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Tiere

Wenn Omi und Opi auf den Hund kommen

Die Kinder sind aus dem Haus, die Arbeit ist vorbei: Ein Haustier kommt da sehr gelegen. Doch macht es tatsächlich glücklich?
Von Bernadette Winter

Werde ich einem Hund gerecht? Diese Frage müssen sich gerade ältere Neuhundebesitzer stellen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Werde ich einem Hund gerecht? Diese Frage müssen sich gerade ältere Neuhundebesitzer stellen. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Bonn.Das Arbeitsleben ist beendet. Wer schon immer damit geliebäugelt hat, sich ein Haustier anzuschaffen, hat nun vielleicht die nötige Zeit dafür. Welcher fellige Begleiter soll es dann sein? Hält ein Hund gesund? Welche Vorteile hat eine Katze? Gehe es einem um den Körperkontakt, seien Hund und Katze am besten geeignet, sagt Moira Gerlach, Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Ein Aquarium macht viel Arbeit, dafür lässt sich aber die Beobachtung der Fische genießen.

Katzen haben ihren eigenen Kopf

Eine Katze ist sehr individuell und hat ihren eigenen Kopf. Auch mit Wohnungskatzen müsse man sich intensiv befassen, sonst werden sie dick und träge, sagt Astrid Behr, Sprecherin des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte. Katzen könnten durchaus bis zu 20 Jahre alt werden, gibt Gerlach zu Bedenken. „Sie sind super zum Spielen oder Schmusen und sich kümmern.“ Hunde dagegen halten fit.“

Welche felligen Begleiter passen gut zu Senioren? Geht es einem um den Körperkontakt, sind Hund und Katze am besten geeignet. Foto: Christin Klose/dpa
Welche felligen Begleiter passen gut zu Senioren? Geht es einem um den Körperkontakt, sind Hund und Katze am besten geeignet. Foto: Christin Klose/dpa

Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass gerade Hunde große Vorteile brächten, erklärt Ellen Freiberger. „Die sozialen Kontakte sind höher, einfach weil man dazu gezwungen ist, raus zu gehen“, sagt die Sportwissenschaftlerin und Gerontologin. Ein Hund eigne sich in der Regel sehr gut, weil er sich an Menschen bindet, ergänzt Gerlach. „Die Kommunikation wird gefördert, man kommt schnell mit anderen Hundehaltern ins Gespräch“, sagt Behr.

Hunde schenken Sicherheit

Hunde können sogar den Stresspegel senken. „Sie schenken Sicherheit“, erläutert Freiberger. Einer jüngeren Untersuchung zufolge sinkt so das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – dem mehrmals täglichen Gassigehen sei Dank. Wer durch Wald und Wiesen spaziert, trainiert zudem seinen Gleichgewichtssinn und hilft beim Vorbeugen von Stürzen, wie Freiberger anführt. Schon eine halbe Stunde Bewegung täglich reiche aus, um körperlich wie geistig fit zu bleiben und länger selbstständig in den eigenen vier Wänden wohnen zu können.

„Die sozialen Kontakte sind höher, einfach weil man dazu gezwungen ist, raus zu gehen.“

Sportwissenschaftlerin Ellen Freiberger

Werde ich einem Welpen gerecht? Diese Frage müssen sich gerade ältere Neuhundebesitzer stellen. Wer bereits Erfahrungen mit Hunden gemacht hat, dem fällt es sicher leichter, einen Welpen zu erziehen. „Die wissen, worauf sie achten müssen, ein Hundeneuling könnte dagegen überfordert sein“, meint Behr. Auf jeden Fall ist es mehr Arbeit, einen Hund großzuziehen. Dafür könne man mit dem Hund alt werden, sagt Freiberger.

Wichtig: Selbsteinschätzung

Moira Gerlach ist Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Foto: Moira Gerlach/dpa
Moira Gerlach ist Fachreferentin für Heimtiere beim Deutschen Tierschutzbund. Foto: Moira Gerlach/dpa

Je älter das Tier dagegen ist, desto gemütlicher werde es meist, sagt Gerlach. „Falls das Laufen nicht mehr so klappt, gehen viele dann häufiger raus, drehen dafür aber kleinere Runden“, erklärt Freiberger. Wer heute in Rente geht, sei ja meist noch fit und agil genug, um mit einem sehr bewegungsfreudigen Hund zurechtzukommen, sagt Behr. „Wichtig ist, dass man sich selbst richtig einschätzt.“ Aus einem Couch-Potato wird eben im Alter kein Marathonläufer. Und: Selbst kleine Hunde brauchen Auslauf, manche sind sogar bewegungsfreudiger als große.

Tiere strukturieren den Tag

Gerade für ältere Menschen hätten Haustiere den Vorteil, den Tag zu strukturieren und einen Rhythmus vorzugeben, sagt Freiberger. „Das fällt vielen schwer, wenn sie es selbst machen müssen.“ Andererseits könnte so eine vorgegebene Tagesstruktur einschränkend wirken, warnt Behr, etwa wenn jemand mit der Rente seine Reiselust entdeckt.

Guter Begleiter für Senioren, wenn man weiß, worauf man sich einlässt: Katzen sind sehr individuell und haben ihren eigenen Kopf. Aber sie schmusen und spielen oft gern. Foto: Mascha Brichta/dpa
Guter Begleiter für Senioren, wenn man weiß, worauf man sich einlässt: Katzen sind sehr individuell und haben ihren eigenen Kopf. Aber sie schmusen und spielen oft gern. Foto: Mascha Brichta/dpa

Die Experten raten daher, vorab zu regeln, wer sich im Krankheitsfall, im Urlaub oder falls das Laufen mit der Zeit schwerfällt, um das Tier kümmern kann. Auch finanzielle Rücklagen können sinnvoll sein, falls das Tier krank werden sollte, für Futter, Impfungen oder Versicherungen. Wer besonders weit planen will, kann eine Haustier-Betreuungsvollmacht ausstellen. Im Todesfall übernimmt dann direkt die in der Vollmacht benannte Person das Tier. „Im Testament kann man eine bestimmte Summe für die Versorgung des Tieres vorsehen“, sagt Gerlach.

Testen, ob es gut passt

Wer erst einmal ausprobieren möchte, ob ein Tier zu einem passt, kann bei Nachbarn fragen, ob man mal mit dem Hund spazieren gehen oder bei Abwesenheit die Katze betreuen darf. Darüber hinaus freuen sich einige Tierheime über Freiwillige, die Gassi gehen. „Die Verpflichtungen fallen weg, aber die Rentner gehen trotzdem nicht alleine spazieren und haben die Kommunikation“, sagt Behr. Gerlach zufolge können sich Interessierte im Tierheim als „Katzenstreichler“ betätigen. Man setzt sich einfach zu den Katzen und spielt mit ihnen oder streichelt sie, wenn sie es zulassen. „Manche Katzen sind sehr schreckhaft, können so aber an Menschen gewöhnt werden.“

Darüber hinaus gibt es Organisationen, die Hunde bewusst an ältere Menschen vermitteln, zum Teil gerade ältere Hunde. Dafür übernehmen sie die Kosten, etwa von Medikamenten. Sie regeln die Betreuung des Hundes im Krankheitsfall oder im Urlaub. Sollte das Herrchen oder Frauchen sterben, fällt der Hund wieder an die Organisation zurück. Andere Vereine machen Tierarztbesuche, Ehrenamtliche gehen Gassi und stehen beratend zur Seite.

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