MyMz

Ratgeber

Tipps für die Tomatenaufzucht

Auch wenn es nicht so scheint: Tomaten sind kleine Diven und ihre Aufzucht ist schwierig. Was gilt es zu beachten?
Von Katja Fischer

Tomaten sind krankheitsanfällig und echte Vielfraße, was Nährstoffe angeht. Nur wenn die Bedingungen für sie passen, ist die Ernte auch groß. Foto: Christin Klose/dpa
Tomaten sind krankheitsanfällig und echte Vielfraße, was Nährstoffe angeht. Nur wenn die Bedingungen für sie passen, ist die Ernte auch groß. Foto: Christin Klose/dpa

Münster.Tomaten sind ein gängiges Gemüse. Und sieht man sich im Sommer um, wachsen sie in beinahe jedem Gemüsebeet. Daher kann es ganz schön frustrieren, wenn die Ernte bei einem selbst nicht klappt. Die Tomate ist tatsächlich empfindlich und ihre Aufzucht fehleranfällig. Experten nennen im Folgenden die wichtigsten Tipps.

1. Nicht am Platz sparen

Krankheiten beugt man mit Abstand zwischen den Pflanzen vor. Optimal sind 2,5 Pflanzen je Quadratmeter, rät Katrin Quinckhardt von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. Die Pflanzen werden entweder an einen mindestens 1,5 Meter langen Stab angebunden oder sie werden nach oben zu einem quer gespannten Draht in etwa 1,5 Metern Höhe geleitet, indem die Triebe im Uhrzeigersinn um eine Schnur gedreht werden.

2. Stängelgrund muss trocken bleiben

Jungpflanzen können tief gesetzt werden, da Tomaten so sehr gut neue Wurzeln bilden und damit zusätzlich Nährstoffe aufnehmen. „Allerdings empfehlen wir zur Vorbeugung der Stängelkrankheit, die Pflanzen mindestens so hoch zu setzen, dass der empfindliche Stängelgrund trocken bleibt“, erklärt Quinckhardt.

3. Viel, aber nicht zu viel Dünger verwenden

Die Tomate zählt zu den starkzehrenden Gemüsearten, sie braucht viele Nährstoffe. „Eine ausreichende Nährstoffversorgung ist für den Ertrag, aber auch für einen guten Geschmack erforderlich“, erläutert Quinckhardt. „Werden die Pflanzen überdüngt, kann das zum Beispiel zu Blütenendfäule führen.“

Um Krankheiten vorzubeugen, sollten Tomaten nicht zu dicht nebeneinander wachsen. Die Pflanzen werden zum Beispiel einzeln an einen Stab angebunden und wachsen so in die Höhe. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Um Krankheiten vorzubeugen, sollten Tomaten nicht zu dicht nebeneinander wachsen. Die Pflanzen werden zum Beispiel einzeln an einen Stab angebunden und wachsen so in die Höhe. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Das gute Mittelmaß sieht so aus: Beim Setzen sollte man drei Kilogramm halbreifen Kompost oder angerotteten Stallmist pro Quadratmeter in die oberste Bodenschicht einarbeiten. Dazu kommen etwa 80 Gramm Horngrieß pro Quadratmeter oder 140 Gramm Rizinusschrot pro Quadratmeter.

Eventuell ist auch eine Kalziumgabe durch einen Spezialdünger wichtig. „Kalziummangel entsteht meist durch hohe Kaliumwerte im Boden. Er kann aber auch durch starke Trockenheit oder zu viel Feuchtigkeit in Luft und Boden ausgelöst werden“, erklärt die Expertin. Dann kann die Pflanze nicht ausreichend Kalzium aufnehmen und sie entwickelt ebenfalls die Blütenendfäule.

