MyMz

Kolumne

Brave New Campus: Eine Dystopie

McMensa und CampusCasino: Unser studentischer Autor wirft einen Blick ins Jahr 2025. In dieser Zukunft regiert das Marketing.

In der PT Cafeteria hängt ein großes Werbebanner.
In der PT Cafeteria hängt ein großes Werbebanner. Archiv-Foto: Knobloch

Regensburg.Wir schreiben das Jahr 2025. Die alleinige Vermarktung des Campus liegt nun seit mehr als einer Dekade in den Händen eines einzigen Marketingunternehmens. Ende 2016 wurde dessen Befugnis von der Universitätsleitung auf alle Aktivitäten, die sich auf dem Gelände der Universität Regensburg abspielen, erweitert.

Es ist gerade Nacht, doch der Campus erstrahlt in bunten Farben, denn riesige neonfarbene Werbetafeln zieren alle Gebäude der Bildungsanstalt: Über der Verwaltung schwingt ein grell leuchtender Unipräsident im Cowboyoutfit auf einem Pferd sitzend ein Lasso und raucht eine Marlboro-Zigarette. Daneben verweist ein rotblinkender Pfeil auf die Stelle, wo früher der Hechtbauer war. Heute befindet sich dort das CampusCasino (TM). Einigen kostete diese Spielhölle bereits ihr Studium, da sie spielsüchtig wurden und ihr gesamtes BAföG verzockten. Somit konnten sie den neu eingeführten obligatorischen Auslagenersatz, der 30 Euro für jede Semesterwochenstunde beträgt, nicht bezahlen und wurden exmatrikuliert, weil sie einfach keine ECTS-Punkte mehr einbuchen konnten. Nichtsdestotrotz mangelt es der Uni im Moment nicht an Studierenden, da es wieder einmal einen doppelten Abiturjahrgang gibt, weil der G4 und G5 heuer zusammenfällt.

Am nächsten Morgen: Jochen H. erscheint pünktlich um 8.15 Uhr zu seiner Vorlesung „Einführung in die Herstellung von Sitzbänken“, da er sich letztes Semester für den dualen Studiengang „Tischler“ (Bachelor of Carpentry) immatrikuliert hat, und sucht seinen Sitzplatz mit der Nummer A24 im AOK-Hörsaal, den er sich via Online-Reservierung gesichert hatte. Dies kostet zwar 12 Euro im Semester, aber das ist immer noch besser als auf der Treppe zu sitzen wie so viele der anderen Kursteilnehmer. Der Professor, Lehrstuhlinhaber für „Creative Möbeldesign“ betritt den Raum, und sein Anzug, der von Hugo Boss gesponsert wurde, sitzt perfekt. Während er seine PowerPoint-Folien vorliest, überlegt Jochen, ob er in der freien Zeit nach der Stunde einen Burger in der McMensa essen oder doch lieber eine Stunde in der Bib lernen sollte. Zum Glück kann man in letzterer nun auch mit dem Studierendenausweis bezahlen. Da hinkte die Bibliotheksverwaltung die letzten Semester noch etwas nach, doch das hat sich nun zum Glück gebessert.

Nachdem sich Jochen letztendlich für den Burger entschieden hat, schlendert er zur Mensa, vorbei an den Ständen der Anbieter von Smartphone-Tarifen. Er nimmt an einem einzelnen freien Tisch Platz und verschlingt das Sparmenü. Er schaut umher und sieht die anderen braven Alpha-Plus-Studierenden fröhlich tratschen und lachen. Die Epsilon-Kommilitonen haben – Karl Rapp sei Dank – hier nichts zu suchen. Heute wird ein guter Tag...

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht