde, die erst nach drei, vier Stunden Abwesenheit ihres Besitzers unruhig und schließlich laut werden. Auch in diesem Fall müsse das Tier langsam an eine längere Abwesenheit seines Menschen gewöhnt werden. So solle man zurückkehren, bevor das Tier unruhig wird und die Zeiten erst dann langsam ausdehnen. „So registriert der Hund, dass sein Mensch immer zurückkommt“, sagt Fels. Eine Videoüberwachung könne bei der Analyse über das Verhalten des Hundes hilfreich sein.

Standort des Hundekörbchens hinterfragen

Aber warum bellen Hunde beispielsweise am Zaun, wenn ihr Besitzer in unmittelbarer Nähe ist? „Dann kann es sein, dass sie ihr Revier verteidigen oder Artgenossen mitteilen, mehr Distanz zu wahren“, erklärt der Zuchtwart. Besitzer sollten in diesem Fall die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. „Eine lange Leine kann da hilfreich sein“, so der Hundetrainer. Zeige der Hund am Zaun unerwünschtes Verhalten und reagiert nicht auf ein Unterlassungskommando, könne man ganz sanft über die Leine einen Impuls geben. „Schaut der Hund zum Besitzer und kommt im Idealfall sogar zurück, wird gelobt, gestreichelt und belohnt“, sagt Gerd Fels.

Angela Pruß arbeitet als Tierpsychologin und Tierheilpraktikerin im brandenburgischen Oberkrämer. Foto: Jeanette Hix/dpa
Angela Pruß arbeitet als Tierpsychologin und Tierheilpraktikerin im brandenburgischen Oberkrämer. Foto: Jeanette Hix/dpa

Angela Pruß ergänzt: „Viele Leute haben das Hundekörbchen im Flur stehen, weit weg, wo sich der Besitzer aufhält.“ Doch so überlasse man dem Hund die Verantwortung, allein auf das Rudel aufzupassen. Er werde programmiert, dass er beim kleinsten Geräusch draußen Laut gibt, weil er vielleicht sogar überfordert ist mit der Situation. „Das ist vergleichbar mit einem Chef, der seiner Sekretärin die Schlüssel für die ganze Firma übergibt und sagt, er sei dann mal weg“, zieht Pruß den Vergleich.

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