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Kolumne

Der schwarze Uni-Kater (Teil I)

Nach der Hochschulwahl sitzen Studenten zusammen und lauschen Väterchen Semester, der eine Geschichte aus alter Zeit erzählt.

Auch die Kugel spielt in der Geschichte eine Rolle.
Auch die Kugel spielt in der Geschichte eine Rolle. Foto: Knobloch

Regensburg.Es begab sich zu den Hochschulwahlen 2016, dass ein Grüppchen frivoler Studierender, die dem Wahlergebnis harrten, zum gemütlichen Bierkonsum und Tobackschmauchen beim Unigarten sich zu einem Sitzkreis zusammenfand. Unter ihnen weilte auch der graue und altehrwürdige Langzeitstudent, den man Väterchen Semester nannte. Um sich für die scheinbar ewig währenden Stunden Kurzweil zu verschaffen, schlug eine Erstsemestlerin vor, ob man sich nicht Geschichten aus besseren Zeiten erzählen könne. Da sie schon länger eine Frage im Herzen trug, über die ihr womöglich das Väterchen Aufschluss geben könnte. Was es wohl mit dem alten, gusseiserne Aschenbecher, der scheinbar nicht in das Bild der Ausstattung des Studierendenhauses gehört, auf sich habe, das wollte sie wissen. „Ja, Väterchen, erzähl uns davon“, sagte ein aufgeweckter Jurist. Das Väterchen wollte diesem Gefallen nachgeben, doch es sei keine kurze Geschichte, gar eine zermürbende, schreckliche Geschichte. „Chilliger Style, man“, erwiderte ein praller Dreadhead mit erwartungsfreudigen und blutunterlaufenen Augen, „schieß los alte Kartoffel!“

Also begab es sich vor vielen Semestern, als der Bart des Väterchens noch rot war und seine Immatrikulation noch nicht allzu lange zurücklag. Diese Uni kam nämlich früher in die Hände von Professoren, die man die CSUler nannte, und der, welcher hier zu befehlen hatte, den nannte man den Präsidenten. Einer der wüstesten soll der Götz von Pölnitz gewesen sein aus dem Vogtlande, und unter ihm soll es sich zugetragen haben.

Diesem Götz von Pölnitz fiel es bei, dort hinten auf dem Audimaxhubel eine große Kugel zu bauen. Die Studierende, welche zur Uni gehörten, mussten sie bauen. Der Präsident fragte nach keinem von der Jahreszeit gebotenen Werk, nicht nach dem Winter-, nicht nach dem Sommersemester, nicht nach der Klausurenphase. Zu der und der Zeit sollte der letzte Zentner Beton geschleppt, der letzte Strich getan sein. Barmherzigkeit kannte er keine. Endlich war die Kugel fertig. Den Studierenden aber ward nicht gut zumute. Sie wischten sich den Schweiß von den Stirnen und sahen seufzend, wie weit der unselige Bau sie zurückgebracht. Da Erhob der von Götz von Pölnitz seine Stimme, und sie tönte wie aus einer hundertjährigen Eiche: „Meine Kugel ist fertig, doch noch eines fehlt, das Sommersemester kömmt, und bei der PT-Wiese ist kein Schattengang. In Zeit eines Monates sollt ihr mir einen pflanzen, sollt hundert ausgewachsene Buchen nehmen aus dem Böhmerwald mit Ästen und Wurzeln und sollt sie mir pflanzen auf dem Campus, und wenn eine einzige Buche fehlt, so büßt ihr mir es mit Gut und Blut! Drunten bei der Abendmensa steht Röhrlbier und Pilztoast bereit, aber morgen soll die erste Buche auf der Wiese stehen.“ Als von Gerstensaft und Toast einer hörte, meinte er, der Präsident sei gnädig und gut gelaunt, und begann zu reden von ihren notwendigen Hausarbeiten, dem Fehlen von ETCS-Punkten. Da begann der Zorn den Kopf des Präsidenten größer und größer zu schwellen, und seine Stimme brach los wie die Glocken des Doms, und er sagte ihnen: wenn er gnädig sei, so seien sie übermütig. Wenn an der OTH einer den nackten Studienplatz habe, so küsse er einem die Füße, hier hätten sie Kind und Spind, Dach und Fach und doch nicht satt. „Aber gehorsamer und genügsamer mache ich euch, so wahr ich Götz von Pölnitz bin, und wenn in Monatsfrist die hundert Buchen nicht oben stehen, so lasse ich euch peitschen, bis kein Fingerlang mehr ganz an euch ist, und Sprachkurse und Semesterticket werfe ich den Hunden vor.“

Alsbald setze ein großes Greinen unter den Studieren ein und als sie gerade dabei waren an der mühseligen Arbeit zu verzweifeln, kam ein junger, fahrender Scholast des Weges. Auf der kecken Mütze schwankte eine rote Feder und ein wilder Bart zierte sein Gesicht. „Was weint ihr so jämmerlich“, frug er frohen Mutes. Als die Verzweifelten ihre Geschichte erzählten machte er ihnen das Angebot, die Arbeit alleine zu erledigen. Er verlangte jedoch eine verhängnisvolle Gegenleistung…

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