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Baumart

Ein Bibel-Baum für den Bayerischen Wald

Der Klimawandel eröffnet der für seine Schönheit bekannten Libanon-Zeder Chancen, bei uns heimisch zu werden.
Von Petra Schoplocher

Wer diese Zedern – das Bild stammt aus einem botanischen Garten in Tschechien – sieht, kann verstehen, warum sie im Altertum als schönster Baum der Welt galt. Bei uns fühlt sie sich zusehends wohler. Foto: Schoplocher
Wer diese Zedern – das Bild stammt aus einem botanischen Garten in Tschechien – sieht, kann verstehen, warum sie im Altertum als schönster Baum der Welt galt. Bei uns fühlt sie sich zusehends wohler. Foto: Schoplocher

Cham.Ein Baum, der bei uns (noch) kaum in Erscheinung tritt und den dennoch jeder kennt? Nein, ein Ratespiel will Dr. Arthur Bauer nicht veranstalten, wenngleich ihm im Grunde auch dieses Mittel Recht wäre, um die (Libanon)Zeder bekannter zu machen. Denn auch sie könnte im Klimawandel in den Fokus rücken. Bisher war es der Libanon-Zeder – außer ihr werden gemäß ihrer Herkunft die Atlas- und Himalaya-Zeder unterschieden – schlicht zu kalt in hiesigen Gefilden, während sie – als bester Beweis– im etwas wärmeren Rheinland und um den Bodensee bereits seit dem 19. Jahrhundert vorkommt.

Zedern können über 1000 Jahre alt werden

Die Zeder steht für Frieden, Helligkeit und Ewigkeit, ist typisch für dieses Gebiet und wird deshalb auch oft in der Bibel genannt. Allein im Alten Testament findet sie in 18 Büchern und 40 Kapiteln über 100 Mal Erwähnung. In Psalm 92 Vers 13 ist geschrieben, dass „der Gerechte […] wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon“.

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Dieser Baum ist ein Zeuge der Zeiten

Mammutbäume werden in Kalifornien bis zu 3000 Jahre alt. Bei uns im Bayerwald könnte es ihnen bald gut gefallen.

Im Altertum galt sie wegen ihrer mächtigen Gestalt und ihres eindrucksvollen Erscheinungsbildes als „schönster Baum der Erde“. Über diese Schönheit hinaus wurde sie bevorzugt für die Errichtung prachtvoller Tempel und Paläste genutzt. Zwischen 2700 vor Christus bis ins erste Jahrhundert nach Christus war sie wegen der Dauerhaftigkeit des Holzes und ihrer Bearbeitbarkeit auch für den Schiffsbau erste Wahl. Wertvoll ist das Holz immer noch. Apropos Alter(tum): Zedern können über 1000 Jahre alt werden, ein Exemplar im Libanon soll sogar über 3000 Jahre alt sein. Imposant, zumal eine Dicke von vier Metern und eine Höhe von 40 Metern möglich scheint.

Keine besonderen Ansprüche an den Boden

Zedern stellen keine besonderen Ansprüche an den Boden, vertragen jedoch keine Staunässe. Besonders wohl fühlen sie sich auf kalkhaltigem Untergrund. Nachdem sie zwar in der Vergangenheit in Mitteleuropa unter den kalten Wintern zu leiden hatte, diese aber im Zuge des Klimawandels milder werden, könnte sie künftig besser zurechtkommen.

Unser Experte

  • Zur Person

    Dr. Arthur Bauer (58) stammt aus Regenpeilstein. Er studierte Forstwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ist seit Februar 2017 Leiter des Bereichs Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Cham.

  • Verbundenheit

    „Schon immer“ war Arthur Bauer gerne in der Natur, vor allem aber im Wald.

  • Beratung/Kontakt

    AELF Cham, Bereich Forsten. Ölbergstraße 3, Waldmünchen. Telefon (09972) 94 30 20

Könnte – Das möchte der Forstdirektor betonen. Denn genaue Prognosen sind natürlich nicht möglich. Aber südexponierte, trockene Lagen würden sich für eine Beimischung anbieten. Das Potenzial der Zeder hat auch das Bayerische Amt für Waldgenetik erkannt und Versuchsreihen gestartet, weiß Dr. Bauer. Die Zeder braucht sehr viel Licht, mag keine Konkurrenz und würde sich lieber einen frostgeschützten Standort wünschen. Das ist nämlich das, was ihr das Dasein bei uns noch vermiest.

Bekannt ist die Zeder auch für ihr Öl, das ebenso schon seit der Antike geschätzt wurde und noch heute als Basis vieler Duftmischungen dient. Und die Auflösung? Neben den biblischen Bekanntschaften ziert die Zeder die Flagge des Libanon...

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