4. Vor Regen schützen

Tomaten sind anfällig für Pilzkrankheiten. Ist es besonders regenreich und herrschen dabei Temperaturen von 13 bis 18 Grad, breite sich verstärkt die Kraut- und Braunfäule aus, erklärt Mareile Zunker vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg in Karlsruhe. „Sie kann die gesamte Ernte vernichten.“ Die Symptome zeigen sich ab Mitte Juni. Auf den Blattoberseiten der älteren Tomatenblätter bilden sich graugrüne, später braune Flecken. Auf der Unterseite sieht man bei hoher Feuchtigkeit einen grauweißen Belag. Und auf den Früchten verursacht der Pilz braune, eingesunkene Flecken, die bis tief in das Fruchtfleisch reichen können.

Die Lösung: Die Blätter dürfen nicht (mehr) nass werden. „Viele Gärtner bauen kleine Dächer über den Tomatenpflanzen, damit sie nicht direkt im Regen stehen“, erzählt Zunker. Gegossen wird am besten auch nur morgens oder nachmittags, sodass die Pflanzen bis zum Abend wieder abtrocknen. „Und immer von unten gießen, damit die Blätter nicht benetzt werden“, ergänzt Zunker. Hat die Pflanzen darüber hinaus zu viele Blätter – sprich, stehen diese zu eng beieinander, was dazu führt, dass sie nicht so gut abtrocknen – sollte der Gärtner die untersten bis zum gerade abgeernteten Fruchtstand entfernen.

5. Über zwei Stunden verteilt gießen

Tomatenpflanzen werden am besten an Stäben nach oben geleitet. Das gibt den einzelnen Pflanzen mehr Raum und die Früchte werden gut belüftet. Das beugt Pilzkrankheiten vor. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Tomatenpflanzen werden am besten an Stäben nach oben geleitet. Das gibt den einzelnen Pflanzen mehr Raum und die Früchte werden gut belüftet. Das beugt Pilzkrankheiten vor. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Ebenso gefährlich wie zu viel Nässe ist große Trockenheit. „Tomaten brauchen viel Wasser“, sagt Marianne Scheu-Helgert von der Bayerischen Gartenakademie. „Für eine brusthohe Pflanze rechnet man zwei bis drei Liter pro Tag, an heißen Sommertagen auch mehr.“ Sie rät aber, nicht die gesamte Wassermenge auf einmal zu geben, sondern über zwei bis drei Stunden verteilt. „Der Boden kann nur eine bestimmte Menge Flüssigkeit aufnehmen, der Rest fließt einfach ab.“

5. Rasenschnitt und Mulch speichern Wasser

Eine dünne Strohschicht oder etwas Rasenschnitt auf dem Beetboden wirken Wunder. „Der Boden wird aufnahmebereiter für Wasser und bekommt gleich noch eine natürliche Düngung“, erklärt Scheu-Helgert. Der Mulch ist auch interessant für Regenwürmer. Sie holen sich das Grünzeug und ziehen es in den Boden, was diesen auflockert. Der Tipp der Expertin: „Es kann sich auch lohnen, den Boden grob aufzuhacken.“

6. Nicht jede Pflanze ausgeizen

Ausgeizen ist ein Schlagwort bei der Tomatenpflege: Es ist das Entfernen nachwachsender Seitentriebe. So kann die Pflanze ihre ganze Kraft in den Haupttrieb stecken. Es gibt aber Ausnahmen: „Für Anfänger sind determinierte Pflanzen gut geeignet, denn sie müssen nicht ausgegeizt werden“, rät Scheu-Helgert. Dabei handelt es sich um Buschtomaten, deren Spitzentrieb ebenso wie die Seitentriebe immer in einer Blüte enden.

Auch das Entfernen von überzähligen Blättern ist gut – für die bessere Durchlüftung der Staude und somit vorbeugend gegen Pilzkrankheiten. „Allerdings sollten nicht zu viele Blätter gekappt werden, da sonst die Assimilationsrate geringer ist, was negative Folgen für Fruchtfestigkeit, Haltbarkeit und Geschmack hat“, sagt Quinckhardt. „Mehr Blätter bringen süßere Früchte.“

Weitere interessante News und Artikel rund ums Thema „Natur“ gibt es hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht