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Kolumne

Ein dystopisches Gedankenexperiment

Vielen Studenten sei die aktuelle Situation an der Uni egal, beklagt unser studentischer Autor – und fordert mehr Engagement.

Studenten bei einer Vollversammlung im Audimax der Universität Regensburg
Studenten bei einer Vollversammlung im Audimax der Universität Regensburg Archivfoto: Tino Lex

Regensburg.Es ist nun mehrere Semester her, dass die Studierenden nicht nur das Reden, sondern auch das Handeln eingestellt haben. Es fing alles ganz harmlos an. Erst kam Bologna, dann die Vereinheitlichung der Universitäten und nach und nach wurden die Studierenden wieder mit eingeführten Studiengebühren, getarnt als „Auslagenersatz“ zur Kasse gebeten. Doch dem Ganzen nicht genug. Sogar studentische Initiativen, wie Fachschaften, die nicht nur ehrenamtlich, sondern auch non-profit die Campuskultur und den Raum Universität beleben, mussten nun für das Flyern am Campus an ein kapitalistisches Großunternehmen bezahlen, das nicht nur die Kommerzialisierung der Universität begrüßt, sondern auch die studentischen Gruppen gezielt ausnimmt.

Nun laufen die Studierenden der Uni Regensburg durch graue Betonflure, an deren Wänden die einzigen Farbkleckse die großen Werbeplakate von diversen Versicherungen, Großraumdiskotheken und Banken sind. Jedes Semester bleiben mehr von den Studierenden auf der Strecke, da sie nicht nur für ihre Sprachkurse bezahlen müssen, sondern auch das Semesterticket und die Lebenshaltungskosten von Semester zu Semester steigen. Parallel dazu wurde eine verschärfte Anwesenheitspflicht in allen Studiengängen eingeführt, die dazu führte, dass immer mehr Studierende keinen flexiblen Nebenjob mehr ausführen können. Das Autoritätsgefälle zwischen Studierenden und Professor*innen wird immer größer und auf Wohlwollen können Studierende nicht mehr hoffen, wenn sie einmal ihren Kurs verschlafen haben. Immer mehr studentische Kreativgruppen werden wegrationalisiert. Der eigentliche Sinn einer Universität als Raum des Austausches und der Kultur ist an keiner Ecke mehr zu erahnen.

Vor mehreren Semestern, als die ganze Sache ihren Anfang nahm, gab es noch eine hochschulpolitische Struktur und viele engagierte Studierende, die den Kampf gerne aufgenommen haben gegen die großen Einschneidungen der Freiheit im Studium. Der große Meilenstein mit dem sich alles zum Besseren wenden sollte, war die große Vollversammlung auf die ein Semester lang hinmobilisiert wurde. Die große Hoffnung und eine noch größere Enttäuschung. Dem Großteil der Studierenden war die derzeitige Situation schlichtweg egal oder wurde als gar nicht so tragisch empfunden. Studentische Initiativen fanden das Vorgehen gegen die Einschneidungen durch bspw. Petitionen zu radikal und so scheiterte die Versammlung.

An der Uni Regensburg stehen Mann und Frau noch am Anfang. Landau macht es vor, wie wichtig es in der heutigen Zeit ist, sich zu wehren. In einer Zeit, in der nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Bildung wegrationalisiert wird. In einer Zeit, in der es kein Geld für Frauenbeauftragte und Kinderbetreuungen an der Uni gibt. In einer Zeit, in der Anwesenheit verpflichtend wird, genauso wie die Gebühren für Sprachkurse.

Es ist eine Zeit, in der Studierende nicht gehört werden. Ist es doch so viel einfacher Gebühren auf das schwächste Glied der Kette abzuwälzen, bevor man selbst aktive Lösungen sucht. Ist es doch so viel angenehmer wegzuhören, wenn Probleme herangetragen werden, als Kompromisse zu machen. Ist es doch so viel einfacher seinen eigenen Weg zu gehen, als einen gemeinsamen Weg zu finden..

Nicht mit uns!

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