MyMz

Natur

Weltbienentag: Bienen sind wählerisch

Wildbienen und andere Insekten bleiben bei manchem Blühstreifen hungrig. Das erläutern Wissenschaftler zum Weltbienentag.
Von Sabine Dobel

Eine Wildbiene sitzt auf einem Löwenzahn in einem Obsthain. Nicht alles, was bunt blüht, nährt die heimischen Insekten, mahnen Wissenschaftler anlässlich des Weltbienentages am 20. Mai. Foto: Jan Woitas/ZB/dpa
Eine Wildbiene sitzt auf einem Löwenzahn in einem Obsthain. Nicht alles, was bunt blüht, nährt die heimischen Insekten, mahnen Wissenschaftler anlässlich des Weltbienentages am 20. Mai. Foto: Jan Woitas/ZB/dpa

München.Auf Balkonen und in Vorgärten sprießt es derzeit in allen Farben, in Gartencentern und Baumärkten greifen Kunden zu Blühmischungen – nicht zuletzt das bayerische Volksbegehren „Rettet die Bienen“ hat die Menschen aufgerüttelt. Baden-Württemberg plant bereits ebenfalls ein Volksbegehren, in Nordrhein-Westfalen laufen Gespräche. Doch vielerorts darben die Insekten weiter, Wildbienen suchen vergeblich nach Nektar. Nicht alles, was bunt blüht, nährt die heimischen Insekten, mahnen Wissenschaftler anlässlich des Weltbienentages am 20. Mai. Die Vereinten Nationen haben den Tag 2018 ins Leben gerufen, um auf mehr Schutz der Bienen zu drängen.

Mehr Schlamperei wagen

Experten geißeln die deutsche Gründlichkeit mit akkuraten Rasenflächen und unkrautfreien Grünanlagen. „Ein bisschen mehr Schlamperei täte der Sache nicht schlecht“, sagt Gerhard Haszprunar, Direktor der Zoologischen Staatssammlung München und Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. „Es muss nicht immer alles picobello sein.“ Mähroboter, die durch deutsche Gärten surren, machen selbst Gänseblümchen den Garaus. Übrig bleibe „totes Grün“, kaum besser als Steingärten, die gerade in Mode sind. Auch Kommunen und Kleingartenvereine müssten ihre Vorschriften anpassen. „Viele Bestimmungen sind kontraproduktiv“, sagt Haszprunar. „Lasst das Gift weg, hört auf, euren Rasen zu düngen und jede Woche zu mähen. Lasst es blühen.“

Wildbienen sind wählerisch

Das Ökosystem ist komplex, Tiere und Pflanzen sind teils genau aufeinander abgestimmt. Manche Wildbienen brauchen eine ganz bestimmte Blüte, wie Manfred Klein, Leiter des Agrar- und Waldbereichs beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) erläutert. Von rund 560 Arten seien mehr als 41 Prozent in ihrem Bestand gefährdet. Anders als die Honigbiene als „Hausschwein der Imker“, die vom Menschen gezüchtet, mit Zuckerwasser über den Winter gebracht und mit Medikamenten gegen Krankheiten geschützt wird, lebt die Wildbiene nicht in Gemeinschaft und ist wählerischer bei der Nahrung.

„Was die Leute als Natur empfinden, ist oft vom Menschen gestaltet.“

Gerade die allerschönsten Blumen bieten für Bienen und andere Insekten – mehr als 33 300 Arten sind in Deutschland bekannt – oft keine Nahrung. „Das sind häufig gefüllte Blüten, bei denen Staub- und teils auch Fruchtblätter zu Blütenblättern umgewandelt sind“, sagt Andreas Fleischmann von der Botanischen Staatssammlung München. Viele gezüchtete Dahlien, Rosen, Garten-Chrysanthemen und viele Tulpen und Narzissen hätten zugunsten ihres hübschen Aussehens zurückgebildete oder keine Staubblätter und damit keine Pollen und keinen Nektar. „Wir reißen den Löwenzahn aus und pflanzen stattdessen eine gefüllte gelbe Dahlie. Weil wir das schön finden. Das hilft aber den Insekten nichts. Es ist, als würde man uns im Wirtshaus nur das Foto von einem Schweinsbraten vorsetzen“, sagt Fleischmann. „Was die Leute heute oft als Natur empfinden, ist vom Menschen künstlich gestaltet.“

Bei Blühmischungen gebe es große Unterschiede. Die besten mit vielen heimischen Samen sind oft teurer und wachsen langsamer als Mischungen mit einjährigen, fremdländischen Arten. Samen aus Südafrika und Amerika blühen rasch, helfen vielen hiesigen Insekten aber weniger. „Unsere heimischen Insekten passen zu unseren heimischen Pflanzen wie ein Schlüssel zum Schloss“, sagt Fleischmann.

Blütenreiche Wiesen fehlen
Klein nennt Blühstreifen an Feldrändern „einen Tropfen auf den heißen Stein“. Sie seien fast unnütz, wenn auf allen umgebenden Feldern weiter Pflanzenschutzmittel ausgebracht würden. „Was in der Breite fehlt, sind blütenreiche Wiesen und mehrjährige Brachflächen, auf denen drei oder fünf Jahre nichts passiert.“

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht