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Kolumne

Der schwarze Uni-Kater (Teil II)

In Teil zwei der Geschichte von Väterchen Semester zeigt sich, welche Folgen das Abkommen mit dem fahrenden Scholasten hat.

Ein schwarzer Kater spielt in der Geschichte von Väterchen Semester eine wichtige Rolle.
Ein schwarzer Kater spielt in der Geschichte von Väterchen Semester eine wichtige Rolle. Symbolfoto: Patrick Pleul/dpa

Regensburg.Der fahrende Scholast verlangte nichts weniger als die Seele des ersten Erstis, der sich im nächsten Wintersemester immatrikulieren wird. Unter den geknechteten Studierenden machte sich großes Ersetzen und Argwohn breit. Der noch junge Väterchen Semester bemerkte, wie ein einzelner Scholast diese schwierige Aufgabe bewältigen könnte und dies auch noch unter solch einer Forderung? Da sprach der kecke Bartträger: „Mein Herr, Ihr redet nicht dumm, aber so ist es doch nicht. Man mag schlagen, was man will, BWLer oder PäPsy, so gibt er einen Ton von sich, er klaget. So soll jeder Studierende klagen, soll alles klagen! Ich bin nur ein Scholast, auf den ersten Blick, doch wer weiß, ob ich nicht daheim ein tüchtiges Gespann habe, und ein paar Semester für Bauingenieurwesen eingeschrieben war?“ Als Bauingenieurwesen eine mutige Kulturwissenschaftlerin hörte, da brach sie aus der Menge aus und gab dem Scholasten – wider dem Vorbehalt der Anderen – ihr Wort. Dieser besiegelte den Pakt mit einem Kuss auf ihre Wange.

Auf dann begaben sich alle zum Feiern auf eine Hausparty, da sie nun in aller Ruhe prokrastinieren konnten. Als sie von diesem dreitägigen Zechen aus ihrem Alkoholkoma erwachten und völlig verkatert den Galgenberg erklommen, da fanden sie auf der PT-Wiese die kräftigen Buchen, die einen mächtigen Schatten spendeten über die gesamte PT-Nord! Bis zum Wintersemester sollte keiner von ihnen je ein Wort darüber verlieren. Dann brach das Wintersemester über die Uni herein. Ein naiver Bauernbursche aus dem bayrischen Wald hatte es sich in den Kopf gesetzt Politikwissenschaft in Regensburg zu studieren. Mit breiter Mundart und wenig Verstand setzte er seinen Namen als erstes auf die neue Universitätsmatrikel des Semesters. Kaum war dies geschehen, erschien der Scholast mit der roten Feder an der Mütze auf dem Campus. Mit eiligen Blicken marschierte er in die Richtung des nichtsahnenden Woidler und sah im tief in die leeren, seelenlosen Augen, wie sie nur ein Mensch aus dem bayrischen Wald haben konnte! „Er hat keine Seele! Ihr habt mich betrogen! Und nun werdet ihr bezahlen“, ertönte seine wutentbrannte Stimme. Der Himmel verdunkelte sich und es begann ein Sturm aufzuziehen und der Scholast verschwand in einem feurigen Schlund im Kopfsteinpflaster.

Die Wange, die die junge Kulturwissenschaftler dem Scholasten als Ziel des unfreiwilligen Kusses diente, fing an anzuschwellen, aber da sie nur studentisch bei ihren Eltern mitversichert war, traute sie sich nicht zum Arzt. Am siebten Tage sollte es geschehen, die Backe, die immer weiter anschwoll, platze auf und ein schwarzer Kater sprang aus ihrer Backe! Der Kater, der immer größer und größer wurde, wie von Zauberhand, tötete viele Studierende und auch dem Götz von Pölnitz und seiner Professorenschar hauchte er ihre nichtswürdigen Existenzen aus. Vor dem Studierendenhaus stand ein junger, tatkräftiger Mann, der gerade eine rauchte. Er stand kühn und mutig und zuckte nicht mit der Miene und noch bevor der Kater ihm in die Nase beißen konnte, packte er diesen am Schwarz und schleuderte ihn gegen einen hervorstehenden Balken. Der Kater zuckte und seine Augen begangen zu glühen. Als der Kater erneut aufsprang verpasste der Angstlose ihm eine kräftige Rechte, in solch einer Weise, dass der Kater kopfüber in einen gusseisernen Aschenbecher fiel.

Als Väterchen Semester zum Ende seiner Erzählung kam, schaute ihn der Kreis der auf das Wahlergebnis harrenden Studierenden mit großen Augen an. „Und deswegen kommt Peter jeden Tag, seit diesem besagten Vorfall, zum Studihaus und raucht drei Zigaretten am Stück, um das Tier des Teufels dort zu bannen.“ Bald war es still ums Haus, bald auch still in demselben. Friedlich lag es da, rein und schön glänzte es in des Mondes Schein die Uni entlang, sorglich und freundlich barg es brave Leute in süßem Schlummer, wie die schlummern, welche Gottesfurcht und gute Gewissen im Busen tragen, welche nie den schwarzen Kater, sondern nur die freundliche Sonne aus dem Schlummer wecken wird.

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