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Naturschutz

Bienen auf Chamer Balkone locken

Nach dem Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ ist jeder Einzelne gefragt, um die Artenvielfalt weiter zu fördern.
Von Elisabeth Angenvoort

Jeder kann etwas tun, um mehr Artenvielfalt in die Gärten und auf die Balkone zu bringen. Foto: Petra Wutz
Jeder kann etwas tun, um mehr Artenvielfalt in die Gärten und auf die Balkone zu bringen. Foto: Petra Wutz

Cham.Das Volksbegehren zum Erhalt der Artenvielfalt hat gezeigt, wie groß das Interesse der Bevölkerung am Naturschutz ist. Wie aber kann der Einzelne langfristig einen Beitrag dazu leisten, um den Lebensraum für Bienen und Co. zu erhalten? Wir haben bei Experten für Gartenbau und Naturschutz nachgefragt. Vorneweg: Es muss nicht immer ein Garten sein. Auch ein kleiner Balkon, sogar ein einzelnes Fenstersims kann mit der entsprechenden Gestaltung zum insektenfreundlichen Lebensraum werden.

Bienen, Hummeln und Schmetterlinge werden zwar von hellen Farben wie Gelb und Orange angelockt, erklärt die Expertin in einem Chamer Floristenbetrieb. Viele der gefüllten Blumen oder sogenannten Knospenblüher mögen zwar dekorativ sein und duften, doch sie bieten keinerlei Nahrung für Insekten.

Grundregeln fürs Bepflanzen

Gerhard Altmann erläutert das „Blühflächen-Projekt“: Der Kreisverband für Gartenbau- und Landespflege stellt allen 67 Obst- und Gartenbauvereinen Saatgut zur Verfügung. Foto: Angenvoort
Gerhard Altmann erläutert das „Blühflächen-Projekt“: Der Kreisverband für Gartenbau- und Landespflege stellt allen 67 Obst- und Gartenbauvereinen Saatgut zur Verfügung. Foto: Angenvoort

Wer eine bienenfreundliche Balkonbepflanzung plant, sollte einige Grundregeln beachten um sicher zu gehen, dass die Blüten ihren Besuchern auch nutzen: Je vielfältiger die Auswahl, desto besser. Damit die Insekten über einen möglichst langen Zeitraum Nahrung finden, sollte man sowohl Früh-, Mittel- als auch Spätblüher anpflanzen. Gerade völkerbildende Arten wie Hummeln und Honigbienen sind auf nahrhafte Frühblüher angewiesen.

Dazu gehören: Frühlingskrokus, Kegelblume, Blausternchen, Sternhyazinthe und Lungenkraut. Die ungefüllten Blüten erblühen zeitig und bieten einen einfachen Zugang zur wertvollen Nahrung. Pflanzenexpertin Katharina Gleixner empfiehlt Stauden für Balkonkästen, da die mehrjährige Bepflanzung von Vorteil ist. Für Südbalkone eignen sich hier neben dem Echten Lavendel beispielsweise Berg- und Katzenminze, Berglauch, Thymian, Currykraut, Borretsch, Fetthenne oder Steppensalbei. Wer Rosen bevorzugt, sollte Sorten mit offenen Blüten wählen. Als Tiefwurzler benötigen Rosen entsprechend große Töpfe. Astern und der Zwerg-Schmetterlingsflieder gehören ebenfalls auf die Südseite.

„Damit möchte ich Maßnahmen unterstützen, die langfristig dem Artenschwund entgegenwirken sollen, um mehr Blühflächen in Gärten und Dörfern zu bekommen“, so Landrat Franz Löffler. Foto: Petra Wutz
„Damit möchte ich Maßnahmen unterstützen, die langfristig dem Artenschwund entgegenwirken sollen, um mehr Blühflächen in Gärten und Dörfern zu bekommen“, so Landrat Franz Löffler. Foto: Petra Wutz

Wildblumenmischungen, ausgesät in großen Kübeln, garantieren nicht nur bunte Blütenpracht, sondern auch ein reichhaltiges Nahrungsangebot für viele Insekten. Auch Nordbalkone lassen sich vielfältig gestalten: Garten-Purpurglöckchen, Waldphlox, Zaunwicke, Taubnessel und Duftveilchen locken blühend zahlreiche Besucher an. Efeu, an Wänden oder Blumengittern gepflanzt, ist besonders gut geeignet, um die Zeit zwischen Herbst und Frühjahr zu überbrücken. Ab Januar blüht bereits die Winterheide als Blickfang auf jedem Balkon.

Selbst ein kleines Fenstersims kann mit geringem Aufwand in ein Paradies für Insekten verwandelt werden. Sogenannte „Insektenhotels“ bieten Wildbienen Schutz, wenn sie richtig aufgestellt werden, sagt Katharina Gleixner; das heißt, in unmittelbarer Nähe von blühenden Blumen und Kräutern. Eine kostengünstige Alternative dazu sind dürr gewordene Markstängel, zum Beispiel vom Holunder. Senkrecht stehend in Blumenkästen zwischen Kräutern und Blühern integriert, werden sie zu natürlichen Nistplätzen für Wildbienen.

Gut für Wildbienen

Interessierte Bürger können ihren Bedarf an Samen zur Ansaat von Blühflächen bei den örtlichen Vereinen anmelden und abholen. Ausgewählt wurde die „Veitshöchheimer Bienenweide“, bestehend aus ein- und mehrjährigen Wildkräutern mit reichem Nektarangebot. Foto: Petra Wutz
Interessierte Bürger können ihren Bedarf an Samen zur Ansaat von Blühflächen bei den örtlichen Vereinen anmelden und abholen. Ausgewählt wurde die „Veitshöchheimer Bienenweide“, bestehend aus ein- und mehrjährigen Wildkräutern mit reichem Nektarangebot. Foto: Petra Wutz

Auch Töpfe mit Kräutern wie Thymian, Minze oder Basilikum passen auf jedes Sims und sind nicht nur für die Küche eine Bereicherung, sondern sichere Nahrungsquelle für viele Insekten. Wer etwas mehr Platz hat und den Aufwand nicht scheut, kann eine Pflanzenkiste mit Sand und Kies (sonniger Standort) oder mit nährstoffreicher Erde und Steinen füllen. Mit der entsprechenden Bepflanzung, zum Beispiel Sonnenröschen mit Wiesensalbei für den Südbalkon und Wiesenglockenblume mit Scharfgarbe für die Nordseite, kann man damit sogar erdnistende Wildbienenarten anlocken.

Der Marienkäfer ist ein Schädlingsbekämpfer. Für eine Beetrose werden 30 Larven empfohlen; für eine Staudenrose 60 und für eine Kletterrose 200. Foto: Petra Wutz
Der Marienkäfer ist ein Schädlingsbekämpfer. Für eine Beetrose werden 30 Larven empfohlen; für eine Staudenrose 60 und für eine Kletterrose 200. Foto: Petra Wutz

Leider bevölkern nicht nur Nützlinge Gärten und Balkone. Zur Abwehr von Schädlingen hat Katharina Gleixner einen besonderen Tipp: Der heimische Zwei-Punkt-Marienkäfer garantiert einen rein biologischen Schutz vor Blattläusen. Adalia bipuncta, wie der Käfer mit botanischem Namen heißt, legt seine Eier in der Nähe von Blattläusen als „Eipakete“ ab. Eine Woche später schlüpfen die Larven, wovon jede einzelne bis zu 150 Blattläuse am Tag vertilgt. Ein ausgewachsener Marienkäfer frisst immerhin noch etwa 50 Läuse täglich. Wer auf diese natürliche Art der Schädlingsbekämpfung setzen will, kann die Larven des Adalia bipuncta über den Fachhandel beziehen. Vermeiden sollte man großflächig mit Kies oder Steinen angelegte „Gärten“, sagt Gerhard Altmann, stellvertretender Sachgebietsleiter für Gartenkultur am Landratsamt in Cham. Tipps für einen naturgemäßen Steingarten und viele weitere Ideen gibt es über die Obst- und Gartenbauvereine.

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