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Ratgeber

So trotzt der Garten dem Klima

Extremes Wetter macht der Natur zu schaffen. Gärtner Florian Schneider erklärt, wie man seine grüne Oase klimafest gestaltet.
Von Susanne Wolf

Der ursprünglich aus China stammende Ginkgo erweist sich als sehr resistent. Foto: Dorothée Waechter/dpa
Der ursprünglich aus China stammende Ginkgo erweist sich als sehr resistent. Foto: Dorothée Waechter/dpa

Regensburg.Erst extreme Hitzeperioden, dann Starkregenfälle: Langsam, aber sicher macht sich der Klimawandel auch in Ostbayern bemerkbar. Das belastet nicht nur die Menschen und Tiere, sondern auch die Pflanzen. „Viele Bäume leiden unter den immer häufigeren Wetterextremen. Sie treiben weniger stark aus, bilden kleinere Blätter und verlieren vorzeitig ihr Laub“, sagt Florian Schneider, Landschaftsbauingenieur und Gärtner beim Stadtgartenamt Regensburg.

Die neuen klimatischen Bedingungen führen dazu, dass beispielsweise Bäume wie aktuell die Kastanien in der Regensburger Altstadt ein zweites Mal austreiben. Dieses Phänomen ist laut Schneider auch bei Apfelbäumen zu erwarten: „Wenn der Sommer recht trocken war, dann bilden sie aufgrund der herbstlichen Feuchte manchmal jetzt noch Blüten.“ Diese sollte man entfernen, da sie im Winter einfrieren und die Bäume unnötig Kraft kosten.

Verlierer sind Phlox und Eisenhut

Florian Schneider ist Landschaftsbauingenieur und Gärtner beim Stadtgartenamt Regensburg. Foto: Seyfarth/StMELF
Florian Schneider ist Landschaftsbauingenieur und Gärtner beim Stadtgartenamt Regensburg. Foto: Seyfarth/StMELF

Vom Klimawandel betroffen sind vor allem neu gepflanzte Bäume und alte, flachwurzelnde Exemplare, die sich nur schlecht auf veränderte Bedingungen einstellen können, sagt Schneider. „Es leiden vor allem Arten mit hohem Wasserbedarf wie Eschen, Birken, Fichten, Zedern und Mammutbäume.“

Natur

Neue Blüte: Ein Hilferuf der Kastanien

Der heiße, trockene Sommer war Stress für die Bäume. Im verdorrten Laub erwacht noch neues Grün: der nackte Überlebenswille.

Daneben haben auch Blütensträucher wie Hortensien und Rhododendren Anpassungsprobleme, da sie stets leicht feuchte Böden brauchen. „Zwar kann man in heißen Sommern verstärkt gießen, aber das ist angesichts knapper werdenden Wassers und steigender Wasserpreise auf Dauer nicht zu empfehlen.“ Stauden wie Phlox paniculata tun sich ebenfalls schwer. „Zu den Verlierern des Klimawandels zählen aber auch Pflanzen aus kühleren Klimazonen wie Eisenhut, Angelica oder Felberich“, weiß der Experte.

Die Fetthenne (Sedum) schmückt im Herbst den Garten mit farbenfrohen Blüten. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Die Fetthenne (Sedum) schmückt im Herbst den Garten mit farbenfrohen Blüten. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Damit sich Ostbayerns Gartler weiter über ihre grünen Wohlfühloasen freuen können, legt ihnen Schneider das Einbringen klimafester Pflanzen ans Herz. „Generell sind Arten zu empfehlen, die eine hohe Toleranz gegenüber Trockenheit, Starkniederschlägen und hohen Temperaturen zeigen. Unter den heimischen Gehölzen sind das beispielsweise Wacholder, Felsenbirne, Wolliger Schneeball und Kornelkirsche.“ Pflanzt man neue Gehölze, ist es wichtig, sie – je nach Witterung – über die ersten zwei bis drei Jahre regelmäßig zu wässern, bis der Baum gut eingewachsen ist.

Gute Chancen haben Haibuche und Bartiris

Auch wenn viele Pflanzen wärmeliebend sind, werden doch nicht alle von ihnen vom Klimawandel profitieren. „Die Winter werden künftig zwar milder, in vielen Regionen aber auch niederschlagsreicher – während in den Sommermonaten weniger Regen fallen wird“, prognostiziert der Gärtner. Trockenkünstler wie Königskerze (Verbascum), Steppenkerze (Eremurus) oder Blauraute (Perovskia) brauchen Böden, in denen überschüssiges Wasser schnell versickern kann. Staut sich das Wasser, drohen sie Pilzkrankheiten zum Opfer zu fallen.

„Pflanzen aus den warmen Mittelmeerländern gehören zu den Gewinnern.“

Florian Schneider, Landschaftsbauingenieur und Gärtner beim Stadtgartenamt Regensburg

Auf lehmigen Böden sind daher Gewächse im Vorteil, die beides ertragen: lange Trockenphasen im Sommer und Feuchtigkeit im Winter. „Dazu gehören robuste Arten wie Kiefer (Pinus), Ginkgo, Flieder (Syringa), Felsenbirne (Amelanchier) und Wacholder (Juniperus)“, so der Landschaftsbauingenieur. Weitere resistente Gehölze sind Hain- und Rotbuche, Faulbaum, Winterlinde, Stieleiche, Schwarzkiefer und Vogelbeere, da sie besonders unempfindlich sind.

Ratgeber

Nützliche Gartentipps für September

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Zukunftsträchtige Stauden sind Kugeldistel, Bartiris, Bergaster, Fetthenne, Katzenminze, Wolfsmilch, Schafgarbe, Steppensalbei und Mannstreu. Ebenso sprießen Rosen gut in trockenen Sommern, da sie sich mit ihren Wurzeln auch tiefe Bodenschichten erschließen und bei Trockenheit auf Reserven zurückgreifen können. Zudem sinkt das Risiko von Pilzkrankheiten. Für einen klimafesten Garten eignen sich anspruchslose Arten wie die Hechtrose (Rosa glauca). Auch robuste Zwiebelblumen wie Zierlauch (Allium) oder Schwertlilie (Iris) überstehen Hitzeperioden gut, da sie Nährstoffe und Wasser im Frühjahr speichern und so trockene Sommermonate überdauern können.

Sieger sind Feigen und Bananen

Die Kiwi-Pflanze ist auch als Chinesischer Strahlengriffel bekannt. Sie stammt ursprünglich aus China und wird wohl bald auch in Ostbayern gut wachsen. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Die Kiwi-Pflanze ist auch als Chinesischer Strahlengriffel bekannt. Sie stammt ursprünglich aus China und wird wohl bald auch in Ostbayern gut wachsen. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Wer über seine Gartengestaltung nachdenkt, sollte auf Pflanzen aus den warmen Mittelmeerländern zurückgreifen. „Sie kommen gut mit langer Trockenheit und Hitze zurecht“, sagt Florian Schneider. „In klimatisch milden Regionen gedeihen heute schon Hanfpalmen, Bananenstauden, Wein, Feigen und Kiwis in den Gärten.“

Klimafeste Pflanzen

  • Fetthenne:

    Die Fetthenne (Sedum) zählt zu den Stauden, die sich weiterhin gut in den Gärten der Region bewähren werden. Sie ist pflegeleicht und anpassungsfähig.

  • Wacholder:

    Der Wacholder (Juniperus) zeichnet sich durch eine hohe Toleranz gegenüber Trockenheit, Starkniederschlägen und hohen Temperaturen aus.

  • Kiwi:

    Die Kiwipflanze (Actinidia) ist auch als Chinesischer Strahlengriffel bekannt. Sie stammt ursprünglich aus China und bevorzugt ein mildes Klima.

Selbst das Stadtgartenamt reagiert bereits auf die klimatischen Veränderungen. „Wir haben heuer zum Beispiel eine Bitterorange in den Herzogspark gepflanzt“, berichtet Schneider. „Sie ist in jungen Jahren sehr frostempfindlich. Durch den geschützten Standort und das milde Klima wird sie deutlich besser zurechtkommen.“ Beim Rasen sollte man die extensive Variante wählen. Denn Extensivrasen dürfen im Sommer auch mal braun werden. „Noch besser ist es, nicht zu begehende Flächen mit geeigneten Bodendeckern anzupflanzen“, rät er.

Der immergrüne Wacholder ist ein pflegearmes Gewächs mit kleinen Beeren. Sie werden gerne zum Kochen verwendet. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Der immergrüne Wacholder ist ein pflegearmes Gewächs mit kleinen Beeren. Sie werden gerne zum Kochen verwendet. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Das alles bedeutet aber nicht das Aus für vorhandene Pflanzen: Sie müssen nicht ausgerissen, jedoch gepflegt werden. Wichtig ist, den Boden bedeckt zu halten und regelmäßig Gründünger oder Mulch auszubringen, damit sie nicht austrocknen. „Wird der Boden nicht tief umgegraben, sondern nur oberflächlich gelockert, ist er sehr gut an trockene Verhältnisse angepasst“, sagt Schneider. Er rät zur Optimierung der Bewässerung: „Besser ist es, seltener, aber viel zu wässern.“ Sinnvoll sind Zisternen. „Sie speichern überschüssiges Wasser für Trockenzeiten und entlasten Abwassersysteme.“

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