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Kolumne

Bloß nicht den Anschluss verlieren

Statt sich in Ruhe um ihr Baby zu kümmern, besuchen studentische Mütter und Väter oft Vorlesungen, kritisiert unser Autor.

Ein Vater füttert sein Baby mit Brei.
Ein Vater füttert sein Baby mit Brei. Symbolbild: dpa

Regensburg.Ich rasiere mich nur einmal in der Woche, weil ich auch nur einmal in der Woche zur Uni gehe. Ich muss zur Uni, weil, so sagte man mir, ich sonst den Anschluss verlöre. Mein Sechstagebart kratzt an meinem Baby, aber das ist auch gleichsam meine letzte Möglichkeit, mein letzter Widerstand, mein letzter Protest gegen das Baby, durch das mein mir aufgezwungener Uni-Aufenthalt zu einer Peinlichkeit erniedrigender Art verkommt. Wieso? Weil ich sonst den Anschluss verlöre, so sagte man mir! Was ist das? Eine angeratene Peinlichkeit. Ich dusche nur noch einmal die Woche, weil die Uni das so will. Anstatt reinlich zu glänzen, glänze ich im Seminar. Das ist schön.

Aber das ist auch wichtig. Ich sehe Frauen mit Kindern in den Vorlesungen stehen, weil die Uni das so will. Warum? Weil es gut ist! Inwiefern? Sie verlieren dadurch den Anschluss nicht.

Mein Baby zahnt und ich verliere den Anschluss, mein Baby auch. Das ist der Lauf der Dinge, die Uni frisst ihre Kinder! Ich denke, das ist so gewollt. Anstatt in Ruhe die gemeinsame Zeit zu genießen, verlieren mein Baby und ich den Anschluss. Weil es gut ist. Anstatt in Ruhe zu stillen, laben sich die Mütter am vollen Busen der Alma Mater und manchmal verenden sie. Vielleicht. Ich weiß es nicht, nur dass mein Bart kratzt an meinem Baby. Und mein Protest trifft nicht mein Baby, denn der Gestank und der schmähliche Anblick meiner unrasierten Fratze trifft vor allem – die Uni.

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