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Der Club der Chamer Düsentriebs

Clevere Bürsten und Trolleys im Schlepptau: Junge Chamer knacken Alltagsprobleme. Das machte auch das Patentamt hellhörig.
Von Michael Gruber

Im zweiwöchigen Wechsel treffen sich junge und fortgeschrittene Tüftler im Erfinderclub unter der Leitung von Robert Wagenbrenner. Foto: Gruber
Im zweiwöchigen Wechsel treffen sich junge und fortgeschrittene Tüftler im Erfinderclub unter der Leitung von Robert Wagenbrenner. Foto: Gruber

Cham.Meist sind es die unverhofften Launen der Natur, die den Erfindergeist in klugen Köpfe wecken. Im Fall von Isaac Newton reichte ein Apfel, der von oben kam – bei Philipp Kaiser war es ein heftiges Gewitter. Seine Großmutter stand im Badezimmer und föhnte sich die Haare, als der Blitz einschlug. Omas Stromfrisur brachten den jungen Gymnasiasten ins Grübeln: Was könnte die Haare in Form bringen, ohne dass elektrische Ladungen auf Irrwege geraten?

Mit ihrer Rundbürste möchten Philipp Kaiser (10), Adrian Fink (11) und Florian Groitl (10) das Haarekämmen vereinfachen. Für den „engagiertesten Vortrag“ erhielten sie den Sonderpreis. Foto: Gruber
Mit ihrer Rundbürste möchten Philipp Kaiser (10), Adrian Fink (11) und Florian Groitl (10) das Haarekämmen vereinfachen. Für den „engagiertesten Vortrag“ erhielten sie den Sonderpreis. Foto: Gruber

Eine Lösung musste her, da blieb Philipp hartnäckig, und mit dieser Einstellung stieß der Waldmünchener im Erfinderclub des Chamer Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasiums auf die richtigen Kollegen. Dort sah auch sein Klassenkamerad Adrian Verbesserungsbedarf beim Thema Haarpflege. „Meine Schwester hat immer gejammert, wenn sich ihre Haare in der Bürste verfangen haben.“

Also gründeten die jungen Erfinder mit Florian Groitl ein Team, um die Gefahrenquellen in der Welt der Frisuren zu entschärfen. Der Name: „Borsti, die clevere Bürste!“ So tauft Philipp die neu entwickelte Rundbürste, mit der die drei Forscher beim diesjährigen Regionalwettbewerb „Jugend forscht“ in Neumarkt angetreten sind. Die Borsten der Rundbürste sind einziehbar – und anders als bei bisherigen Produkten auf dem Markt funktioniert das komplett ohne Strom. Den Prototypen haben sie vorerst mit einfachsten Mitteln gebastelt. Dafür haben die drei Schüler einen Röhrenaufsatz aus Drahtmaschen über eine Kaminbürste gestülpt.

Sonderpreis als Motivation

Konstantin Schmiedl (14) entwarf einen Fahrradständer, der die Speichen abriegelt, sobald er ausgefahren wird. Der Schlüssel kommt erst beim Losfahren zum Einsatz – eine Erfindung für Vergessliche. Foto: Gruber
Konstantin Schmiedl (14) entwarf einen Fahrradständer, der die Speichen abriegelt, sobald er ausgefahren wird. Der Schlüssel kommt erst beim Losfahren zum Einsatz – eine Erfindung für Vergessliche. Foto: Gruber

Wird der Aufsatz nach unten verschoben, lassen sich verfangene Haare so ganz schmerzfrei befreien, wie Florian Groitl stolz auf seinem eigenen Kopf demonstriert. „Wir arbeiten derzeit an einer verbesserten Version“, berichtet Philipp. „Dafür möchten wir die Borsten an kleinen Pleuelstangen befestigen. Eine Vierteldrehung soll reichen, damit die Borsten verschwinden.“

