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Kolumne

Amo te, Universitas Ratisbonae

Nährende Mutter und holde Beton-Maid: so bezeichnet unser Autor die Universität Regensburg in seiner Liebeserklärung.

Als „holde Beton-Maid“ bezeichnet unser Autor die Universität Regensburg.
Als „holde Beton-Maid“ bezeichnet unser Autor die Universität Regensburg. Foto: Knobloch

Regensburg.Alles fließt, dachte ich, als sich der Inhalt meines Kaffeebechers über den Pullover der Person verteilte, die im H3 vor mir saß. „Au, du Arsch“, verlautbarte sie. Doch ehe ich mich entschuldigen konnte, wurde mir bewusst wie unsinnig diese Unternehmung sein würde und ich verließ den Raum. Tausend Blicke bohrten sich in meinen Rücken, doch sie bedeuteten mir nichts, da mein Herz weinte; weinte vor Trauer und Einsamkeit.

Dabei war ich gar nicht so einsam, sie ist ja immer da. Der graue Beton drückte meine Stimmung, der unebene Boden zeichnete die Wallungen meiner Seele nach und die Tropfen, die von der Decke unserer Alma Mater fielen, hätten auch meine Tränen sein können. Ja, die Uni weinte und ich weinte innerlich mit ihr. Denn ich war verliebt.

Sie war leider schon etwas älter als ich, sie war in ihren Fünfzigern, doch das kümmerte mich nicht, da sie sich um mich sorgte wie keine zweite Frau in meinem Leben bisher. Ja, ich war verliebt, nicht etwa in eine Person, sondern in sie: unsere Universität. Ich wollte so gerne ganz sachte die Klinke der Türe zum Audimax-Gebäude streifen, doch da öffnete sie schon von ganz alleine ihre Pforten, als ob sie bereits ahnte, wohin ich gehen wollte. In die Freiheit wollte ich gehen: auf den Campus; den kalten, aber doch mich wärmenden Leib meiner Geliebten. Die Erinnerungen an die Zeiten vor meinem Studentendasein sind so grau und verschleiert, fast genauso wie der Teich hinter der Kugel im Moment

auch. Was tat ich bisher in meinem Leben? Die Schlange vor der Mensa war schon wieder bis vor das Studentenhaus gewachsen, doch auch das bereitete mir keinen Kummer. Sie nährt mich ja schon genug, die gütige, alte Frau, die schon grau war, als sie geboren wurde. Sie beschenkt mich semesterlich mit Erstitüten, Gutscheinen und Blöcken. Ihre Fassade zieren bunte Kleider, die das tolle Angebot der örtlichen Discotheken anpreisen mit hübschen Frauen, die leckere Schnäpse trinken. Doch diese Photoshop-Kurtisanen – ich empfinde nichts für diese liederlichen Marketingtricks, da ich nur Augen für meine holde Beton-Maid habe. Der Wind strich mir durch das Haar und umspielte es sanft, und ich flüsterte in den grauen Äther des Himmels: „Amo te, Universitas Ratisbonae!“

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