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Ermittlungen

G7: Oberpfälzer droht mit Anschlag

Neutraublinger verursacht posthum durch einen Drohbrief umfangreiche Ermittlungen: Er habe in Elmau Kampfstoffe platziert.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Im Schloss Elmau arbeitete der Oberpfälzer bei den Innenausbauten mit. Dort will er einen chemischen Kampfstoff in den Treppen verbaut haben. Die Behörden gehen aber „nicht von einer konkreten Gefährdungslage aus.“Foto: dpa

Regensburg.Das Schreiben trägt im Briefkopf noch die Firmenanschrift des selbstständigen Schreinermeisters aus dem Landkreis Regensburg. Doch als der Brief am 10. Mai im Briefpostzentrum Nürnberg abgestempelt wird, ist der 42-Jährige seit mehreren Wochen tot. Gestorben bei einem Autounfall in der Osternacht. Er war gegen einen Baum gefahren. „Nun melde ich mich allerdings noch einmal posthum, um das begonnene Werk fertigzustellen“, heißt es in dem Brief, den der Mann an die Mittelbayerische Zeitung und „diverse Personen“ geschickt hat.

Damit hat er Polizei und Staatsschutz in Alarmbereitschaft versetzt. Denn der Schreiner, der als Subunternehmer an den Umbauarbeiten für den bevorstehenden G7-Gipfel auf Schloss Elmau beteiligt war, behauptete in seinem Schreiben, für das Treffen der Staats- und Regierungschefs einen Anschlag mit Giftgas vorbereitet zu haben. Die Behörden, die bereits seit dem Tod des Mannes von dessen angeblichen Plänen wussten, führten deshalb mit großem Aufwand – unterstützt von Experten des Landeskriminalamtes – in den vergangenen Tagen eine Reihe von Untersuchungen durch, wie Hans-Peter Kammerer vom Planungsstab G-7-Gipfel der MZ am Montagabend mitteilte. „Wir sind zu der Einschätzung gekommen, dass es nie eine Gefährdungslage gab.“

Auf Hochtouren ermittelt

Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der Mann in einem psychischen Ausnahmezustand befand, als er die Briefe verschickte und sich dann das Leben nahm. Sicher ist, dass der Mann tatsächlich in Elmau arbeitete und auch ein Aufenthalt in Kanada, den er in seinem Brief erwähnte, entsprach der Wahrheit. Dass der Mann bei diesem Aufenthalt aber tatsächlich einen chemischen Kampfstoff besorgt hat, entsprang nach Ansicht der Behörden seiner Fantasie. „Weißer Staub in 16 Ampullen. Die Giftigkeit wurde mir eindrucksvoll bewiesen“, behauptete er in dem Brief. Das Gift will der Mann in Schloss Elmau in den Treppen verbaut haben. Die Böden, die durch den Mann verlegt wurden, seien einer eingehenden Untersuchung unterzogen worden. Dabei sei nichts gefunden worden, sagte Pressesprecher Kammerer.

„Etwas, das ein Paukenschlag wird“

Was den Schreinermeister zu den schwerwiegenden Drohungen und seinen Suizid veranlasste? „Legen Sie TTIP offen und lassen Sie das Volk entscheiden“, forderte er in dem Schreiben an die MZ. Und weiter: „Da nach meiner Meinung in diesem Staat einiges schiefläuft, kam mir der Gedanke, da muss doch etwas zu machen sein. Etwas, das zu einem Paukenschlag wird.“

Die Ermittler haben nichts gefunden, was auf einen Anschlag hindeutet. Die Untersuchungen sind inzwischen fast abgeschlossen.

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