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Psychologie

Der Beweis: Das Auge isst mit

Die Farbe von Lebensmitteln beeinflusst den Geschmack. Regensburger Forscher untersuchten, was hinter dem Phänomen steckt.
Von Louisa Knobloch

Die Versuchsteilnehmer bekamen Flüssigkeiten in verschiedenen Farben vorgesetzt, die entweder zum Aroma passen oder aber nicht. Foto: Julia Zacher

Regensburg.Essen ist ein sehr sinnliches Erlebnis: Wir riechen, schmecken – und wir sehen, was wir da vor uns haben. „Das Auge isst mit“, heißt es nicht ohne Grund. „In vielen Studien wurde bereits nachgewiesen, dass die Farbe eines Lebensmittels oder Getränks den Geschmack beeinflusst“, sagt PD Dr. Tina Plank, die am Lehrstuhl für Psychologie I der Universität Regensburg arbeitet. So empfanden Probanden ein Getränk mit Kirschgeschmack als umso süßer, je kräftiger dessen rote Farbe war. Andere hielten Wasser, das in blauen Gläsern serviert wurde, für erfrischender.

Geschmack statt Geruch

Ein Team von Wahrnehmungspsychologen um Plank und Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Mark W. Greenlee wollte nun herausfinden, welcher Mechanismus hinter diesem Phänomen steckt. Dazu gibt es in der Forschung zwei Theorien. „Es geht darum, auf welcher kognitiven Ebene die Farbe die Geschmackswahrnehmung beeinflusst“, erläutert Plank. Einer Theorie zufolge werden verschiedene Sinneswahrnehmungen schon auf einer frühen Ebene zu einem Gesamteindruck verknüpft. Eine andere Theorie besagt hingegen, dass die Farbe Assoziationen weckt und so Erwartungen an einen bestimmten Geschmack abgerufen werden. In diesem Fall wären bereits höhere kognitive Prozesse am Werk.

Bei ihrem Experiment orientierten sich die Regensburger Forscher an einem ähnlichen Versuch von 2008, mit dem die Wissenschaftler Stevenson und Oaten die Wechselwirkung zwischen Farben und Gerüchen untersucht hatten. Die 90 Teilnehmer erhielten jeweils drei Gläser mit einer Flüssigkeit. Zwei der drei Flüssigkeiten hatten dabei das gleiche Aroma, zum Beispiel Kirsche, die dritte ein anderes, zum Beispiel Erdbeere. Die Probanden sollten nun der Reihe nach die drei Flüssigkeiten probieren und dann entscheiden, welches Glas das unterschiedliche Aroma enthielt. Neben Kirsche und Erdbeere wurde außerdem Zitrone und Grapefruit als zweites Geschmackspaar verwendet.

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Die Farbe der Getränke war entweder farblich passend (kongruent) zum Aroma, also rot für Kirsche und Erdbeere sowie gelb für Zitrone und Grapefruit, oder sie war unpassend (inkongruent). In diesem Fall wurde das Erdbeer- und Kirscharoma in gelber Flüssigkeit gereicht und das Zitronen- und Grapefruitaroma in grüner Flüssigkeit. Zur Kontrolle führten die Forscher auch Durchgänge mit einer farblosen Flüssigkeit durch.

Bei der Hälfte der Teilnehmer kam noch eine weitere Erschwernis dazu: Sie sollten zwischen dem Probieren der einzelnen Gläser und in der Zeit, bis sie ihre Entscheidung notiert hatten, ständig laut das Wort „das“ wiederholen. Dabei handelt es sich um eine sogenannte artikulatorische Suppressionsaufgabe (articulatory suppression task, AST). „Damit haben wir den Verbalisierungsprozess der Teilnehmer gestört“, sagt Plank. Es sollte also unterbunden werden, dass die Teilnehmer ihre Erwartung, die sie aufgrund der Farbe des Getränks an dessen Geschmack haben, innerlich in Worte fassen – bei einem roten Getränk also beispielsweise „Erdbeere“.

„Das“-Sager schnitten besser ab

Können Probanden ihre Erwartungen dagegen ungehindert verbalisieren, könnte das Einfluss auf das wahrgenommene Aroma nehmen. Passt dann die Farbe nicht zum Geschmack des Getränks, sollte es den Teilnehmern schwerer fallen, im Experiment die richtige Entscheidung zu treffen. Das legte zumindest der ähnlich aufgebaute Versuch mit den Gerüchen nahe. „In unserem Versuch erleichterte eine zum Geschmack kongruente Farbe die Entscheidung bei dieser Gruppe dagegen nicht“, sagt Plank. „Das ist ein Widerspruch, den wir nicht auflösen konnten.“ Eine andere Hypothese konnten die Forscher dagegen bestätigen: Die Probanden, die die Suppressionsaufgabe durchführten, schnitten besser ab: sie entschieden sich schneller und machten insgesamt weniger Fehler. Das spricht dafür, dass höhere kognitive Prozesse beteiligt sind, wenn es um Farbe und Geschmack geht.

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