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Altbischof Manfred Müller ist tot

Im Alter von 88 Jahren ist der frühere Regensburger Bischof am Mittwoch in Mallersdorf nach langer Krankheit gestorben.

Der Regensburger Altbischof Manfred Müller ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Die MZ zeigt noch einmal besondere Momente seines Wirkens in Regensburg.

Regensburg.Regensburg trauert: Altbischof Manfred Müller ist am Mittwochvormittag im Alter von 88 Jahren in seinem Altersruhesitz im Kloster Mallersdorf gestorben. Das Bistum Regensburg veröffentlichte die Nachricht auf seiner Homepage und bat die Gläubigen um ihr Gebet. Auch ein digitales Kondolenzbuch wurde eingerichtet, in dass man sich hier eintragen kann.

Dompropst Wilhelm Gegenfurtner, Superior im Kloster Mallersdorf, hatte bis zuletzt engen Kontakt zu Manfred Müller, dem er in dessen Zeit als Bischof elf Jahre lang als Generalvikar zur Seite gestanden hatte. „Er war mir ein väterlicher Freund“, sagte er. Manfred Müller sei am Mittwoch gegen 11 Uhr im Mallersdorfer Altenheim friedlich eingeschlafen. Dort wurde er seit seinem Schlaganfall vor gut einem Jahr betreut. Klosterschwestern hatte ihn um dreiviertel elf Uhr in seinen Rollstuhl gesetzt. Als sie wieder kamen, um ihn die Mittagssuppe zu bringen, sei er bereits tot gewesen.

Seit Sonntag habe sich Müller zunehmend schwächer gefühlt, sagt Gegenfurtner. „Er hat gespürt, dass es zu Ende geht.“ Noch vergangene Woche habe Müller darüber gescherzt. „Jetzt ist Christi Himmelfahrt vorbei und ich bin immer noch da.“ Gegenfurtners Aufgabe war es am Mittwoch, einen Sarg für Müller auszusuchen. Er habe sich etwas „Bescheidenes und Einfaches“ gewünscht, sagt Gegenfurtner.

Schwester Ruth hatte sich seit 2002 im Mallersdorfer Kloster um den Bischof emeritus gekümmert – sie arbeitete für ihn als Sekretärin. Der Tod Müllers habe im Haus große Erschütterung ausgelöst. „Aber wir wissen, dass er darauf gewartet hat, dass ihn der liebe Gott zu sich holt. Wir freuen uns für ihn, dass er hat heimgehen dürfen.“

Müller sorgte für Trauergäste vor

Die Klosterschwester hatte Müller nach seinem Schlaganfall vor einem Jahr jeden Sonntagnachmittag im Altenheim besucht. Beim letzten Mal sei er sehr müde gewesen. Der Altbischof habe alles für seinen Todesfall geregelt gehabt. „Auch welches Messgewand er tragen will.“ Sogar um die Trauergäste hatte sich Müller gesorgt, wie er bereits früher einmal gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung sagte. Jeder soll – so sein letzter Wille – nach der Beerdigung eine Gulaschsuppe bekommen, um nicht hungrig nach Hause gehen zu müssen.

Bischof Rudolf Voderholzer, der tagsüber noch bei einer Sitzung der Glaubenskongregation in Rom gewesen war, kam am Abend zur Aussegnung nach Mallersdorf. Die Trauerfeier wird nächste Woche im Regensburger Dom stattfinden – frühestens am Mittwoch, wie es heißt. Der Altbischof soll in der Krypta zur ewigen Ruhe gebettet werden. Die Domspatzen werden das Pontifikalrequiem mitgestalten – Schüler unterbrechen dafür ihre Pfingstferien. Spekuliert wurde am Mittwoch, dass Kardinal Reinhard Marx oder Kardinal Friedrich Wetter zur Trauerfeier kommen. Müller und Wetter kannten sich gut.

Müller war von 1982 bis 2002 Bischof von Regensburg. Er war bei den Gläubigen wegen seiner freundlichen Art sehr beliebt. „Die Wahrheit in Liebe verkünden“ wählte Müller als seinen Bischofsspruch. In seiner Zeit als Regensburger Bischof erlebte er in den 1980er Jahren stürmische Zeiten wegen der damaligen Planungen für die atomare Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf. Müller hatte versucht, eine neutrale Position zwischen den Kernkraftgegnern und den Befürwortern der Atomenergie einzunehmen. Dafür war er von den Anti-WAA-Aktivisten heftig kritisiert worden. Teilweise hatten auch Priester am Bauzaun gegen die Atomanlage protestiert.