Als Motivationsspritze dürfte den jungen Erfindern der Sonderpreis dienen, den sie von der Jury für ihr Projekt bekommen haben. Die Rundbürstenmacher wurden für den „engagiertesten Vortrag“ ausgezeichnet. Eifrigen Pioniergeist versprühen die drei Tüftler auch im Werkraum: „Wenn sich unsere Rundbürste im Landkreis vermarkten ließe, wäre das wirklich nice“, rührt Adrian die Werbetrommel. Philipp interpretiert seine Erfinderberufung dagegen schon ein wenig wissenschaftlicher. „Es macht Spaß eine Lösung für Probleme zu finden, die Menschen im Alltag haben.“

„Wenn sich unsere Rundbürste im Landkreis vermarkten ließe, wäre das wirklich nice.“

Adrian

Junges Erfindergespann

Die Zwillinge Lukas und Felix Dauerer (12) entwickelten eine Fahrrad-Anhängerkupplung für Einkaufstrolleys. Die Jury von „Jugend forscht“ zeichnete die Brüder dafür mit der Silbermedaille aus. Foto: Gruber
Die Zwillinge Lukas und Felix Dauerer (12) entwickelten eine Fahrrad-Anhängerkupplung für Einkaufstrolleys. Die Jury von „Jugend forscht“ zeichnete die Brüder dafür mit der Silbermedaille aus. Foto: Gruber

Diese kleinen Tücken im Alltag trieben auch den Dauerer-Zwillingen aus Mitterkreith regelmäßig den Schweiß auf die Stirn. Sie taten das, was die meisten Schüler tun, wenn sie der Affenhitze während der Sommerferien entfliehen wollen: Rauf aufs Mountainbike und ab an den Badeweiher. Badehose, Liegematte und Spezi kommen in den Rucksack – doch war dieser Ballast den Zwillingen schon länger ein Dorn im Auge.

Bis ihnen ein verstaubter Einkaufstrolley in die Finger kam, mit dem sich ihre Großmutter nicht so recht anfreunden mochte. Die beiden Tüftler rüsteten ihre Mountainbikes mit einem Gepäckträger auf und montierten an dessen Ende eine kleine Eisenplatte mit einer Rohrschelle. Damit lässt sich der Trolley wie ein Anhänger ans Rad spannen und bis zu einem Winkel von 88 Grad neigen: „Es hält den Griff wie eine Hand fest“, sagt Lukas Dauerer, „und der Trolley ist viel günstiger als ein Fahrradanhänger. Weil die können ja schon mal 400 Euro kosten.“

Michaela Althammer (12) ekelt sich vor Spinnen, sie umzubringen, kommt für die Schülerin aber nicht in Frage. Mit ihrer Lebendfalle für Insekten lassen sich die unliebsamen Gäste schonend einfangen. Foto: cmg
Michaela Althammer (12) ekelt sich vor Spinnen, sie umzubringen, kommt für die Schülerin aber nicht in Frage. Mit ihrer Lebendfalle für Insekten lassen sich die unliebsamen Gäste schonend einfangen. Foto: cmg

Mit diesem Einfall konnten die beiden Siebtklässler auch die Jury des „Jugend forscht“-Wettbewerbs begeistern. In der Kategorie „Jugend experimentiert“ erhielten sie für ihre Fahrrad-Anhängerkupplung für den Einkaufstrolley die Silbermedaille. Das Gebrauchsmuster ihrer Erfindung bekam sogar einen Eintrag beim Patentamt.

Ein weiterer Vorteil der Dauerer-Kupplung: Der Gepäckträger bleibt frei. „Es braucht auch keine störenden Backentaschen mehr, damit man den Reiseproviant unterbringt“, sagt Felix. Das hat sich bei ihrem ersten Praxistest bestätigt: Im Sommer tourte das Zwillingsgespann mit den Eltern drei Tage von Regensburg nach Passau. „Da waren wir froh, Getränke dabei zu haben. In manchen Einöden wären wir sonst verdurstet, weil es da einfach keine Supermärkte gab.“

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