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Kino

Filme mit einer ganz eigenen Handschrift

Namhafte Gäste wie Joachim Król kommen zum „Heimspiel“-Fest nach Regensburg. Studenten haben die Produktionen ausgewählt.
Von Fred Filkorn, MZ

Joachim Król kommt zum Filmfest nach Regensburg und stellt sich den Fragen der Kino-Fans.
Joachim Król kommt zum Filmfest nach Regensburg und stellt sich den Fragen der Kino-Fans. Foto: dpa

Regensburg.Eintauchen in fantastische Filmwelten. Eine Woche lang das trübe Novemberwetter vergessen. Das „Heimspiel“-Filmfest verspricht: „Die besten Filme, in den besten Kinos.“ Das sind dann solche, die man womöglich im Laufe des vergangenen Jahres verpasst hat. Oder jene, die so anspruchsvoll oder schräg sind, dass sie es womöglich niemals ins deutsche Kino schaffen werden. Es sind aber auch jene dabei, die in den nächsten Wochen und Monaten regulär ins Kino kommen werden. Da bietet das „Heimspiel“ dann eine Preview-Möglichkeit.

Das ganze Jahr über war das Heimspiel-Team auf der Suche nach dem „außergewöhnlichen Film“, so Pressefrau Christina Grundl. Im Februar sei man zur Berlinale gefahren, im Sommer zum Münchner Filmfest. Immer Ausschau haltend „nach Filmen mit einer eigenen Handschrift“. Und die waren nicht selten im Bereich des Genrekinos zu entdecken: Thriller, Western, Erotik, Horror oder auch dem Sportfilm. „Das Genre bietet größere künstlerische Freiheiten“, so Grundl.

Ein Projekt mit Strahlkraft

Im Rahmen eines Projektseminars der Medien- und Kulturwissenschaften an der Universität Regensburg unter der Leitung von Sascha Keilholz wurden die Fundstücke dann auf ihre „Heimspiel“-Kompatibilität überprüft. Hat der Regisseur eine eigene charakteristische Filmsprache entwickelt? Sticht der Film aus dem Mainstream-Einheitsbrei heraus? 15 Studierende lernen die Festivalorganisation von der Pike auf. Ein Kernteam von fünf ehemaligen Seminarteilnehmern unterstützt Keilholz bei der täglichen Planungsarbeit. „Auch das Plakateaufhängen und Flyerverteilen gehört da dazu“, erklärt Grundl.

Auch wenn das „Heimspiel“-Filmfest aus einem Uniprojekt heraus entstand, sollte man seine Strahlkraft nicht unterschätzen. Schauspielerin Nicolette Krebitz wird nach Regensburg kommen, um ihren allseits gerühmten neuen Film „Wild“ in der Sektion „Deutsche Highlights Plus“ vorzustellen. „Plus“ deshalb, weil hier auch Filme aus dem deutschsprachigen Ausland und deutsche Koproduktionen laufen. Die „Hommage“ ist in diesem Jahr den beiden Ausnahmeschauspielern Bibiana Beglau und Joachim Król gewidmet. Bei ihren Kinolounge-Gesprächsterminen am Nachmittag werden sie jeweils zwei Stunden Rede und Antwort stehen. „Wir haben Beglau und Król ausgesucht, weil sie in Film, Fernsehen und Theater zuhause sind und deshalb viel zu erzählen haben“, erklärt Grundl.

Das Heimspiel-Filmfest

  • Was, wann, wo:

    Die Filme laufen vom 16. bis 23. November in den Spielstätten Ostentor, Filmgalerie und den Kinos im Andreas-Stadel. Die nicht-deutschsprachigen Filme aus über 20 Ländern gibt es jeweils im Original mit deutschen oder englischen Untertiteln.

  • Abstimmen:

    Aus den 15 Titeln der Reihe „Deutsche Highlights Plus“ wird ein Publikumsliebling gewählt, der am Abschlussabend noch einmal gezeigt wird.

  • Mitdiskutieren:

    Der Eintritt zu den nachmittäglichen Kinolounge-Gesprächen im Wintergarten ist frei.

Fragen und Antworten

Beim „Q&A“ (Question & Answer) kann man Król etwa fragen, warum nach Nina Kunzendorf auch er den Dienst beim Frankfurter „Tatort“ quittiert hat. Beglau und Król sind dann gemeinsam in der WDR-Produktion „Über Barbarossaplatz“ zu sehen, der von Jan Bonny in Szene gesetzt wurde. Der Kölner Regisseur beehrt das „Heimspiel“ bereits zum vierten Mal. Auch André M. Hennicke kommt erneut nach Regensburg. Deutschlands Charakterkopf Nummer eins stellt Omer Fasts Zeitschleifen-Experiment „Continuity“ vor. „Remainder“, ein weiterer Film des israelischen Kunstfilmers Fast, läuft als „Special Screening“. In dieser Sektion werden die neuen Arbeiten von Regisseuren vorgestellt, deren Schaffen man über die Jahre hinweg beobachtet hat. Von Jim Jarmusch, Ken Loach oder Olivier Assayas etwa werden die neuen Arbeiten „Paterson“, „I, Daniel Blake“ und „Personal Shopper“ gezeigt.

Auch wenn mit der bundesweiten Initiative „Pro Quote Regie“ seit 2014 einiges in Bewegung geraten ist, sind Frauen im Regiefach noch immer deutlich unterrepräsentiert. Und das, obwohl über 40 Prozent der Studierenden an deutschen Filmhochschulen weiblich sind. Als hätte es noch eines Beleges bedurft, kamen dieses Jahr viele außergewöhnlich gute Filme von deutschen Regisseurinnen ins Kino: Von Maren Ades tragikomischen Cannes-Liebling „Toni Erdmann“ über Maria Schraders beeindruckendem Stefan-Zweig-Biopic „Vor der Morgenröte“ bis zu Krebitz‘ „Wild“ eben.

Eine Plattform für weiblichen Nachwuchs

Darüber hinaus bietet das „Heimspiel“ heuer auch dem weiblichen Nachwuchs eine Plattform. Leonie Krippendorffs Abschlussfilm „Looping“, ein einfühlsames Porträt von drei jungen Frauen in der Krise, wird von Produzent Jost Hering vorgestellt. Julia C. Kaiser kommt gleich mit ihrer ganzen Crew nach Regensburg, um den eigenwilligen Liebesfilm „Die Hannas“ vorzustellen. Und Regisseurin Luise Brinkmann schickt die Cutterin ihres spontanistischen Mumblecore-Dramas „Beat Beat Heart“, Maren Unterburger, auf eine gemeinsame Bühne mit den deutschen Cutter-Heroinen Bettina Böhler und Juliane Lorenz, um über das stets unterschätzte Handwerk des Filmeschneidens zu sprechen. Böhler ist Stamm-Editorin der „Berliner Schule“ und hat sämtliche Streifen von Christian Petzold und Angela Schanelec geschnitten (deren Festivalhit „Der traumhafte Weg“ ebenfalls beim „Heimspiel“ läuft). Juliane Lorenz war nicht nur die Cutterin von Rainer Werner Fassbinder, sondern auch seine Lebensgefährtin.

Für PR-Frau Grundl war es „längst überfällig, den Fokus auf das Wirken von Frauen in der deutschen Filmbranche zu lenken.“ Die historische Reihe „Cinema Feminin“ widmet sich deshalb Filmklassikern wie „Solo Sunny“ oder „Die bleierne Zeit“.

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