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Studium

Der Bund fürs Leben – Studentenverbindungen

Das Thema Studentenverbindungen wird kontrovers diskutiert. Viele verbinden damit merkwürdige Traditionen und viel Bier.

Traditionen und Rituale nehmen in Studentenverbindungen eine große Rolle ein. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

München. Die Szenen gehören zu jedem Semesterbeginn: Verbindungsleute sind mit ihren typischen Farben und den schnieken Uniformen auf dem Campus unterwegs, diskutieren angeregt, versuchen neue Mitglieder zu gewinnen. Hinter den Türen der Korporationen tut sich eine Welt aus Traditionen und Pflichten auf, die vielen Studenten fremd ist. Wer sich darauf einlässt, findet nicht nur feste Strukturen, sondern mitunter auch lebenslange Kontakte, sagen die Befürworter von Studentenverbindungen.

Studentenverbindungen haben für das Leben an der Uni in erster Linie einen sozialen Charakter, sagt Wolfgang Braun vom Cartellverband der katholischen Studentenverbindungen (CV) mit Sitz in München. „Für viele Mitglieder sind sie die erste Anlaufstation an Massenuniversitäten in einer fremden Stadt.“ Von Bedeutung sei dabei auch, ob man in eine beliebige Verbindung eintrete oder eine Korporation wähle, zu der man bereits einen persönlichen Bezug hat.

Psychischer Druck durch vorgegebene Einstellungen

„Die Einstellung vieler Studentenverbindungen ist sexistisch und antifeministisch, das Menschenbild insgesamt fragwürdig“, sagt dagegen Salome Adam vom Freien Zusammenschluss der Studentinnenschaften (FZS), dem Dachverband der Asten in Deutschland. Männlich, stark, dominant, erfolgreich – so sähen sich die Verbindungsmitglieder. Für Neulinge in den Korporationen bestehe oft ein starker sozialer und psychischer Druck, den vorgegebenen Einstellungen gerecht zu werden.

Trotz einiger Vorteile sind Studentenverbindungen immer mit Vorsicht zu betrachten, gibt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk zu bedenken. „Man muss sehr darauf achten, welchem Bund man sich anschließt.“ Das politische Spektrum der Korporationen sei weit – Kritiker monieren in einigen Fällen die politisch rechte Einstellung.

Gleichberechtigung findet kaum Platz

Oft herrschen in den Verbindungen Grob zufolge sehr antiquierte Vorstellungen von Geschlechterdemokratie. Frauen werden höchstens zu Festen geduldet, ihre Karriereansprüche finden in der Vorstellung des Männerbündischen kaum Platz. Auch Saufrituale und das Logenhafte mit seinen hierarchischen Strukturen seien nicht jedermanns Sache. In schlagenden Verbindungen werden beim Fechten sogar Verletzungen in Kauf genommen – der berüchtigte Schmiss gilt dort als Symbol der Furchtlosigkeit und des Stolzes.

Grob spricht vom „ideologischen Eintrittswert“. Neulinge sollten genau prüfen, worauf sie sich einlassen. Wer beitritt, müsse oft die Gesinnung der Korporation mittragen. Von einer kurzfristigen Kosten-Nutzen-Rechnung aufgrund der billigen Mieten rät er deshalb dringend ab. Grundsätzlich sollten sich Studenten überlegen, „ob es nicht freiere oder unabhängigere Zusammenschlüsse gibt“.

Verbindungen sind kein Garant für die Karriere

Die Bildung eines Netzwerkes mit anderen Aktiven wie auch den alten Herren sehen viele als größten Vorzug der Mitgliedschaft. Die reine Mitgliedschaft in einer Studentenverbindung sei aber kein Garant für eine spätere Karriere im Berufsleben. Kein alter Herr könne einem Bundesbruder zu einem Job verhelfen, wenn dieser nicht die entsprechenden Kompetenzen besitzt.

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