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Das Ungarische Institut wird 50

2009 zog die Einrichtung von München nach Regensburg. Im Zusatzstudium Hungaricum können Studenten seither ungarische Sprache und Kultur kennenlernen.
Von Louisa Knobloch, MZ

Dr. Zsolt Lengyel ist der Direktor des Ungarischen Instituts, das sich seit 2009 in Regensburg befindet. Foto: Knobloch

Regensburg. Bücher, wissenschaftliche Arbeiten, umfangreiche Korrespondenzen – der Nachlass von Thomas von Bogyay wird Dr. Zsolt K. Lengyel wohl noch einige Jahre beschäftigen. Derzeit arbeitet Lengyel, der Direktor des Ungarischen Instituts, unter anderem an einer Biografie über den Institutsgründer Bogyay. 1963, vor genau 50 Jahren, wurde der Verein Ungarisches Institut München beim Münchner Amtsgericht offiziell eingetragen. Dieses Jubiläum feiert das Institut am 5. Juni unter anderem mit der Eröffnung einer Ausstellung zur ungarischen Literatur im unteren Foyer der Universitätsbibliothek Regensburg.

Damals wie heute beschäftigt sich das Institut mit der Geschichte, Politik, Kultur und Sprache Ungarns. Die Schwerpunkte haben sich im Lauf der Zeit aber etwas verschoben. „Zunächst war das Institut unter exilungarischer Leitung“, sagt Lengyel. Neben der wissenschaftlichen Forschung über Ungarn und seine Nachbarn sei damals auch die kulturelle Ansprache des ungarischen Exils in Deutschland ein wichtiges Ziel gewesen. 1968 übernahm mit Georg Stadtmüller ein Deutscher die Leitung des Instituts, das Programm wurde auf das Ziel der wissenschaftlichen Forschung eingegrenzt.

Hatte zunächst der Bund das Institut finanziert, wurde es 1972 vom Freistaat Bayern übernommen. Seit dem Jahr 2000 beteiligt sich auch Ungarn an der Finanzierung. Ab dieser Zeit wurde das kulturelle Veranstaltungsangebot wieder ausgebaut. 2009 erfolgte der Umzug des Ungarischen Instituts nach Regensburg, wo es an das Wissenschaftszentrum Ost- und Südosteuropa (WIOS) angeschlossen ist.

Die sechs Mitarbeiter forschen zu historiographischen, landeskundlichen oder politologischen Themen – etwa zum Minderheitenschutz, zur Verwaltungsgeschichte des österreichischen Neoabsolutismus in Ungarn 1849-1860, zur Euroregion Donau-Kreisch-Marosch-Theiß oder zu dem ehemaligen Mitarbeiter von Radio Free Europe, Gyula Borbándi. Mit den Reihen „Studia Hungarica“ (seit 1964) und dem Ungarn-Jahrbuch (seit 1969) werden zwei Publikationen herausgegeben. Das Ungarische Institut verfügt außerdem über eine Bibliothek mit etwa 20.000 Titeln. Geplant ist, eine Privatbibliothek mit rund 1700 Titeln zu übernehmen, die hauptsächlich ungarische Belletristik in deutscher Sprache enthält. „Das wäre eine wertvolle Bereicherung für unsere Sammlung“, sagt Lengyels Kollege Dr. Ralf Thomas Göllner.

Seit 2010 bietet die Universität Regensburg in Zusammenarbeit mit dem Institut das zweisemestrige Hungaricum an, eine studienbegleitende Zusatzausbildung in ungarischer Sprache und Landeskunde. Auch Veranstaltungen zu Ungarn werden vom Institut in Kooperation mit Partnereinrichtungen regelmäßig organisiert. Am Freitag, den 26. April, findet im WIOS (Landshuter Str. 4, Raum 319) eine öffentliche Tagung mit dem Titel „Ungarn drei Jahre nach dem Regierungswechsel: Politik, Kultur, Gesellschaft“ statt. Dabei geht es unter anderem um die neue Verfassung Ungarns.

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