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Tiere

Vögel lieben ungepflegte Gärten

Vielerorts gibt es immer weniger Vögel. Sie finden zu wenig Nahrung und Unterschlupf. Gärten sind ein wichtiger Lebensraum.
Von Katja Fischer

Amseln picken gerne Beeren von Bäumen und Sträuchern. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Amseln picken gerne Beeren von Bäumen und Sträuchern. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Hilpoltstein.Mit fröhlichem Vogelgezwitscher am Morgen beginnt der Tag auch für den Menschen entspannt. Doch die Stimmen verstummen zusehends, denn der Lebensraum der Vögel schwindet. Betonflächen, optimierte Landwirtschaft und auch mangelnde Artenvielfalt in vielen Gärten führen dazu, dass sich die Vögel aus ihren Revieren zurückziehen. Sie finden einfach zu wenig Nahrung. Dabei kann bereits der Gartenbesitzer etwas dagegen tun.

Zwar kann er die Schädigung der Umwelt nicht vollständig ausgleichen. Aber er hat doch einige Mittel in der Hand, um den Bedürfnissen der Vögel gerecht zu werden. Mit einem Vogelhäuschen und einer sauberen Wasserstelle ist es allerdings nicht getan.

So eine Unterstützung kann nicht schaden. Die Vögel brauchen aber vielmehr Bedingungen, unter denen sie möglichst selbstständig leben können. Der beste Tipp von Sonja Dölfel vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern lautet daher: „Einfach mal gar nichts tun und den Garten selbst machen lassen – das ist schon ein erster Schritt.“

Gepflegte Rasen als Fluchtgrund

Denn ein kurz geschorener Rasen, abgezirkelte Beete, korrekt gestutzte Hecken und große Terrassen mögen zwar für viele Menschen der Inbegriff eines gepflegten Gartens sein. Für Vögel und Insekten sind sie allerdings ein Grund zur Flucht. In einem solchen Umfeld können sie nicht gut überleben. „Schon eine einzige verblühte Sonnenblume bietet den Vögeln mehr Nahrung als eine exakt geschnittene Tuja-Hecke“, sagt Magnus Wessel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

„Nach der Ernte sollten ruhig ein paar Früchte dranbleiben, dann haben die Tiere bis in den Winter hinein Futter.“

Magnus Wessel, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland

Vögel ernähren sich vor allem von Insekten und Samen. „Damit sie in den Garten kommen, ist es wichtig, dort die heimische Flora und Fauna zu fördern“, rät Dölfel. Viele Gärtner nutzen aber gern exotische Pflanzen wie den Kirschlorbeer. „Der ist jedoch für unsere Insekten uninteressant, da gehen sie gar nicht ran.“ Außerdem tragen die fremdländischen Pflanzen oft Früchte, mit denen die heimische Vogelwelt nichts anzufangen weiß.

Beliebt bei Menschen und Vögeln gleichermaßen sind Obstsorten wie die Brombeere. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Beliebt bei Menschen und Vögeln gleichermaßen sind Obstsorten wie die Brombeere. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Vor allem Obstgehölze und Beerensträucher bieten den Vögeln Nahrung und Unterschlupf. „Nach der Ernte sollten ruhig ein paar Früchte dranbleiben, dann haben die Tiere bis in den Winter hinein Futter. In Bäumen, Stauden und Sträuchern überwintern auch Insekten“, so Wessel.

Vogelbeerenbaum pflanzen

Wer den Vögeln etwas Gutes tun will, holt sich zum Beispiel einen Vogelbeerbaum in den Garten. „63 Vogelarten fressen seine roten Beeren“, erklärt Dölfel. Auch Traubenkirsche, Feldahorn, Haselnuss, Stechpalme, Rotbuche, Weißdorn oder Schneeball bieten Nahrung.

Wer den Vögeln etwas Gutes tun will, holt sich einen Vogelbeerbaum in den Garten. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Wer den Vögeln etwas Gutes tun will, holt sich einen Vogelbeerbaum in den Garten. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Beliebt bei Menschen und Vögeln gleichermaßen sind Obstsorten wie Holunder, Johannisbeere, Heidelbeere oder Brombeere. Bei wilden Kräutern wie Brennnessel, Distel oder Klee gehen die Geschmäcker allerdings auseinander. Während viele Menschen sie als Unkraut verachten und vernichten, stehen sie bei Insekten hoch im Kurs.