Bei einem anderen heiklem Thema positionierte er sich Ende der 1990er-Jahre dann klar. Als die Kirche den Ausstieg aus der gesetzlichen Schwangerenkonfliktberatung beschloss, war Müller dagegen und sprach sich für einen Verbleib im System aus.

Eine Haltung, die ihm bis heute hoch angerechnet wird. Landtagspräsidentin Barbara Stamm reagierte tief betroffen auf die Todesnachricht. „Er war mein Lieblingsbischof. Ich habe ihn hoch verehrt. Er war mir ein treuer Wegbegleiter, auch in schwierigsten Zeiten“, sagte sie mit Blick auf die Debatten um die kirchliche Schwangerenkonfliktberatung – Stamm war damals bayerische Sozialministerin. Sie habe sich über jede Begegnung mit Müller gefreut, so die CSU-Politikerin. „Er war ein guter, verlässlicher und vertrauensvoller Mensch und hat mir immer Mut gemacht.“

Mit kritischen Laien in seiner Kirche suchte Müller den Konsens. „Bischof Manfred Müller war ein liebenswürdiger Hirte, der seine Gemeinde kannte und respektierte. Ich habe selbst erlebt, wie er den Diözesanrat zum Beispiel bei der Pastoralen Planung 2000 in die Pflicht nahm und als ernst zu nehmenden Partner in Entscheidungen einbezog. Leider hat sein Nachfolger das alles ignoriert. Solche Bischöfe wie Manfred Müller sind rar geworden. Sein Tod tut mir sehr leid, umso mehr, als wir bis zum Schluss schriftlich in einem freundschaftlichen Kontakt gewesen sind“, sagte der ehemalige Vorsitzende des Diözesanrates, Fritz Wallner.

Er blieb Schule und Erziehung verbunden

Müller wurde am 15. November 1926 in Augsburg geboren. Dort besuchte er die Volksschule und das Gymnasium, bis er 1943 zunächst als Flak-Helfer, dann als Soldat eingezogen wurde. Nach dem Krieg studierte er am Herzoglichen Georgianum an der Universität München Theologie. Das Wirken Müller war seit seiner Priesterweihe im Jahr 1952 eng mit Fragen der Schule und des Religionsunterrichtes verknüpft. Das blieb auch so, als zum Regensburger Oberhirten geweiht wurde.

Auch als Weihbischof in Augsburg und später ab 1982 als Bischof von Regensburg blieb Manfred Müller Fragen der Schule und der Erziehung besonders verbunden. In Regensburg trägt seit 2001 eine Grund- und Mittelschule seinen Namen, deren Aufbau er massiv mit angeschoben hatte. „Sein Tod ist für uns ein großer Schlag“, sagte der Rektor der Bischof-Manfred-Müller-Schule Konrad Wacker. „Er war für uns immer ein enger Begleiter und hat mit seiner vertrauensvollen und liebenswürdigen Art die Schule mitgeprägt.“ Müller hatte zum Aufbau der Schule 100 000 Euro aus seinem Privatvermögen gestiftet.

Landtagspräsidentin ist tief betroffen

Müller habe sich der Anliegen und Sorgen der jungen Menschen angenommen, würdigte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch den Verstorbenen als „bayerischen Schulbischof. Bischof Manfred Müller hat sich um Bildung und Wissenschaft besondere Verdienste erworben und war ein herausragender Förderer des kirchlichen Schulwesens in seiner eigenen Diözese und weit darüber hinaus“.

Rudolf Voderholzer, Bischof von Regensburg, erklärte: „Sein bischöflicher Wahlspruch lautete: ,Die Wahrheit in Liebe verkünden‘. Dieses Motto zieht sich wie ein roter Faden durch sein bischöfliches Wirken. Als Bischof von Regensburg war es ihm immer ein Anliegen, menschennah, gütig und liebenswürdig die Botschaft Jesu zu verkünden. Er suchte das Gespräch mit den Menschen, und freute sich über jede Gelegenheit des Austausches.“

Der Präsident des Zentralkomitees der Katholiken, Alois Glück, sagte: „Ich habe ihn als einen Menschen in Erinnerung, der in seinem Bischofsamt ganz Seelsorger war.“ Müller habe im Schulwesen und in der Jugendarbeit viele Impulse gesetzt „und Wege geöffnet“.

Kinder der Bischof-Manfred-Müller-Schule, die dem Altbischof so sehr am Herzen lagen und die er zuletzt kurz nach seinem 85. Geburtstag zu einer fröhlichen Feier in der Turnhalle besucht hatte, werden nun seine Beerdigung mitgestalten. Wie Rektor Wackererzählt, hatte sich der Verstorbene gewünscht, dass sie zum Abschied für ihn das Lied vom „Guten Hirten“ singen. (ig/is)

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