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Garten

Die gelben Blüten der Forsythie

Am grauen Winterende, wenn die Forsythie noch kein Blatt an den Ästen hat, öffnen sich ihre strahlend gelben Blüten.
Von Dorothée Waechter

Die Blüten der Forsythie enthalten keinen Nektar, von dem sich Insekten ernähren könnten. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Die Blüten der Forsythie enthalten keinen Nektar, von dem sich Insekten ernähren könnten. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Bonn.Farbe ist im Garten im Winter und am Frühjahrsbeginn rar. Und doch schafft es die Natur hin und wieder zu überraschen: Sie lässt ausgerechnet dann einen Strauch in leuchtendem Sonnengelb erstrahlen: die Forsythie. Der Flor kommt besonders intensiv zur Geltung, da sich die Blüten vor den Blättern entfalten.

„Die Gattung Forsythia stammt ursprünglich aus dem asiatischen Bereich und ist zwischen Japan und China mit zehn bis 15 verschiedenen Arten heimisch“, erläutert Markus Radscheit, Technischer Leiter der Botanischen Gärten der Universität Bonn. In Deutschland findet sich meistens eine Hybride, die Botaniker als Forsythia x intermedia bezeichnen. Sie ist aus der Kreuzung zweier Arten entstanden.

Boten des Frühlings

Die Blüte ist bei uns ein Hinweis auf den beginnenden Frühling, erklärt Marja Rottleb, Referentin des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Das Ziergehölz ist eine Zeigerpflanze des phänologischen Kalenders. Anders als beim astrologischen und meteorologischen Kalender beginnen und enden seine Phasen nicht an einem bestimmten Datum, sondern werden jedes Jahr bestimmt von tatsächlich herrschenden Klimadaten, der aktuellen Witterung und dem Entwicklungsstand der Pflanzen.

Ein Zeichen für den beginnenden Frühling sind die Blüten der Forsythien. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Ein Zeichen für den beginnenden Frühling sind die Blüten der Forsythien. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Das heißt: Wenn Zeigerpflanzen wie die Forsythie anfangen zu blühen, beginnt eine neue Periode – in dem Fall der sogenannte Erstfrühling. Daher wird die Forsythienblüte auch gerne als perfekter Zeitpunkt für bestimmte Gartenarbeiten angegeben, die ebenfalls witterungsabhängig sind. Ein Beispiel dafür ist der Rosenschnitt.

Darüber hinaus aber bietet das Ziergehölz wenig: „Ökologisch geht der Wert der Forsythie gegen Null“, sagt Rottleb. Denn ihre Blüten haben keinen Nektar, von dem sich Insekten ernähren könnten. Und selbst als Futterpflanze für Raupen habe die Forsythie im Grunde keine Bedeutung. „Das heißt nicht, dass man die Forsythie ausreißen muss“, beteuert Rottleb. Aber die Umweltschützerin rät dazu, die Vielfalt im Garten im Frühling zu verbessern und mit Weide, Haselnuss, Kornelkirsche und Zaubernuss das Nahrungsangebot für Insekten zu verbessern.

Der richtige Schnitt

Die mehrjährige und sommergrüne Forsythe wird häufig in Hecken verwendet oder als Solitär gesetzt. Der ausgewachsene Strauch misst an der Basis einen Durchmesser von etwa einem Meter. Die peitschenartigen Triebe, die er hervorbringt, werden zwischen drei und vier Metern hoch. Sie müssen regelmäßig geschnitten werden, damit die Pflanze blühfreudig und vital bleibt.

„Grundsätzlich sollte immer nur ein Drittel der Zweige herausgeschnitten werden.“

Markus Radscheit, Technischer Leiter der Botanischen Gärten der Universität Bonn

„Man muss beachten, dass Forsythien immer am Holz des vorigen Jahres blühen“, erklärt Radscheit. Schneidet man die Triebe im Herbst zurück, entfernt man auch die blühfähigen Teile der Pflanze – und das Gelb bleibt im kommenden Jahr aus. Der Gartenbauingenieur rät daher zu einem Schnitt direkt nach der Blüte oder im Sommer.

Allerdings sollte man auch hier behutsam vorgehen und lieber kontinuierlich über mehrere Jahre immer ein wenig wegnehmen statt auf einmal richtig viel. „Grundsätzlich sollte immer nur ein Drittel der Zweige herausgeschnitten werden“, empfiehlt Radscheit. Aber vor allem bei den dicken, verholzten Ästen tief unten an der Basis lohnt sich die Pflegearbeit, da sie alt sind und kaum noch Blüten bilden.

Pflegeleichter Strauch

Grundsätzlich sollten Hobbygärtner vermeiden, die Büsche nur im oberen Bereich zu kappen. Sonst wachsen immer nur oberhalb der Schnittstelle neue, vitale Zweige und die Blüte bildet sich mit der Zeit über der Augenhöhe ihrer Besitzer. Dieser sogenannte Besenschnitt würde außerdem verhindern, dass sich der natürliche Habitus des Strauches entwickelt.

Forsythien gelten als pflegeleichte Gehölze. Sie haben auch wenig Ansprüche an den Boden. „Sie bevorzugen humusreiche, leicht saure Böden und freuen sich über eine lockere Mulchschicht“, erklärt Radscheit. Gut wachsen Forsythien in Bedingungen, die Wälder bieten. Das kann man im Garten nachahmen.

Wenn der Ast noch keine Blätter trägt, entfalten sich die Blüten der Forsythie. Dadurch kommen sie besonders intensiv zur Geltung. Foto: Andrea Warnecke/dpa
Wenn der Ast noch keine Blätter trägt, entfalten sich die Blüten der Forsythie. Dadurch kommen sie besonders intensiv zur Geltung. Foto: Andrea Warnecke/dpa

Dabei sollten Hobbygärtner auch auf eine passende Begleitvegetation achten, die neben ähnlichen Ansprüchen an den Standort farblich harmoniert. „Komplementär ergänzen blau blühende Frühlingsblüher das gelbe Blütenmeer der Forsythien“, sagt der Gartenbauingenieur. Er schlägt eine Unterpflanzung mit Traubenhyazinthen (Muscari armeniacum) vor. Auch Stauden wie Lungenkraut (Pulmonaria), Immergrün (Vinca minor) und Gedenkemein (Omphalodes) harmonieren mit den Sträuchern.

„Weißblühende Sträucher passen auch gut zu den gelben Forsythien“, ergänzt Radscheit. Zum Beispiel kann das ein Schneeball (Viburnum) sein, aber auch die Zierkirsche wie die kleinbleibende Sorte ‚Kojou-no-mai‘ (Prunus incisa). Sie wächst zum dichten Busch heran. Und an den Füßen bilden weiße Berganemonen (Anemone blanda) und weiße, niedrige Narzissen einen Blütenteppich.

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