Garten

Manche Krokusse blühen im Herbst

Der Herbst wird bunt. Nicht nur weil sich Blätter verfärben. Wiesen blühen farbenfroh – dank Schneeglöckchen und Krokusse.

„Ideal ist ein dreigeteilter Garten“, sagt Wessel. Ein Drittel sollte natürlich und wild wachsen dürfen. Im zweiten Drittel ist Raum für den Anbau von Obst und Gemüse, im restlichen Drittel könnten Gärtner ihre persönlichen Vorlieben realisieren.

Kiesgärten sind vogelfeindlich

In der Realität sieht das allerdings leider oft anders aus. Vor allem in Vorgärten von Wohnsiedlungen sieht man Kiesgärten. „Viele Gartenbesitzer gehen davon aus, dass ein Kiesgarten besonders pflegeleicht wäre“, berichtet Markus Guhl, Hauptgeschäftsführer des Bund deutscher Baumschulen. Dabei ist das ein Trugschluss. Denn wuchskräftige Pflanzen wie Löwenzahn, Brennnessel oder Giersch lassen sich langfristig kaum ausmerzen.

Auch der Schneeball gehört in einen vogelfreundlichen Garten. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Auch der Schneeball gehört in einen vogelfreundlichen Garten. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Besser ist es, man wählt gezielt standortgerechte Pflanzen aus, die nur wenig Pflege brauchen. Mit einer Kombination aus Stauden, Bodendeckern und immergrünen Gehölzen lässt sich ein Vorgarten gestalten, der die Gartenarbeit minimiert und dennoch das ganze Jahr attraktiv ist. „Das Summen der Bienen und das Zwitschern der Vögel vermissen wir meist erst, wenn sie schon verschwunden sind. In einen Kiesgarten werden sie sich jedenfalls nicht verirren“, sagt Guhl.

Garten im Herbst nicht zurückschneiden

Es hat sich auch eingebürgert, den Garten im Herbst winterfest zu machen. Hecken und Sträucher werden dann gestutzt, Pflanzen abgeschnitten, das Laub wird entsorgt. „Für die Vögel ist das eine Katastrophe“, warnt Wessel. Damit verlieren Insekten im Winter ihren Lebensraum und die Vögel ihre Nahrungsquellen und Rückzugsmöglichkeiten.

Gartentipps

Ernten, pflegen und nochmals säen

Die Blumen zeigen ihre Pracht und die Ernte ist in vollem Gang: Im August müssen Nutz- und Ziergärtner noch einmal ran.

Ein Umdenken ist angesagt. Die Pflanzen sollten im Herbst so stehengelassen werden, wie sie verblüht sind. „Das kann übrigens später bei Schnee oder Raureif sehr schön aussehen“, sagt Wessel. Im Frühjahr lassen sie sich dann immer noch zurückschneiden.

Reisighaufen zum Brüten

Auch ein Reisighaufen in einer Ecke ist für viele Vögel attraktiv. „Zum Beispiel brütet der Zaunkönig gern darin“, sagt Wessel. Auch für Rotkehlchen und Amseln sind solche Anhäufungen beliebte Rückzugsorte. Ein Komposthaufen ist ebenfalls ideal, weil er Insekten anlockt.

Auch Klee ist Bestandteil eines vogelfreundlichen Gartens. Denn er lockt Insekten an, die wiederum Nahrung für Vögel sind. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn
Auch Klee ist Bestandteil eines vogelfreundlichen Gartens. Denn er lockt Insekten an, die wiederum Nahrung für Vögel sind. Foto: Andrea Warnecke/dpa-tmn

Gärtner sollten auch alte Obstbäume, die nur noch wenig tragen, möglichst lange erhalten. „Bäume mit Höhlen oder einem hohen Anteil an Totholz sind ein wichtiger Bestandteil eines naturnahen Gartens“, erklärt Dölfel. „Sie strukturieren ihn, bieten Nahrung und Nistmöglichkeiten.“ Tote Äste sollten deshalb nur dann entfernt werden, wenn sie eine Gefahr darstellen.

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